Schwitter Monique

Die Schriftstellerin und Schauspielerin Monique Schwitter kam 1971 in Zürich zur Welt. Von 1993 bis 1997 studierte sie Theaterregie und Schauspiel am Salzburger Mozarteum. Anschliessend hatte sie Engagements als Schauspielerin am Schauspielhaus Zürich, am Schauspiel Frankfurt und von 2000 bis 2004 am Schauspielhaus in Graz. Von 2005 bis 2010 gehörte sie zum Ensemble des Deutschen Schauspielhauses in Hamburg. Hier betrieb sie auch ihren eigenen literarischen Salon, den „Damensalon“. Sie war als Rezitatorin, Sprecherin und als Regisseurin speziell von literarischen Programmen (z.B. über Peter Handke, Ernst Jandl) tätig. Ab 2002 veröffentlichte sie erste eigene Texte, die zunächst in literarischen Zeitschriften (v.a. in den „Manuskripten“) erschienen. Ein Jahr lang lebte Monique Schwitter als freie Autorin in Berlin, wo sie an ihrem ersten Buch arbeitete: der Erzählband „Wenn’s schneit beim Krokodil“, für den sie den Robert-Walser-Preis und den Förderpreis der Schillerstiftung erhielt, erschien 2005. „Und das hat mich, das muss ich auch sagen, gründlich fürs Theater verdorben. Ich hatte einfach eine Sehnsucht nach dem Schreibtisch, die war gigantisch.“ Für das Luzerner Theater schrieb sie im Auftrag das Stück „Himmels-W“, das am 3. April 2008 uraufgeführt wurde. Aber auch die Produktion von Prosa kam nicht zu kurz. Im gleichen Jahr erschien der Roman „Ohren haben keine Lider“, drei Jahre später dann der Erzählband „Goldfischgedächtnis“ (2011). Die Literaturkritik und ein breiteres Publikum wurde auf die Schriftstellerin aufmerksam. 2015 erhielt Monique Schwitter eine Einladung für die Teilnahme am Ingeborg-Bachmann-Preis; im gleichen Jahr kam ihr Roman „Eins im Andern“ auf die Shortlist für den Deutschen Buchpreis und im November wurde er mit dem Schweizer Buchpreis ausgezeichnet. Monique Schwitter gelingt es, ihre Leserinnen und Leser in direkter, schnörkelloser Sprache in ihre Erzählwelt zu entführen, die ausgefüllt ist mit einer Unzahl an Geschichten. Weil fast jeder Satz überraschend ist, ist auch kaum ein Schritt der Handlung vorhersehbar. Jede Figur hat ihre eigene Musik, die Texte oszillieren zwischen Trauer und Komik, Verstörtheit und der Sehnsucht nach Liebe und Nähe. Monique Schwitters Romane sind ein Stück moderne zeitgenössische Literatur, sie sind zugleich ein Stück Drama, Krimi, Liebesgeschichte, Entwicklungsroman – dies alles in bestem Sinne. Die Autorin schweift ab, legt assoziative Spuren und verhehlt bei aller Ironie nie den untergründigen Ernst. Sie spürt den Gefühlen und Leidenschaften nach wie ein neugieriger Detektiv und verzichtet auf jegliche Psychologisierung. Damit gehört sie zu den „originellsten und witzigsten Stimmen unter den jüngeren Autoren des deutschen Sprachraums.“ (Klaus Nüchtern, Tages-Anzeiger) Foto: Matthias Oertel

Liens
schweizermonat.ch/artikel/monique-schwitters-augenblick
www.srf.ch/kultur/literatur/monique-schwitter-wird-mit-dem-schweizer-buchpreis-2015-geehrt
www.literaturpreise.ch/de/schweizer-literaturpreise-2016/monique-schwitter/

Bibliographie :
  • Wenn’s schneit beim Krokodil. Erzählungen. Graz: Droschl, 2005
  • Ohren haben keine Lider. Roman. Salzburg: Residenz, 2008
  • Himmels-W. Theaterstück (Uraufführung Theater Luzern: 2008)
  • Goldfischgedächtnis. Erzählungen. Graz: Droschl, 2011
  • Eins im Andern. Roman. Graz: Drosch, 2015

Distinctions :
  • Hermann-Lenz-Stipendium (2004)
  • Förderpreis der Schweizerischen Schillerstiftung (2005)
  • Robert-Walser-Preis (2006)
  • Werkjahr des Kantons Zürich (2006)
  • Halbes Werkjahr der Stadt Zürich (2006)
  • Stadtschreiberin von Hausach (2011)
  • Halbes Werkjahr der Stadt Zürich (2011)
  • Artist in Residence im Künstlerhaus Lauenburg (2012)
  • Aufnahme in die Freie Akademie der Künste in Hamburg (2012)
  • Manuskripte-Preis des Landes Steiermark (2013)
  • Werkbeitrag der Pro Helvetia (2014)
  • Schweizer Buchpreis (2015)
  • Heinrich-Heine-Stipendium der Stadt Lüneburg (2016)
  • Schweizer Literaturpreis (2016)

Extrait de "Eins im Andern" [S. 62f.]

Ich lag auf seiner Matratze und dachte an den Satz, den ich am Grab meiner Grossmutter nicht gesprochen hatte, den einzigen, den ich nicht in ihrer Grube versenkte, er klebte an mir wie Polyesterharz oder Geckofüsse an einer Steilwand, ich wurde ihn einfach nicht los: Die Liebe sucht man sich nicht aus, mein Herz. Sie streichelte mir über die Wange. Ich lächelte sie an und sagte: Es muss aufhören.

Das Klopfen hat aufgehört. Es ist Ruhe. Dafür brennen mir die Augen. Ich sehe die vielen schwarzen Zeichen vor mir auf dem Bildschirm, sie tanzen auf und nieder. Ich fasse mir an die Wange. Ach, Grossmutter. Was ist das, die Liebe? Wieso kann sie kommen und gehen? Wohin geht sie, wenn sie geht?

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