Meyer Olga

Olga Meyer-Blumenfeld wurde am 30. April 1889 als Tochter eines Briefträgers in Zürich geboren. Nach der Schule im Grossmünster wurde sie Lehrerin. Zunächst unterrichtete sie an einer Landschule, später in Zürich. Meyer erzählte ihren Schülern die Kindheits-Erlebnisse ihrer Mutter im Tösstal. Das grosse Interesse der Kinder führte zur Veröffentlichung der Bücher über „Anneli“ (zuerst 1918). Die äusserst erfolgreichen Erlebnisse des Mädchens markierten gleichsam den Auftakt zu einem viele Jugend-Bücher umfassenden Werk. Olga Meyer war auch als Journalistin tätig und arbeitete während vielen Jahren für die Kinderstunden am Radio und die Schweizerische Lehrerinnen-Zeitung. Zudem hielt die Autorin viele Vorträge über Fragen der Erziehung und des Jugendbuchs. Olga Meyer gilt als Schöpferin des ersten Lesebüchleins an schweizerischen Schulen. Sie war bis kurz vor ihrem Tod am 29.1.1972 in Zürich mit Erfolg als Schriftstellerin tätig.

Liens
www.srf.ch/sendungen/hoerspiel/anneli-von-olga-meyer-1-4
www.ortsmuseum-turbenthal.ch/highlight/

Bibliographie :
  • Anneli. Erlebnisse eines kleinen Landmädchens. Zürich: Rascher&Co., 1919
  • Der kleine Mock. Aus dem Leben eines Stadtbübleins. Zürich: Rascher&Cie., 1925
  • Anneli kämpft um Sonne und Freiheit. Zürich: Rascher&Cie., 1927
  • Allerlei Leute aus alter Zeit. Kurze Erzählungen. Zürich: Rascher&Cie., 1928
  • Im Weiherhaus. Eine Froschgeschichte. Zürich: Rascher&Cie, 1930
  • Wernis Prinz. Eine wahre Geschichte. Zürich: Rascher&Cie., 1930
  • Vinzenz und Nino. Eine Geisshirtgeschichte. Zürich: Rascher&Cie., 1932
  • Anneli am Ziel und am Anfang. Zürich: Rascher&Cie., 1934
  • Die Flamme. Ein Buch für junge Mädchen. Zürich: Morgarten-Verlag A.G., 1936
  • Im Garten der grünen Helene. Aarau: Sauerländer, 1939
  • Ernst Hinkebein und seine Freunde. Zollikon: Evang. Verlag, 1940
  • Das Licht im Fenster. Die Geschichte einer Einkehr. Aarau: Sauerländer, 1941
  • Sonnenblumen. Allerlei wahre Begebenheiten. Zollikon: Evang. Verlag, 1942
  • Tapfer und treu. Aus dem Leben des Hans Mötteli. Eine Geschichte für Buben und Mädchen. Aarau: Sauerländer, 1942
  • Marieli bekommt eine Stiefmutter. Zollikon: Evang. Verlag, 1943
  • Leuchtendes Ziel. Die Geschichte vom Werden der Bärbel Bosshard. Aarau: Sauerländer, 1944
  • Weißt du, wer ich bin? Die Geschichte von Katrienchens seltsamer Reise. Aarau: Sauerländer, 1944
  • Der verlorene Brief. Eine Geschichte aus unseren Tagen. Aarau: Sauerländer, 1945
  • Barthli, der Chüeni. Zollikon: Evang. Verlag, 1947
  • Der Weg zu dir. Aus dem Leben der Rosmarie Stamm. Aarau: Sauerländer, 1947
  • Das rote Steinchen. Seine lustigen und traurigen Erlebnisse mit Behli, dem kleinen Mädchen in der Stadt. Aarau: Sauerländer, 1949
  • Sabinli. Eine Geschichte aus dem Tösstal. Aarau: Sauerländer, 1950
  • Urs. Eine Geschichte aus den Bergen. Aarau: Sauerländer, 1953
  • Heimliche Sehnsucht. Eine Wegstrecke mit Magdalena Amalia Lüssi. Aarau: Sauerländer, 1955
  • Aus Peter wird Peider. Zollikon: Evangel. Verlag, 1956
  • Das war Martin. Dem Leben nacherzählt. Bern: Blaukreuzverlag, 1956
  • Wir wohnten damals. Ein Stück Kindheit. Zürich: Verein Gute Schriften, 1958
  • Das rote Kleid. Aarau: Sauerländer, 1958
  • Bibi, Karo und das seltsame Kätzchen. Zürich: SJW, 1959
  • Gesprengte Fesseln. Aarau: Sauerländer, 1961
  • Chrigi. Heitere und ernste Erlebnisse eines Bergbuben. Aarau: Sauerländer, 1963
  • Eine Stunde vor Tag. Roman für junge Mädchen. Aarau: Sauerländer, 1965
  • Käthi aus dem Häuserblock. Aarau: Sauerländer, 1967
  • Allein daheim. Aarau: Sauerländer, 1972

Distinctions :
  • Schweizerischer Jugendbuchpreis (1945 /1956)
  • Auszeichnungen von Stadt und Kanton Zürich
  • Preis der Schweizerischen Schillerstiftung

Extrait de "Anneli" [S. 109-110]

Anneli zog seinen Schlitten hinter sich her. Ein Korb war darauf gebunden, in dem sich viele Spulen Seide befanden. Diese musste es abgeben und neue Stränge zum Winden holen. Anneli zog bald mit der rechten, bald mit der linken Hand. Manchmal stand es auch ein wenig still und ruhte. Wie eine weiche warme Flaumdecke lag der Schnee auf der Erde. Die schwer beladenen Tannen stöhnten manchmal ein wenig und schüttelten einen Teil ihrer weissen Last ab. Dann war es wieder still. Sie schlafen, dachte Anneli, und das Bächlein ist auch zugedeckt, und die Frösche und Käfer schlafen auch.
Der Weg führt durch den Wald. „Oh!“ – entfuhr es da plötzlich Annelis Mund. Es machte sofort halt. Drei wunderschöne Rehe traten zwischen den Baumstämmen hervor und kamen ihm auf dem Wege entgegen. Sie standen still und beguckten Anneli eine Zeitlang. Es blieb mucksmäuschenstill. Dabei fiel ihm die Schlittenschnur auf den Boden. Die Rehe zuckten und verschwanden im Wald.
Anneli ging weiter. Die Geschichte vom Brüderchen, das in ein Reh verzaubert wurde, war ihm nun auf einmal in den Sinn gekommen; es erzählte sie laut vor sich hin. Nachher sagte es noch ein paar Gedichte auf, die es von den Geschwistern gelernt hatte. So verging die Zeit.
Anneli begegnete nur selten jemandem. Zwei Stunden war es nun schon unterwegs. Da endlich näherte es sich dem Fabrikgebäude, wo es die Spulen abliefern musste.

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