Imhasly Pierre

Pierre Imhasly (1939-2017) wurde am 14.11.1939 in Visp geboren. Er studierte deutsche und französische Literatur in Fribourg und Zürich. Anschliessend hielt er sich für längere Zeit in Italien und Spanien auf. Imhasly gilt als herausragender Übersetzer des Walliser Dichters Maurice Chappaz und anderer Literaten. Das Kernstück seines eigenen Schreibens ist die „Rhone Saga“ an welcher er mehr als zehn Jahre gearbeitet hat. Pierre Imhasly lebte und arbeitete in seiner Heimatgemeinde Visp, wo er am 17.6.2017 starb.

Liens
www.pierreimhasly.ch/
www.srf.ch/player/radio/regionaljournal-bern-freiburg-wallis/audio/pierre-imhasly-die-leidenschaft-des-oberwalliser-schriftstellers?id=3c91d66e-3dc3-43f4-b910-19539a177be3
www.srf.ch/news/regional/bern-freiburg-wallis/pierre-imhasly-der-abenteurer-der-poesie

Bibliographie :
  • Sellerie, Ketchup und Megatonnen. Eine Textsammlung. Bern: Kandelaber, 1970
  • Hérémence Beton. Lausanne: Grand Pont, 1974
  • Visp. Variationen und Etüden. Mit Armin Karlen. Brig: Rotten, 1976
  • Widerpart. Fuga mit Orgelpunkt vom Schnee. Zürich: Editio Princeps, 1977
  • Corrida. Der spanische Stier und sein Fest. Bern: Edition Erpf, 1982
  • Alfons Studer oder ein Eros in allen Dingen. Bern: Edition Erpf, 1984
  • Boderitro Sutra. Zürich: Edition sec52, 1992
  • Rhone Saga. Basel / Frankfurt/M.: Stroemfeld Verlag, 1996
  • Paraiso si. Ein Poem. Frankfurt/M.: Stroemfeld Verlag, 2000
  • Leni, Nomadin. Mit Fotografien von Renato Jordan. Frankfurt/M.: Stroemfeld Verlag, 2001
  • Maithuna/Matterhorn. Frankfurt/M.: Stroemfeld Verlag, 2005
  • Sellerie, Ketch up & Megatonnen. Frankfurt/M.: Stroemfeld, 2010

Distinctions :
  • Übersetzerpreis der Oertli-Stiftung (1977)
  • Werkjahr des Kantons Zürich (1977)
  • Werkjahr Pro Helvetia (1979)
  • Kulturpreis der Gemeinde Visp (1980)
  • Staatspreis des Kantons Wallis (1983)
  • Werkbeitrag Pro Helvetia (2002)
  • 1. Preis Rilke Lyrikwettbewerb (2003)

Extrait de "Rhone Saga" [S. 9]

Warum ich sie Mère Catherine nenne, da sie doch nicht meine Mutter und auch keine Schwester Oberin sei?
Weil in jenem Winter, weil an jener Bruchstelle meines Lebens ich, statt ins Wasser zu gehen, den grössten Busbahnhof des Landes zum Herumtreiben erkor; weil ich am dritten Tag den gelben Postcar nahm, der den weitesten Weg hatte, ins hinterste Tal – und am wichtigsten war, dass es dort wirklich zu Ende ging, die Strasse nicht weiter führte, sondern in den Abgrund katapultierte; weil ich, Nacht schon, es stürmte und schneite, mit Koffern und Bart und mit Schreibmaschine, und nicht sehr froh im Kopf, weil ich da, im letzten Weiler des letzten Dorfes unter der Tür der kleinen Pension stand, Madame Pralong auch, sie in der Werktagstracht, ausgefreakt, abgerissen ich; weil ich ein kleines, warmes Zimmer bekam, und als ich erwachte, klirrte der erste Viertausender in den Scheiben des beschlagenen Fensterchens, draussen lag, friedlich, Schnee, nichts als friedlicher Schnee; weil sie mich zur Seite nahm, anderntags, und beteuerte, gestern, im Sturm, jenem in mir und dem Sturm drum herum, eigentlich hätte sie mich ja für einen Entlaufenen gehalten oder schlimmer; weil aber an dem stürmischen Abend ich schon am Familientisch gesessen, weil Catherine den Honig vom Estrich geholt, wie sie da eine Schnitte Roggenbrot gestrichen, mir in den Mund geschoben hatte, weil sie dazu sagte: „um ihn auf einen anderen Geschmack zu bringen!“
Darum, Madame, kann ich es nur so: Mère Catherine.

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