Müller Elisabeth

Elisabeth Müller wurde am 21. September 1885 als Tochter des Pfarrers und Schriftstellers Dr.h.c. Ernst Müller in Langnau geboren. Sie wuchs im Emmental auf und besuchte anschliessend das Lehrerinnen-Seminar Monbijou in Bern. In den folgenden Jahren war Elisabeth Müller als Lehrerin an verschiedenen bernischen Dorfschulen tätig. Später führte sie eine kleine Privatschule und war während mehr als einem Jahrzehnt Übungs- und Methodiklehrerin am Thuner Seminar. Elisabeth Müller hielt viele Vorträge über Fragen der Erziehung und des Familienlebens und war als Redakteurin einer kirchlichen Zeitschrift tätig. Die Autorin starb am 22. Juni 1977 in Hünibach bei Thun. Elisabeth Müller fand während einer langen Krankheit zum Schreiben. Die Erinnerungen an ihre glücklich verlebte Kindheit lieferte den Stoff für die Jugendbücher, die sich schon bald einer grossen Beliebtheit erfreuten. Ihr wohl berühmtestes Werk, die "Kummerbuben", wurde erfolgreich verfilmt und gilt als Klassiker der Schweizer Kinder- und Jugendliteratur.

Liens
www.literapedia-bern.ch/M%C3%BCller,_Elisabeth
www.fembio.org/biographie.php/frau/biographie/elisabeth-mueller/

Bibliographie :
  • Werke für Erwachsene
  • Fride i Huus und Härz. Bärndütschi Gschichte für üses Volk. Bern: Francke, 1940
  • Martinssümmerli u anderi Liebesgschichte. Bern: Francke, 1948
  • Die Quelle. Erinnerungen. Bern: Francke, 1950
  • Heimatbode. Bärndütschi Gschichte. Bern: Francke, 1955
  • Türen gehen auf. Ein Stück Lebensarbeit. Erinnerungen. Bern: Francke, 1957
  • Was in der Stille wächst. Eine Auswahl von saemann-Artikeln. Bern: Francke, 1962
  • Gesammelte Weihnachtsgeschichten
  • Heilegi Zyt. Bern: Francke, 1933
  • Chrüz und Chrippli. Bern: Francke, 1945
  • O du fröhliche! Bern: Francke, 1945
  • We d Liechtli brönne. Bern: Francke, 1946
  • Werke für Kinder und Jugendliche
  • Vreneli. Eine Geschichte für Kinder und alle, welche sich mit ihnen freuen können. Bern: Francke, 1916
  • Theresli. Eine Geschichte für Kinder und alle, welche sich mit ihnen freuen können. Bern: Francke, 1918
  • Christeli. Eine Geschichte für Kinder und alle, welche sich mit ihnen freuen können. Bern: Francke, 1920
  • Die beiden B. Bärtschis und Bobelis Familiengeschichte. Ein Freundschaftsbuch für unsere Kinder. Bern: Francke, 1931
  • Nur der Ruedi. Schweizerisches Jugendschriftenwerk (SJW), Heft 7 (1932)
  • Das Schweizerfähnchen. Bern: Francke, 1937
  • Die sechs Kummerbuben. Bern: Francke, 1942
  • Unsere Jüngste. Schweizerisches Jugendschriftenwerk (SJW), Heft 164 (1944)
  • Eveli und das Wickelkind. Schweizerisches Jugendschriftenwerk (SJW), Heft 912 (1965)

Distinctions :
  • diverse Literaturpreise der Stadt und des Kantons Bern ; Preis der Schweizerischen Schillerstiftung
  • Schweizerischer Jugendbuchpreis (1946)
  • Ehrenbürgerrecht von Langnau (1954)
  • Dr.h.c. der Universität Bern (1954)
  • Ehrenbürgerrecht von Hünibach

Extrait de "Die beiden B" [S. 102-103]

Die ganze Familie tanzte am Bahnhof auf dem Perron herum. Das heisst, Vati nicht. Er freute sich auch über die Massen, aber er musste sich ein wenig zusammennehmen. Wie müsste es aussehen, wenn ein Vater auf den Zehenspitzen auf dem Perron herumtanzen würde! Die Menschen könnten das ja nicht verstehen, auch wenn sie wüssten, dass er sich so sehr auf seine Mutter freut. Nein, er musste sich ernst hinstellen, den Hals recken, die Augen herausdrücken, damit er die kleinen Mädchen herbeitrompeten konnte, sobald der Zug herannahte. Es ging eine Ewigkeit. Wohl hundertmal zupfte Thildchen an Vatis Hosen, wenn es um ihn herumzwirbelte und fragte: "Kommt er nicht bald?" Schliesslich erfanden sie ein Spiel. Wir geben Vati die Hand, schliessen die Augen fest zu und zählen auf hundert. Dann muss doch endlich der Zug kommen, denn hundert ist lang. Thildchen konnte mitmachen bis 12, nachher plapperte sie von ungefähr Sus alles nach. Und sieh, es half! Bei 85 hörte man ein wildes Pusten und Sausen.

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