Loos Cecile Ines

Cecile Ines Loos wurde am 4.2.1883 als fünftes und jüngstes Kind eines Musikers in Basel geboren. Beide Elternteile starben nur wenige Jahre später. So wuchs Loos in Burgdorf bei Pflegeeltern auf. Nach dem Tod der Adoptivmutter kam sie 1893 in eine Waisenanstalt in Bern. 1899 trat sie aus der Schule aus und absolvierte ein Welschlandjahr. Nach dem Erwerb des Kindergärtnerinnen-Diploms arbeitete sie als Kindermädchen in reichem Hause. 1911 wurde Loos Mutter eines unehelichen Sohnes, den sie aber zu Pflegeeltern und später ins Waisenhaus geben musste. In den folgenden Jahren erwarb sie ihren Lebensunterhalt als Serviertochter, Verkäuferin und Sekretärin. Die Autorin durchlitt eine schwere Krise und schrieb aus innerer Not. Sie war zeitweilen in psychologischer Behandlung. 1929 erschien ihr Erstling „Matka Boska“ der sie auf einen Schlag berühmt machte. Ihr Talent bewies sie mit dem Nachfolgeroman „ Die Rätsel der Turandot“(1931). Der Erfolg war nur von kurzer Dauer und der Ruhm verblasste schnell. Es folgte ein jahrelanger Kampf um Verlage und ein Leben am Existenzminimum. Loos musste zuweilen Armenunterstützung beantragen. Als sie 1954 körperlich und psychisch beinahe am Ende war, entschloss sich eine Gruppe von Basler Frauen ihre finanzielle Not durch monatliche Beiträge zu lindern. Cecile Ines Loos starb am 21.1.1959 in Basel.

Liens
www.revue.ch/ausgaben/2015/02/detail/news/detail/News/sie-traeumte-noch-bei-lichterlohem-verstand/
www.derbund.ch/kultur/diverses/das-schwere-los-der-frau-loos/story/24214266

Bibliographie :
  • Matka Boska. Stuttgart: Deutsche Verlags-Anstalt, 1929
  • Die Rätsel der Turandot. Stuttgart: Deutsche Verlags-Anstalt, 1931
  • Die leisen Leidenschaften. Ein Lied der Freundschaft. Zürich: Rascher & Cie. A.-G., 1934
  • Der Tod und das Püppchen. Zürich: Schweizer Bücherfreunde, 1939
  • Hinter dem Mond. Zürich: Atlantis, 1942
  • Konradin. Das summende Lied der Arbeit von Vater, Sohn und Enkel. Zürich: Atlantis, 1943
  • Jehanne. Zürich: Atlantis, 1946
  • Schlafende Prinzessinnen. Erzählung. St.Gallen: Tschudy, 1950
  • Leute am See. Zürich: Büchergilde Gutenberg, 1951
  • Verzauberte Welt. Ein Lesebuch. Zusgest. und hrsg. von Charles Linsmayer. Küsnacht / Zürich: Edition Kürz, 1985
  • Erzählungen. Hrsg. von Walter Weber. Zürich: Sabe, 1987

Distinctions :
  • Preis der Schweizerischen Schillerstiftung (1947 / 1952)

Extrait de "Hinter dem Mond" [S. 23] (zitiert nach der Neuausgabe bei Ex libris 1983)

Man sieht nichts mehr, man sieht nicht einmal mehr den Holzstoss. Plötzlich steht der Vollmond über der Weide. Er zieht viele Kreise um sich, blaue, silberne und violette. Nun sieht man auch die Bäume wieder und das Gras, aber alles wie in einem Schleier. Es ist alles durchsichtig und leicht, wie eine Glaskugel. Und dann kommen die Pferde unter den Bäumen hervor: schwarze und helle, sie rennen alle durcheinander. Zuletzt kommt noch ein weisses Pferd dazu, ganz für sich allein, das springt mitten ins Licht. Plötzlich sehe ich auf dem weissen Pferd einen goldenen Reiter sitzen mit einem Strauss rosa Lilien in der Hand. Ich sage zu Filok: „Siehst du den goldenen Reiter auf dem weissen Pferd?“ Filok kratzt sich in den Haaren und sieht mich verwundert an. Ich sage: “Schwöre, dass du es gesehen hast!“ Filok macht ganz grosse Augen, dann sagt er mit einer sehr ungläubigen Stimme: „Ja, ich schwöre es.“ Ich sage: „Aber das weisse Pferd hat doch Flügel, es fliegt in den Himmel...“ Wir hören eilige Schritte vor unserer Tür und verstecken uns schnell in den Betten. Unten singen sie: „Unsere Sünden, ach, unsere Sünden...“ Das weisse Pferd fliegt höher, die Sünden sinken sanft in mein Kissen, wie der Nebel in die Wiesen. Da ist alles um mich klar und voll Gold. Aber wo man von Sünde spricht, da ist das Teufelsland. Filok sagt aus der Tiefe des Bettes: „Du und ich, wir sehen dasselbe, nur von einer anderen Seite. Ich wohne vor der Sonne, und du wohnst hinter dem Mond.“

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