Schaffner Jakob

Jakob Schaffner wurde am 14. November 1875 in Basel geboren. Er durchlebte eine schwere Kindheit: Der Vater starb früh und Mutter wanderte mit ihrem Liebhaber nach Amerika aus. Der verwaiste Knabe kam in die streng pietistisch geführte Waisenanstalt im badischen Beuggen, wo autoritäre Gewalt und sittliche Zucht herrschten. Diese Zeit prägte ihn tief und ist im Roman „Johannes“ verarbeitet. Nach der Lehre als Schuhmacher in Basel reiste Jakob Schaffner mehrere Jahre als Geselle durch Deutschland und begann zu schreiben. Der Autodidakt schaffte 1910 mit dem Roman „Konrad Pilater“ den literarischen Durchbruch. Ein Jahr darauf zog er endgültig nach Deutschland, dem Land, dem er sich stark verbunden fühlte. Schaffners Deutschlandliebe nahm mit der Machtergreifung Hitlers 1933 bedrohliche Formen an. Als Überzeugter Anhänger der NS-Ideologie betrieb er Propagandaarbeit für die Nazis. Dieser Gesinnung blieb Jakob Schaffner bis zu seinem Tod am 25.9.1944 in Strassburg (Bombardement) verhaftet. Die sterblichen Überreste wurden nach Buus (Basel-Land), seiner Heimatgemeinde, überführt, wo sie unter grossen Protesten der Bevölkerung beigesetzt wurden. Die breite öffentliche Wahrnehmung bleibt Schaffners Werk bis heute verwehrt, obwohl er seine wichtigsten Bücher vor der Nazi-Zeit geschrieben hat.

Liens
personenlexikon.bl.ch/Jakob_Schaffner
www.linsmayer.ch/autoren/S/SchaffnerJakob.html
www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/rezensionen/belletristik/johannes-unterm-rad-1259659.html

Bibliographie :
  • Irrfahrten. Roman. Berlin: 1905.
  • Die Laterne und andere Novellen. Berlin: 1907
  • Konrad Pilater. Roman. Berlin: 1910
  • Der Bote Gottes. Roman. Berlin: 1911
  • Die goldene Fratze. Novellen. Berlin: 1912
  • Die Irrfahrten des Jonathan Bregger. Neufassung des Erstlingsromans. Berlin: 1912
  • Die Weisheit der Liebe. Roman. Zürich/Leipzig: 1919
  • Konrad Pilater. Neu bearbeitete, gekürzte Auflage. Stuttgart: 1922
  • Johannes. Roman einer Kindheit. Stuttgart: 1922 (Erster Band der Johannes-Tetralogie)
  • Brüder. Zwei Erzählungen. Stuttgart: 1925
  • Das grosse Erlebnis. Roman. Stuttgart: 1926
  • Die Jünglingszeit des Johannes Schattenhold. Roman. Stuttgart: 1930 (Zweiter Band)
  • Eine deutsche Wanderschaft. Roman. Berlin: 1933 (Dritter Band)
  • Offenbarung in deutscher Landschaft. Eine Sommerfahrt. Stuttgart: 1934
  • Berge, Ströme und Städte. Eine schweizerische Heimatschau. Stuttgart: 1938
  • Kampf und Reise. Roman. Stuttgart / Berlin: 1939 (vierter Band)

Distinctions :
  • Ehrengabe der Schweizerischen Schillerstiftung (1911 / 1923)
  • Grosser Preis der Schweizerischen Schillerstiftung (1930)

Extrait de "Konrad Pilater" [S. 11]

Von all dem Singen und Läuten ging ein leises, glückliches Dröhnen durch die Luft, das seine Wellen bald auch in meine grasgrüne Seele hineinspielte. Ich war frei, fröhlich, höflich und gesund, und darum empfänglich für jeden neuen Eindruck. Es war mir hell ums Herz, und wie ich leicht an meinem Dasein und an meinen Erfahrungen trug, so drückte mir meine irdische Habe, die ich in ihrem ganzen Umfang im Ränzel mit mir führte, nicht sonderlich auf die Schulter. Etwas Schusterwerkzeug, ein Hemd, ein paar Socken, zwei frische Papierkragen, eine Mundharmonika und ein zusammengesparter Zeitungsroman – das machte mein Besitztum aus. Kam noch hinzu der Anzug, den ich am Leib trug, meine guten Ausweispapiere und ein paar selber gemachte Gedichte.

précédent