Loosli Carl Albert

Carl Albert Loosli wurde am 5.4.1877 als unehelicher Sohn einer Heimarbeiterin im bernischen Schüpfen geboren. Bis zu deren Tod war er bei einer Pflegemutter untergebracht. Danach durchlebte Loosli eine unglückliche Kindheit und Jugend in Waisenhäusern, Erziehungsanstalten und auf Verdingplätzen, die ihn zeitlebens prägen sollte. 1898/99 hielt er sich in Paris auf, wo er sich die verpasste Bildung autodidaktisch aneignete. Kurz nach der Jahrhundertwende wurde seine Entmündigung, gegen die er lange gekämpft hatte, vollends aufgehoben. Loosli heiratete und liess sich in Bümpliz nieder, wo er fortan als Journalist und freier Schriftsteller arbeitete. Carl Albert Loosli begann erste Bücher zu veröffentlichen und war bald darauf als "Philosoph von Bümpliz" ein gefürchteter Kämpfer gegen alles Unrecht im sozialen, pädagogischen und politischen Bereich. 1912 war er Mitgründer und erster Präsident des Schweizerischen Schriftstellerverbandes. Nach der Inszenierung zweier grosser Presseskandale vor dem Ersten Weltkrieg, in denen Loosli gegen die Selbstgefälligkeit der Behörden polemisiert hatte, wurde er von wichtigen Stellen in der Deutschschweiz als literarisch tot erklärt. Die Romandie dagegen konnte besser mit dem kritisch engagierten Schriftsteller umgehen. Doch Loosli liess sich nicht einschüchtern und veröffentlichte auch während den Weltkriegen diverse Arbeiten, unter anderem gegen den aufkommenden Antisemitismus. Neben dem leidenschaftlichen Kampf gegen soziales Unrecht, der aus der armen und unterprivilegierten Herkunft gespeist wurde, hatte sich der Autor auch als Kunstkritiker einen Namen gemacht: Er war Sekretär der Gesellschaft schweizerischer Maler, Bildhauer und Architekten und Redakteur von deren Zeitschrift "Schweizer Kunst". Zudem hatte Loosli eine der bis heute wichtigsten Biographien zu Ferdinand Hodler verfasst. Er starb am 22. Mai 1959 in Bümpliz.

Liens
www.carl-albert-loosli.ch
www.kinderheime-schweiz.ch/de/pdf/carl_albert_loosli.pdf
www.srf.ch/play/tv/sternstunde-philosophie/video/der-philosoph-von-buempliz-carl-albert-loosli--ein-gespraech-mit-hugo-loetscher-und-jakob-tanner?id=e0a3a744-68df-4fe4-b57c-24bd5bac3341
www.art-tv.ch/3915-0-snb--ich-schweige-nicht.html

Bibliographie :
  • Bümpliz und die Welt. Glossen. Bern: Benteli-Verlag, 1906
  • Der Narrenspiegel. Bern: Union, 1908
  • Mys Dörfli. Erzählungen. Bern: A. Francke, 1910
  • Üse Drätti. Erzählungen. Bern: A. Francke, 1910
  • Mys Ämmitaw. Gedichte. Bern: A. Francke, 1911
  • Ist die Schweiz regenerationsbedürftig? Bümpliz: Benteli, 1912
  • Satiren und Burlesken. Bümpliz: Benteli, 1913
  • Schweizerische Zukunftspflichten. Bümpliz: Selbstverlag, 1915
  • Wi's öppe geit. Gedichte. Bern: R. Suter, 1921
  • Anstaltsleben. Betrachtungen und Gedanken eines ehemaligen Anstaltszöglings. Bern: Pestalozzi-Fellenberg-Haus, 1924
  • Ich schweige nicht! Erwiderungen an Freunde und Gegner auf ihre Äusserungen zu meinem "Anstaltsleben". Bern: Pestalozzi-Fellenberg-Haus, 1925
  • Sansons Gehilfe und andere Schubladennovellen. Bern: Pestalozzi-Fellenberg-Haus, 1927
  • Die Radioseuche. Bümpliz: Selbstverlag, 1928
  • Erziehen, nicht erwürgen! Gewissensfragen und Vorschläge zur Reform der Jugenderziehung. Bern: Pestalozzi-Fellenberg-Haus, 1928
  • Die Schattmattbauern. Kriminalroman. Bern-Bümpliz: Verlagsgenossenschaft, 1932
  • Erlebtes und Erlauschtes. Rorschach: E. Löpfe-Benz, 1937
  • Schweizerdeutsch. Glossen zur schweizerischen Sprachbewegung. Basel: Birkhäuser-Verlag, 1938
  • "Administrativjustiz" und schweizerische Konzentrationslager. Bern-Bümpliz: Selbstverlag, 1939
  • Aus Zeit und Leid. Gedichte. Zürich: Verlag Oprecht, 1943
  • Ewige Gestalten. Novellen. Zürich: Büchergilde Gutenberg, 1946
  • Es starb ein Dorf! Roman aus dem Nachlass. Frankfurt/M./Wien/Zürich: Büchergilde, 1975

Distinctions :
  • Korrespondierendes Mitglied der Akademie von Coimbra (1940)

Extrait de "Ist die Schweiz regenerationsbedürftig?"

Ihr braven Leute nennt euch Demokraten,
Weil euch das Stimmrecht in den Schoss gelegt,
Und seid so bettelarm an braven Taten;
Ihr habt euch um den Mammon stets bewegt!

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