Johansen Hanna

Hanna Johansen wurde am 17.6.1939 in Bremen geboren. Sie studierte Germanistik, Altphilologie und Pädagogik in Marburg und Göttingen. Sie schreibt seit 1974, angeregt von ihren beiden Kindern, Texte für Kinder, seit 1977 für Erwachsene. Seit 1972 wohnt sie in Kilchberg (Kanton Zürich). Eine Frau hat den Boden unter den Füssen verloren; sie sitzt in einem Geisterzug, der ziellos im Kreis herumfährt und die Welt in bizarre Bruchstücke zerrüttet ("Die stehende Uhr", 1978). Eine Frau soll für eine politische Delegation ein Festessen kochen; aber ausser einem Paket verfaulter Fische ist im Prunkpalais keine Nahrung aufzutreiben ("Trocadero", 1980). Die meist weiblichen Hauptfiguren in Johansens Werken sind fremd und nicht ganz eingefügt ins herrschende Weltbild, dafür aber vertraut mit den Lücken und Sprüngen unter seiner Oberfläche. Die Waffen, mit denen man(n) sich durchs Leben schlägt, fehlen ihnen. Das macht sie zwar verletzlich und hilflos, weckt aber alle ihre Sinne.

Liens
www.solothurner-literaturpreis.ch/index.php?1294443869&page=xc4728dba4393c8&parent=xc4728db44c2916&lang=de
www.nzz.ch/feuilleton/buecher/die-vergangenheit-vergeht-nicht-1.18413194
www.helveticarchives.ch/detail.aspx?ID=290903


Bibliographie :
  • Die stehende Uhr. München: Hanser, 1978
  • Trocadero. München: Hanser, 1980
  • Die Analphabetin. Erzählung. München: Hanser, 1982
  • Bruder Bär und Schwester Bär. Unter dem Namen Hanna Muschg. Zürich: Benziger, 1983
  • Die Ente und die Eule. Unter dem Namen Hanna Muschg. Zürich: Nagel & Kimche, 1984
  • Siebenschläfergeschichten. Unter dem Namen Hanna Muschg. Zürich: Nagel & Kimche, 1985
  • Über den Wunsch, sich wohlzufühlen. Geschichten. München: Hanser, 1985
  • Zurück nach Oraibi. Zürich: Nagel & Kimche, 1986
  • Felis, Felis. Eine Katergeschichte. Zürich: Nagel und Kimche, 1987
  • Ein Mann vor der Tür. München: Hanser, 1988
  • Die Geschichte von der kleinen Gans, die nicht schnell genug war. Bilder von Käthi Bhend. Zürich: Nagel & Kimche, 1989
  • Die Schöne am unteren Bildrand. Erzählungen. München: Hanser, 1990
  • Dinosaurier gibt es nicht. Mit Linolschnitten von Hanna Johansen. Zürich: Nagel & Kimche, 1992
  • Über den Himmel. Märchen und Klagen. München: Hanser, 1993
  • Kurnovelle. München: Hanser, 1994
  • Ein Maulwurf kommt immer allein. Zürich: Nagel & Kimche, 1994
  • Die Hexe zieht den Schlafsack enger. Ein Buch für alle Jahreszeiten. Illustrationen von Käthi Bhend. Zürich: Nagel & Kimche, 1995
  • Der Füsch. München: Hanser, 1995
  • Universalgeschichte der Monogamie. München: Hanser, 1997
  • Halbe Tage, ganze Jahre. Erzählungen. München: Hanser, 1998
  • Bist Du schon wach?. München: Hanser, 1998
  • Vom Hühnchen, das goldene Eier legen wollte. Zürich: Nagel & Kimche, 1998
  • Lena. München: Hanser, 2002
  • "Omps!" Ein Dinosaurier zu viel. Zürich: Nagel & Kimche, 2003
  • Die Hühneroper. Kinderroman. Zürich: Nagel & Kimche, 2004
  • Über den Himmel. Märchen und Klagen. München: dtv, 2005 (Oktober)
  • Ich bin hier bloss die Katze. München: Hanser, 2007
  • Der schwarze Schirm. München: Hanser, 2007
  • Wenn ich ein Vöglein wär. München: Hanser, 2010
  • Felis, der Kater. Illustrationen von Käthi Bhend. München: DTV, 2011
  • Es weihnachtet sehr...Illustrationen von Hildegard Müller. München: Hanser, 2011
  • Der Herbst, in dem ich Klavier spielen lernte. Zürich: Dörlemann, 2014

Distinctions :
  • Anerkennungsgabe der Stadt Zürich (1978)
  • Ehrengabe des Kantons Zürich (1980)
  • Ehrenliste zum Hans Christian Andersen-Preis (1984)
  • IBBY-Diplom (1984)
  • Marie Luise Kaschnitz-Preis (1986)
  • Conrad Ferdinand Meyer-Preis (1987)
  • Schweizer Jugendbuchpreis (1990)
  • Preis der Schw.Schillerstiftung (1991)
  • IBBY-Diplom (1992)
  • Österreichischer Kinder- und Jugendbuchpreis (1993)
  • Phantastik-Preis der Stadt Wetzlar (1993)
  • Preis des Landes Kärnten (1993)
  • Preis der Schweizerischen Schillerstiftung (2002)
  • Solothurner Literaturpreis (2003)
  • Kunstpreis der Stadt Zürich (2008)
  • Schweizer Literaturpreis (2015)

Extrait de "Die Schöne am unteren Bildrand" [S. 131-132]

Das Photo war auf dem Flur an unserer Pinnwand festgemacht, wo es sich neben Belanglosigkeiten und anerkannten Marksteinen unserer Familiengeschichte fand, und zwar so, dass seine untere Hälfte verdeckt war, solange man nicht die rechte obere Ecke unseres alljährlichen Gartenkalenders beiseiteschob. Es hatte nur noch wenige Farben, und nicht die schönsten. Ich sitze in der Mitte zwischen zwei strahlenden Vettern an einem Tisch und strecke dem Photographen strahlend das Glas entgegen. Mein Mann war es, der die Aufnahme gemacht hat, und er war es auch, der sie dann aufgehängt hat. Weil ich ihm darauf so gut gefalle, sagte er. Ich sehe allerdings nicht nur strahlend aus auf diesem Bild, sondern auch etwas aus dem Leim gegangen, und nicht nur, weil wir dabei waren, Onkel Hermanns Geburtstag zu feiern. Mir gefiel das Photo nicht, aber ich respektierte seine Entscheidung.

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