Marchi Otto

Der am 13.4.1942 in Luzern geborene Otto Marchi studierte nach dem Besuch der Schulen Geschichte und deutsche Literaturgeschichte an der Universität Zürich. Er schloss seine akademische Ausbildung mit dem Erwerb des Doktortitels ab. Bis ins Jahr 1981 war er als Redakteur tätig, danach unterrichtete er im journalistischen Bereich. Seit 1982 ist Marchi freier Schriftsteller und arbeitet zudem als Dozent für Sprache an der Hochschule für Gestaltung und Kunst (HGK) in Luzern. Nach Jahren im Ausland (Berlin, Rom, Paris, Wien) lebte er wieder in Luzern. Bei der Flutkatastrophe Ende Dezember 2004 in Südostasien fand Otto Marchi den Tod.

Liens
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Bibliographie :
  • Schweizer Geschichte für Ketzer oder Die wundersame Entstehung der Eidgenossenschaft. Hrsg. von Nikolaus Flüeler. Zürich: Edition Praeger, 1971
  • Rückfälle. Frankfurt/M.: S.Fischer, 1978
  • Sehschule. Frankfurt/M.: S.Fischer, 1983
  • Landolts Rezept. Frankfurt/M.: Frankfurter Verlagsanstalt, 1989
  • Soviel ihr wollt. Zürich: Nagel & Kimche, 1994

Extrait de "Landolts Rezept" [S. 66-67]

Landolt schlenderte weiter zwischen den Ständen hindurch, sein Staunen wurde ihm unheimlich. Nichts war mehr, wie es war, und wo etwas gewesen war, war nichts mehr, aber auch dies liess ihn staunen, er staunte auch über nichts, es staunte mit ihm und durch ihn hindurch und er musste immer wieder laut lachen, wie geschickt sich die Dinge seinem Zugriff widersetzten, das Flache richtete sich auf, und das Erhabene verflachte vor seinem träumenden Blick, bis auch die Hausfrauen zu staunen begannen, weil einer vor einem Berg Orangen stand und schallend lachte, obwohl es nichts Lustiges zu sehen gab, sondern bloss Orangen, die nicht lustig, sondern nur so teuer geworden waren, dass auch einer, der es ums Lachen gewesen wäre, das Lachen erstarb. Was gab es da zu lachen? Vielleicht lachte er nicht über die Orangen, vielleicht lachte der Kerl sie aus, wer konnte das wissen bei einem, der einfach lachte, vielleicht sass der Hut schief, war der Mantel falsch zugeknöpft, und sie befingerten und benestelten sich, rückten gerade und zupften zurecht und wichen misstrauisch zurück, als er sich abwandte und sich, ohne etwas zu kaufen, lächelnd seinen Weg durch das Gedränge bahnte. Er sah niemanden an, hatte die Orangen zu Ende gedacht, liess sich von der Menge weiterschieben, schloss die Augen und öffnete sie erst wieder, als er an die Kante eines Standes stiess.

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