Schmidli Werner

Werner Schmidli wurde am 30.9.1939 in Basel als Sohn einer Chemiearbeiterfamilie geboren. Nach der Realschule folgte die Ausbildung zum Chemielaboranten. Zwischen 1960 und 1962 unternahm er eine Weltreise und war längere Zeit Industriearbeiter in Melbourne. Nach der Rückkehr in die Schweiz lebte er zuerst im Kanton Aargau, 1967 folgte der Umzug nach Basel. Er arbeitete in einem Verlag und war Mitherausgeber der Literaturzeitschrift "drehpunkt" (1969-1979). Schmidli war seit 1979 als freier Schriftsteller tätig und lebte in Basel, wo er am 14. November 2005 starb. Schmidli wurde nicht nur durch seine Prosa, sondern auch durch Hör- und Fernsehspiele bekannt. In seinen frühen Werken "Der alte Mann, das Bier, die Uhr" (1968), "Sagen Sie nicht, beim Geld hört der Spass auf" (1970), "Gustavs Untaten" (1976) kommt die Nähe zum arbeitenden Volk, zur Welt der kleinen Leute deutlich zum Ausdruck. In "Ganz gewöhnliche Tage" (1981) und "Warum werden Bäume im Alter schön" (1984) beschäftigt ihn die Brüchigkeit der zwischenmenschlichen Beziehungen, "der fehlende Mut zum Glücklichsein". Sein Buch "Der Mann am See" (1985) und dessen Fortsetzung "Guntens stolzer Fall" (1989) knüpfen an die von Friedrich Glauser begründete Tradition des schweizerischen Kriminalromans an.

Liens
www.nzz.ch/2005/11/18/fe/articleDC3K7.html
www.ub.unibas.ch/cmsdata/spezialkataloge/bla/schmidli_werner.html

Bibliographie :
  • Der Junge und die toten Fische. Erzählungen. Einsiedeln / Zürich / Köln: Benziger, 1966
  • Meinetwegen soll es doch schneien. Zürich / Einsiedeln / Köln: Benziger, 1967
  • Der alte Mann, das Bier, die Uhr und andere Geschichten. Bern: Lukianos, 1968
  • Das Schattenhaus. Zürich / Einsiedeln / Köln: Benziger, 1969
  • Margot's Leiden. Erzählung. Basel: Lenos, 1970
  • Gebet eines Kindes vor dem Spielen. Gedichte. Bern: Lukianos, 1970
  • Sagen Sie nicht, beim Geld hört der Spass auf. Prosa. Zürich / Köln: Benziger, 1971
  • Mir hört keiner zu. Auseinandersetzungen für zwei oder mehrere Personen. Basel: Lenos, 1971
  • Fundplätze. Zürich / Köln: Benziger, 1974
  • Gustavs Untaten. Erzählungen. Zürich / Köln: Benziger, 1976
  • Zellers Geflecht. Zürich / Köln: Benziger, 1979
  • Die Freiheiten eines Reisenden. Geschichten. Basel: Gute Schriften, 1980
  • Ganz gewöhnliche Tage. Zürich / Köln: Benziger, 1981
  • Warum werden Bäume im Alter schön. Zürich / Köln: Benziger, 1984
  • Der Mann am See. Zürich: Nagel & Kimche, 1985
  • Hasenfratz. Zürich: Nagel & Kimche, 1987
  • Guntens stolzer Fall. Zürich: Nagel & Kimche, 1989
  • Von Sommer zu Sommer in meiner Nähe. Ein Geschichtentagebuch. Zürich: Benziger, 1990
  • Kythera oder Das blaue Zimmer. Zürich: Nagel & Kimche, 1991
  • Der Mann aus Amsterdam. Zürich: Nagel & Kimche, 1993
  • Der Seidenrosenbaum. Zürich: Nagel & Kimche, 1996
  • Schlitzohr. Zürich: Nagel & Kimche, 1997
  • Schabernack. Kriminalgeschichten. Muri b. Bern: Cosmos, 2001
  • Teufel und Beelzebub. Kriminalroman. Muri b. Bern: Cosmos, 2002
  • Bergfest. Kriminalroman. Muri b. Bern: Cosmos, 2004

Distinctions :
  • Kurzgeschichtenwettbewerb SFD (1962)
  • Förderpreis der Stadt Basel (1964)
  • Werkjahr der Stadt Basel (1967)
  • Preis der Schweizerischen Schillerstiftung (1968)
  • Förderungspreis der Pro Helvetia (1969)
  • Basler Literaturpreis (1985)
  • Werkjahr und Förderpreis vom Kuratorium für die Förderung des kulturellen Lebens des Kantons Aargau (1976)
  • Werkjahr Pro Helvetia (1979 / 1992)
  • Werkbeitrag des Kantons Aargau (1996)
  • Werkbeitrag Kanton Basel-Stadt und Basel-Land (2001)

Extrait de "Kythera oder Das blaue Zimmer" [S. 187]

Micha ist Weinhändler geworden, sagt sie. Über die Jahre sind viele seiner Gewohnheiten auch die ihren geworden. Sie zuckt ein wenig die Schultern, legt den Strohhut und den Reiseführer auf den Tisch und rückt an seine Seite, in den Schatten. Und dir ist der Oúzo zur Gewohnheit geworden. Jetzt lächelt sie.
Sie will ihn nicht an den letzten Abend erinnern, er muss selber wissen, was ihm bekommt, natürlich, er neigt wie ihr Mann dazu, sich zu überschätzen.
Übrigens interessiert sie sich nicht besonders für Altertümer, im Gegensatz zu ihrem Mann. Sie begleitet ihn jeweils. Er ist auf meine Hilfe angewiesen. Über Epidauros weiss sie alles Wissenswerte, sie lässt eine Weile die Hand auf dem Buch liegen, als wäre sie dort gewesen. Bei dir ist es umgekehrt: deine Frau interessiert sich für Altertümer.
Keine weiteren Fragen nach seiner Frau und seinem Leben, und sie erwartet keine Fragen nach ihrem Leben, sie hat einen Sohn und er hat eine Tochter.

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