Reinhart Josef

Josef Reinhart wurde am 1.9.1875 als Sohn einer Bauernfamilie auf dem Galmis bei Rüttenen (Kt.SO) geboren. Er verlebte eine karge aber glückliche Kindheit und besuchte die Primarschule in Rüttenen und ab 1888 die Bezirksschule in Niederwil. Zwei Jahre später durfte er, obwohl er als ältester Sohn eigentlich den Hof hatte übernehmen sollen, den Berufsweg des Lehrers einschlagen und als Schüler an das Solothurner Lehrerseminar wechseln. 1894 erwarb Reinhart das Patent und war dann als Schulmeister in Niedererlinsbach tätig. Sechs Jahre später wurde er an die Bezirksschule Schönenwerd gewählt. Dort entstanden um die Jahrhundertwende, gefördert von Otto von Greyerz, einem der Mentoren, der im Gefolge der Heimatschutzbewegung entstehenden Dialektdichtung, die ersten beiden Werke Reinharts. Allmählich gelang der Durchbruch als Dichter und Reinhart nahm 1908 ein halbes Jahr Urlaub um in Berlin diverse Vorlesungen zu besuchen. In die Schweiz zurückgekehrt gründete er die Jugendzeitschrift „Jugendborn“, die er bis zu seinem Tod redigierte. 1911, mit 36 Jahren, immatrikulierte sich Josef Reinhart an der Universität Bern um als Dr.phil. in den Fächern deutsche Literatur und Geschichte zu promovieren. Noch während des Studiums wurde er als Deutschlehrer ans Lehrerseminar nach Solothurn gewählt. Diese Stelle sollte er während mehr als dreissig Jahren innehaben. In den Zwanziger und Dreissiger Jahren war Reinhart publizistisch tätig und setzte sein schriftstellerisches Werk mit hochdeutschen „Lebensbildern“ von berühmten Schweizer Persönlichkeiten fort. Diese Bücher machten ihn zu einem vielgelesenen Jugendschriftsteller. Doch auch seine Volksdichtung führte er weiter. Viele seiner Gedichte wurden in jener Zeit vertont. 1945 zog sich Josef Reinhart aus dem Berufsalltag zurück. Die Arbeit liess er jedoch nicht ruhen: weiterhin schrieb er als Feuilletonredaktor für die Presse und arbeitete an der Gesamtausgabe seiner Werke mit. Am 14. April 1957 starb Josef Reinhart nach kurzer Krankheit in Solothurn. Reinhart versuchte, wie Meinrad Lienert im Schwyzer und Sophie Hämmerli-Marti im Aargauer Dialekt, die Solothurner Mundart in den Dienst der Heimatkunstbewegung und der „Dichtung im Volkston“ zu stellen. Vor allem der einflussreichste Literaturkritiker jener Zeit, Otto von Greyerz, der von der „gesunden Lebenskraft der Volkssprache“ überzeugt war, setzte hohe Erwartungen in den Dichter, die dieser mit seinen Erzählungen erfüllen konnte. Kritische Stimmen sehen im Reinhart`schen Werk eine örtliche und thematische Einengung, die sich nicht ganz verleugnen lässt. Sie ist auch durch die konservativ geprägte Geistige Landesverteidigung erklärbar, in deren Dienst der Autor sich stellte. Das Galmis bei Solothurn ist die bevorzugte Gegend in den Schriften des Dichters, das Heimweh nach der Mutter und der verlorenen Kindheit eine immer wieder kehrende Thematik. Das Negative hielt Reinhart bewusst von seiner literarischen Welt fern. Auch dies kann als Kritikpunkt geltend gemacht werden. Unumstritten ist aber, dass Josef Reinhart mit seiner Sprache den Volkston traf und sich seine Werke einer aussergewöhnlichen Popularität erfreuten.

