Schifferli Dagmar

Dagmar Schifferli wurde am 20. Februar 1951 in Zürich geboren. Sie studierte Pädagogik und Psychologie in ihrer Heimatstadt. Anschliessend war sie Redaktorin und Geschäftsführerin eines sozialpolitischen Verbandes. Zur Zeit arbeitet Schifferli als Dozentin für Sozialpädagogik und Geschichte der Pädagogik. Sie veröffentlicht Beiträge in diversen Fachzeitschriften.

Liens
www.dagmarschifferli.ch/

Bibliographie :
  • Anna Pestalozzi-Schulthess. Ihr Leben mit Heinrich Pestalozzi. Zürich / München: Pendo, 1996
  • Wiborada die Heilerin. Roman. Zürich / München: Pendo, 1998
  • Verwandte Gefühle. Zürich / München: Autorinnen-Verlag, 2002
  • Wiborada. St. Gallen: Verlag am Klosterhof, 2010
  • Leben im Quadrat. Zürich: Edition 8, 2014

Distinctions :
  • Diverse seit 1995

Extrait de "Anna Pestalozzi-Schulthess" [S. 39-40]

Lautes Gepolter weckte Anna bei Tagesanbruch aus dem Schlaf. Ihre Haut war feucht, das Nachthemd klebte ihr am Körper. Sie drehte sich zur Seite, zog die Knie an die Brust und presste ihre Fäuste auf die Augen. Mit äusserster Anstrengung versuchte sie, die entschwebenden Traumfetzen aufzuhalten. Da war doch was? Was war da nur? Heinrich? Sein Bild stieg deutlich in ihr auf. Heinrich in schmutzigen, durchlöcherten Kleidern auf der Bühne eines grossen Saales hin und her hetzend, aufgeregt am Zipfel seines Halstuchs kauend. Es war ein hoher Raum, in dem er sich aufhielt, von vier pompösen Kerzenleuchtern erhellt. Einer dieser Leuchter hing direkt über Heinrich, so dass man befürchten musste, das schwere Ungetüm falle nächstens krachend und klirrend herunter. Im Saal herrschte ein Tumult sondergleichen, die Menschenmassen schrien grobschlächtige Schimpfwörter und warfen mit dicken Holzknüppeln nach Heinrich, der sich duckend zu schützen suchte. Plötzlich hält er inne, richtet seinen merkwürdig buckligen Körper auf, nimmt das Halstuch aus dem Mund und ruft mit beschwörender Stimme: „Je suis votre sauveur! Suivez-moi donc!" Der Pöbel grölte und schrie zurück: „Wir brauchen keinen Retter; besser, wir helfen uns selbst!"

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