Salis Jean Rodolphe von

Jean Rodolphe von Salis wurde am 12.12.1901 in Bern geboren und wuchs zweisprachig auf. Er besuchte das Freie Gymnasium in Bern und studierte anschliessend Geschichte in Montpellier, Berlin, Bern und Paris. In der französischen Hauptstadt lebte er von 1925 bis 1935 und arbeitete neben seinen wissenschaftlichen Studien als Korrespondent für den „Bund“ und die „Weltwoche“. Von Salis schloss sein Studium mit dem Gymnasiallehrer-Diplom und der Promotion zum Dr.phil. ab. Von 1935 bis 1968 wirkte er als Ordinarius für allgemeine Geschichte an der ETH in Zürich. Gastprofessuren in Wien und Lausanne fielen ebenso in diese Zeitspanne wie die Tätigkeit als Präsident der Stiftung Pro Helvetia (1952-1964) und die Mitgliedschaft in der Schweizerischen UNESCO-Kommission (bis 1964). Berühmt wurde Jean Rodolphe von Salis durch seinen wöchentlichen Kommentar am Radio während des zweiten Weltkriegs. 1940 war er vom amtierenden Bundespräsidenten Pilet-Golaz beauftragt worden, die Weltereignisse jeden Freitagabend auf Radio Beromünster zu kommentieren. Seine Worte fanden weit über die Landesgrenzen Gehör. Vor allem in den von Deutschland besetzten Gebieten lauschten Tausende Woche für Woche den durch Sachlichkeit und Wahrhaftigkeit geprägten Urteilen über das aktuelle Zeitgeschehen in der Sendung mit dem Titel „Weltchronik“. Seine Beurteilungen waren nüchtern, unabhängig und differenziert. Von Salis machte auch aus seiner Abneigung gegen den Nationalsozialismus keinen Hehl. Die Reichsregierung forderte in der Folge den Bundesrat gleich dreimal auf ihn durch einen anderen Kommentator zu ersetzen. Die „Weltchronik“ begründete Jean Rodolphe von Salis` moralische und geistige Integrität. Er hatte sie später selbst als „Partisanentätigkeit in den Ätherwellen“ bezeichnet. Auch nach dem Krieg war die Zeitgeschichte das grosse Thema für den Universalgelehrten von Salis. Den Zweck der Historiographie sah er darin, Orientierung für die kompliziert gewordene Gegenwart zu leisten. Unter diesen Leitsatz stellte er auch sein Hauptwerk die „Weltgeschichte der neuesten Zeit“, welche in traditioneller Weise als Geschichte der grossen Männer aufgebaut ist. Jean Rodolphe von Salis starb am 14.7.1996 in Brunegg.

Liens
www.nzz.ch/2001/12/08/li/article7TZ70.html
www.ideesuisse.ch/254.0.html?&no_cache=1&tx_ttnews%5Btt_news%5D=785&tx_ttnews%5Blist%5D=753%2C72%2C1352%2C258%2C785
www.rts.ch/archives/radio/information/journal-de-13h/6176374-jean-rodolphe-de-salis.html
www.tagesanzeiger.ch/kultur/diverses/Ein-grosser-Geist-verhaftet-im-alten-Denken-/story/11802476

Bibliographie :
  • Rainer Maria Rilkes Schweizer Jahre. Frauenfeld: Huber, 1936
  • Weltgeschichte der neuesten Zeit. 3 Bd. Zürich: Orell Füssli, 1951/55/60
  • Im Laufe der Jahre. Zürich: Orell Füssli, 1962
  • Weltchronik 1939-1945. Radiokommentare während des 2. Weltkrieges. Zürich: Orell Füssli, 1964
  • Schwierige Schweiz. Sammlungen von Reden und Essays. Zürich: Orell Füssli, 1968
  • Geschichte und Politik. Zürich: Orell Füssli, 1971
  • Grenzüberschreitungen. Lebensbericht. 2 Bd. Zürich: Orell Füssli, 1975/78
  • Notizen eines Müssiggängers. Zürich: Orell Füssli, 1983
  • Innen und Aussen. Notizen 1984-1986. Zürich: Orell Füssli, 1987
  • Kriege und Frieden in Europa. Politische Schriften und Reden 1939-1988, Zürich: Orell Füssli, 1989
  • Dem Leben Recht geben. Jean Rudolf von Salis im Gespräch mit Klara Obermüller. Zürich: Weltwoche-ABC, 1993
  • Letzte Aufzeichnungen. Zürich: Ammann, 1994

Distinctions :
  • Literaturpreis der Stadt Bern
  • Kulturpreis der Stadt Zürich
  • Preis der Académie francaise
  • Grosses Silbernes Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich Offizier der Französischen Ehrenlegion
  • Grosses Verdienstkreuz mit Stern der BRD Dr.h.c. der Universitäten Genf, Wien, Hamburg, Lausanne
  • Aargauer Literaturpreis (1978)
  • Friedrich-von-Schiller-Medaille (1978)
  • Kulturpreis des Kantons Graubünden (1984)

Extrait de "Unabhängigkeit und Verantwortung des Schriftstellers" in "Im Laufe der Jahre"

Keine Einsicht in die soziologischen Zusammenhänge [...] kann uns von dem Bewusstsein befreien, dass der Schriftsteller vor einer Instanz verantwortlich ist, die sich nicht ausserhalb, in einer sozialen und politischen Konvention befindet, sondern im denkenden und schaffenden Menschen selbst.

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