Obermüller Klara

Klara Obermüller wurde am 11.4.1940 in St.Gallen geboren. Nach dem Besuch des Gymnasiums studierte sie deutsche und französische Literatur, sowie Geschichte in Zürich, Hamburg und Paris. Obermüller schloss ihr Studium mit der Promotion zum Dr.phil. ab. Seit Mitte der Sechziger Jahre arbeitete sie im Journalismus, zuerst bei der Kunst- und Kulturzeitschrift „du“ anschliessend als Feuilletonredakteurin bei der „Neuen Zürcher Zeitung“ Es folgten sieben Jahre, in denen Klara Obermüller freiberuflich tätig war. In dieser Zeit schrieb sie Jugendbücher, war Übersetzerin, machte Hörspiele und gestaltete Radiosendungen. 1980 stieg sie bei der „Weltwoche“ als Redaktorin ein, wo sie bis 1996 tätig war. Seither arbeitet Klara Obermüller als Redaktorin und Moderatorin der „Sternstunde Philosophie“ beim Schweizer Fernsehen DRS, ausserdem ist sie als Herausgeberin tätig. Sie lebt in Zürich.

Liens
www.srf.ch/player/radio/focus/audio/klara-obermueller-publizistin?id=a34c7b65-1176-4717-aca3-1d68ef5088f2
www.art-tv.ch/4079-0-klara-obermueller--schwarz-auf-weiss.html
www.zeit.de/2013/34/alter-gespraech-klara-obermueller
www.srf.ch/kultur/gesellschaft-religion/klara-obermueller-als-adoptivkind-war-ich-orientierungslos

Bibliographie :
  • Gehn wir. Der Tag beginnt. Jugendbuch. Zürich: Benziger, 1976
  • Nebel über dem Ried. Jugendbuch. Zürich. Benziger, 1978
  • Gaby S. Jugendbuch. Zürich: Benziger, 1979
  • Ganz nah und weit weg. Fragen an Dorothee, die Frau des Niklaus von Flüe. Zürich: Benziger, 1981
  • 18 und schon am Ende. Jugendbuch. Zürich: Benziger, 1982
  • Übergänge. Kindhausen: Metanoia-Verlag, 1990
  • Dem Leben recht geben. Klara Obermüller im Gespräch mit J.R. von Salis. Zürich: Pendo, 1993
  • Schweizer auf Bewährung. Klara Obermüller im Gespräch mit Sigi Feigel. Zürich: Chronos, 1998
  • „Der Tod ist gross, wir sind die seinen“. Lenzburg: Stapferhaus, 2000

Distinctions :
  • Ehrengabe des Kantons Zürich (1980)
  • Paul-Haupt-Preis für Literaturkritik (1991)
  • Journalistenpreis der Gesellschaft Minderheiten in der Schweiz (1992)

Extrait de "18, und schon am Ende?" [S. 76-77]

„Da hast du es“, sagte Mutter.
Das hätte sie nicht sagen sollen. Und Vater hätte nicht die Serviette wegwerfen und weggehen sollen. Sie hätten sie in Ruhe zu Ende essen lassen sollen. Sie wäre ja gleich fertig gewesen. Dann wäre sie ruhig aufgestanden, um schlafen zu gehen. Aber jetzt hatte Mutter diesen Satz gesagt. Genau einen von diesen Sätzen, die Ursula im Kopf gehabt hatte. Da hast du es – mit brüchiger Stimme, in der schon die Tränen sassen. Da hast du es. Siehst du, was du angerichtet hast. Du bist schuld. Du hast uns das alles angetan. Immer du. Du, du, du... Ursula war es, als ob jemand laut geschrien hätte. Dabei war es ganz still im Raum, unheimlich still. Man hörte nur das leise Ticken der Uhr über dem Buffet und Mutters kleine Schluchzer. Ursula sass steif auf ihrem Stuhl. Sie konnte sich nicht rühren. Sie wusste nicht, wie sie aus dieser Stille herauskam, in der vier Wörter hallten wie Glocken. Da hast du es. Und Mutters Schluchzen, trocken, leise, mit Unterbrechungen, wie ein Schluckauf. Mutter sass zusammengesunken am Tisch und hielt sich die Serviette vor den Mund. Ursula wusste nicht, wie sie da wegkam. Sie musste weg. Weg von den erkalteten Kartoffeln, dem Käse, der halb ausgegessenen Schale mit Quark. Aber sie blieb sitzen.

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