Simmen Maria

Maria Simmen wurde am 6.7.1900 in Zürich geboren. Sie besuchte die Primar-, Sekundarschule und das Lehrerseminar in Luzern, welches sie 1920 mit dem Diplom abschloss. Im Jahre 1925 hatte Simmen zudem das Sekundarlehrerpatent an der Universität Luzern absolviert. Weitere Studien führten sie nach Genf und Zürich. Während sechs Jahren unterrichtete Maria Simmen an der städtischen Sekundarschule Luzern (1926-1932). Die Hausfrau und Mutter schrieb noch bis ins hohe Alter Bücher. Maria Simmen starb am 23.12. 1996. Simmen veröffentlichte 1947 ihren ersten Erzählband. Bekannt wurde sie jedoch erst mit neun Mundarthörspielen die zwischen 1958 und 1977 im Radio gesendet wurden. Zentrale Themen des Werkes der Luzerner Autorin sind Liebe, Treue und das Alter.

Bibliographie :
  • Um die Heimat. Drei Novellen. Basel: F.Reinhardt AG, 1947
  • Herbstblätter. Erzählungen und Gedankensplitter. Heilbronn: E.Salzer, 1980
  • Ich bin ganz gerne alt. Aus der Fülle später Jahre. Heilbronn: E.Salzer, 1980
  • Wohnt die Treue in der Milchstrasse? Bericht aus einer Ehe. Heilbronn: E.Salzer, 1983
  • Und abends geh ich nach Kathaura. Ehegeschichten. Heilbronn: E.Salzer, 1985
  • So alt und noch mitten im Leben. Heilbronn: E.Salzer, 1988
  • Lebens-Labyrinth. Von Menschen und Schicksalen. Heilbronn: E.Salzer, 1993

Distinctions :
  • Preis im Wettbewerb des Schweizerischen Lehrervereins für eine Kindergeschichte (1946)
  • Preis im Hörspiel-Wettbewerb der SAFFA (1958)
  • Auszeichnung im Migros-Kurzgeschichten-Wettbewerb (1975)
  • Wilhelmine-Lübke-Preis des Kuratoriums Deutsche Altershilfe (1980)
  • Werkpreis Stadt und Kanton Luzern (1981)
  • Literaturpreis Stadt und Kanton Luzern (1987)
  • Werkjahrbeitrag der Luzerner Literaturförderung (1988)

Extrait de "Unter dem Kainszeichen" in: "Lebens-Labyrinth. Von Menschen und Schicksalen" [S. 18-19]

„Ich befand mich an einem unbekannten, einem lichten Ort – aus einer sanften Helle kamen mir Menschen entgegen – unbekannte -, und doch wusste ich, wer sie waren – nein, nicht jene, die der Herbert umgebracht hat, nein, nicht sie, sondern ihre Angehörigen: ihre hinterbliebenen Frauen, ihre Kinder, ihre Mütter... die kenne ich in Wirklichkeit gar nicht, habe sie nie gesehen. Im Traum erschienen sie mir als liebevolle Gestalten – sie streckten mir die Hände entgegen – versöhnlich, als hätten sie Erbarmen mit mir. Eugen, ich habe oft Gläubige erzählen hören, wie Verstorbene sich im Jenseits begegneten, wo alle Feindschaften, alle Rache aufgehoben sei. Ich habe so etwas nie geglaubt – bloss gelächelt und gedacht: Schön wär`s! Ein ganz widersinniger Traum war`s – wie soll ich ihn deuten!“

„Da steckt doch klar ein Wunsch nach Versöhnung drin.“

„... die doch ganz und gar unmöglich ist! Was bewirken schon Träume? Da wiegen meine Wachgedanken und Taggefühle schon schwerer. Im Innersten beneide ich sie nämlich, diese andern, weil sie uns verabscheuen, hassen dürfen. Es ist menschlich gerechtfertigt, einen mit seiner ganzen Sippe zu ächten, der sich an ihren Nächsten so grauenvoll vergangen hat! Herbert ist der Kain, und ich bin die Kainsmutter – wir müssen dieses Zeichen tragen – lebenslang!“

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