Meier-Nobs Ursula

Ursula Meier-Nobs wurde am 31. August 1939 in Bern geboren. Nach der Schulzeit machte sie im Geschäft ihrer Eltern eine Verkäuferinnenlehre. Sie ist verheiratet und Mutter zweier erwachsener Kinder. Nach einer Ausbildung ist sie heute als Lebensberaterin tätig. Von 1980 bis 1990 verfasste sie Kinderbücher, und 1998 erschien ihr erster Roman. In ihren Büchern für ein erwachsenes Publikum greift sie Themen aus der Schweizer Geschichte auf.

Liens
www.literapedia-bern.ch/Meier-Nobs,_Ursula

Bibliographie :
  • Ds Müüsli Surimuri mit em Örgeli. Münsingen: Fischer, 1980
  • Hasefritz u Matten-Edi. Münsingen: Fischer, 1981
  • Wunderfitzes Abetüür. Münsingen: Fischer, 1984
  • Ds Fählertüüfeli. Münsingen: Fischer, 1987
  • D'Mathiude mit em guudige Bei. Münsingen: Fischer, 1990
  • Die Musche. Bern: Zytglogge, 1998
  • Der Galeerensträfling. Bern: Zytglogge, 2003
  • Der Sakralfleck. Oberhofen: Zytglogge, 2007
  • Der Pfauenruf. Roman. Oberhofen: Zytglogge, 2015

Extrait de "Die Musche. Tochter des Scharfrichters" [S. 5]

Von der erhöhten Stelle am Eckpfeiler des Laubenbogens aus konnte ich Richterstuhl und Rathaus sehen. Sie war gut gewählt. Schon oft hatte ich von hier aus dem Gerichtsverfahren beigewohnt, ungestört, ohne weggedrängt zu werden. Niemand hätte es gewagt, mir diesen Platz streitig zu machen. Er gehörte mir. Die meisten wussten das, und diejenigen, die es nicht wussten, vernahmen es sehr schnell von den Umstehenden. Es war für mich eine Genugtuung zu sehen, wie mir ehrbare Bürger, die mich sonst mit Verachtung straften, den Weg freigaben und wie ihre behüteten Frauen - erschrocken zurückweichend - ihre Röcke zusammenrafften, um für mich Platz zu schaffen und mich ja nicht zu berühren. Ich war wohl die Einzige, die an solchen Tagen unbehelligt durch die Menge gehen konnte. Es gab mir ein Gefühl der Macht, in den mich anstarrenden Augen das mir wohlbekannte, leichte Grauen, die Neugier und Scheu zu erkennen, dieselbe Mischung, die mich schon so oft verletzt und gedemütigt hatte. Es waren die seltenen Minuten in meinem Leben, in denen ich den kleinen, aufgenähten Stoffgalgen an meinem Ärmel mochte und es genoss, die zu sein, die ich war: Josiane, die Musche.

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