Liens
www.linsmayer.ch/autoren/R/ReinhartJosef.html
www.solothurnerzeitung.ch/solothurn/stadt-solothurn/er-las-fuer-ein-paar-batzen-dem-dichter-josef-reinhart-vor-129492520
ead.nb.admin.ch/html/reinhart.html

Bibliographie :
  • Liedli ab em Land. Lyrik Zürich: s.n., 1897
  • Gschichtli ab em Land. Aarau: H.R. Sauerländer&Cie, 1901
  • Heimelig Lüt. Gschichte für zum Obesitz. Bern: A. Francke, 1905
  • Heimwehland. Geschichten aus einsamer Welt. Berlin: Wiegandt&Grieben, 1910
  • Im grüene Chlee. Neui Liedli ab em Land. Bern: A. Francke, 1913
  • `s Glück. Dialektstück in zwei Aufzügen. Aarau: H.R. Sauerländer&Co., 1914
  • Geschichten von der Sommerhalde. Bern: A. Francke, 1917
  • Waldvogelzyte. Gschichte vo deheim. Bern: A. Francke, 1917
  • Der Galmisbub. Geschichten für Jung und Alt. Bern: A. Francke, 1922
  • Dr Schuelheer vo Gummetal. Gschichte-n-und Bilder us sym Läbe. Bern: A. Francke A.-G., 1925
  • Johann Heinrich Pestalozzi. Ein Lebensbild. Basel: F. Reinhardt, 1926
  • Unsere bäuerliche Jugend. Aarau: H.R. Sauerländer&Co., 1926
  • Die Knaben von St.Ursen. Eine Bubengeschichte aus der Revolutionszeit. Bern: A. Francke A.-G., 1928
  • Helden und Helfer. Lebensbilder für die Jugend dargestellt. Aarau: H.R. Sauerländer&Co., 1931
  • Der Menschenfreund im Urwald. Bilder aus dem Leben von Albert Schweitzer. Aarau: H.R. Sauerländer&Co., 1934
  • Mutterli. Ein Lebensbild. Aarau: H.R. Sauerländer&Co., 1935
  • Lehrzyt. Bilder und Gschichten us mym Läbe. Bern: A. Francke AG, 1938
  • Schweizer, die wir ehren. Lebensbilder für die reifere Jugend dargestellt. Aarau: H.R. Sauerländer&Co., 1941
  • Gesammelte Werke. Elf Bände. Aarau: H.R. Sauerländer&Co., 1944-55

Distinctions :
  • Preis der Schweizerischen Schillerstiftung (?/ 1946 / 1952)
  • Dr.h.c. der Universität Bern (1936)
  • Jugendbuchpreis des Schweizerischen Lehrervereins (1944)
  • Ehrengabe des Schweizerischen Jugendbuchpreises (1950)

Extrait de "'s Galmis" [S. 1]

`s heig eine gschriebe – so han i gläse - `s gäb uf dr Wält keis Fläckli Ärde, wo nit vom ene Tropfe Bluet gfärbt worde syg. Dä, wo das gschriebe het, isch nit us em Galmis cho, süsch hätt er gwüsst, ass i däm abglägne Stücki Waldland dr ebig Friede deheimen isch.
Galmis! Eine het uusegfunde, ass die alte Kelte heige welle säge, es syg es ebes Tal, echly obsi gläge. Chasy, mir het dä Name eister nom Friede tönt: sächs Hüüser, einisch mit Schindle deckt, luegen us heitere Schybe vom abheltige Waldrand, dr gäch Jurabärg im Rügge, uf d`Strooss abe, wo zwüsche de feistere Waldhööger wie nes wysses Band am Bach noh gäg der Höchi zielt: Buurehüüser und es Stöckli, i dr Teufi a dr Strooss es alst Heerehuus us dr Patrizierzyt mit ere grosse Schüür drnäbe.
Das isch `s Galmis! Oder nit? Nei, `s isch meh as numme Hüüser und Strooss und Bach und Wald und Bärg. Es isch es Heimet.

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