Moser Hans Albrecht

Hans Albrecht Moser wurde am 7.9.1882 als Sohn eines Auslandschweizer Industriellen in Görz (damals österreichischer Teil Italiens) geboren. Mit fünfzehn Jahren kam er in die Schweiz und besuchte in Bern das Gymnasium. Darauf studierte er in Basel, Köln und Berlin Musik. 1911 liess er sich in Bern nieder und war fortan als Klavierlehrer tätig. Abgesehen von kurzen Aufenthalten in Worpswede, Lausanne und Rom lebte Hans Albrecht Moser bis zu seinem Tod am 27. November 1978 in Bern. Moser debütierte erst als 44jähriger mit dem Prosaband „Die Komödie des Lebens“ (1926). Bereits hier wird deutlich was für das Schreiben des Autors typisch ist: zwischen Tagebuchtext, Aphorismus und fiktiver Erzählung zieht Hans Albrecht Moser bewusst keine klare Grenzen. Das literarische Hauptwerk folgte 1955 mit dem über tausend Seiten starken Roman „Vineta“, worin Moser zeitkritisch ein äusserst pessimistisches Bild von der schweizerischen und europäischen Gesellschaft der Nachkriegszeit zeichnete.

Liens
www.linsmayer.ch/autoren/M/MoserHansAlbrecht.html
www.helveticarchives.ch/detail.aspx?ID=165110

Bibliographie :
  • Die Komödie des Lebens. Prosa. Zürich/Leipzig/Wien: 1926
  • Das Gästebuch. Prosa, Aphorismen. Frauenfeld: 1935
  • Geschichten einer eingeschneiten Tafelrunde. Frauenfeld: 1935
  • Der Kleiderhändler. Erzählung. Bern: 1937
  • Alleingänger. Erzählungen. Frauenfeld: 1943
  • Über die Kunst des Klavierspiels. Bern: 1947
  • Aus dem Tagebuch eines Weltungläubigen. St.Gallen: 1954
  • Vineta. Gegenwartsroman aus künftiger Sicht. Zürich: Artemis, 1955
  • Regenbogen der Liebe. Erzählung. Zürich: 1959
  • Ich und der andere. Ein Tagebuch. Zürich: 1962
  • Erinnerungen eines Reaktionärs. Zürich: 1965
  • Thomas Zweifel. Erzählung. Zürich: 1968
  • Dem Ende zu. Erzählung. Bern: 1969
  • Aus meinem Nachlass und anderes. Zürich: 1971
  • Der Fremde. Tagebuch eines aphoristischen Lebens. Zürich: 1973
  • Auf der Suche. Betrachtungen und Erinnerungen. Zürich: 1975
  • Zehn Tage Spital. Tagebuchaufzeichnungen. Zürich: Rigoletto, 1980

Extrait de "Vineta" [S. 864]

Den ganzen Winter über wurde fieberhaft am Institut für Rassenforschung gearbeitet, denn im Frühling sollte es eröffnet werden. Dr. Sedlacek sah man oft den Bau kontrollieren, und zum erstenmal wollte ihn dort jemand lächelnd gesehen haben. So ganz für sich und zufrieden. Es soll geschehen sein, als er einmal vor dem Hauptportal des Mittelbaues stand und hinauf zu den Gipsarbeitern blickte, die damit beschäftigt waren, die Inschrift über dem Portal zu ändern. Da sei ein Bekannter auf ihn zugetreten und hätte ihn gefragt: Warum lächeln Sie? - Habe ich gelächelt? hätte Sedlacek zurückgefragt.- Gewiss, Sie blickten da hinauf und lächelten dazu, hätte der Bekannte geantwortet. – Nun ja, es mag wohl sein, hätte Sedlacek jetzt zugegeben, früher hiess es: Das Fundament von allem ist die Liebe, und heute muss es heissen: Das Fundament von allem ist die Rasse. Sie sehen: nur ein Wort ist anders. – Und darüber haben Sie gelächelt? Vielleicht. Wir lächeln gern, wenn wir sehen, mit wie wenig Mühe es auch anders geht.
Nun hätte der Bekannte den Hut gezogen und sei gelassen seines Weges gegangen.

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