Ilg Paul

Paul Ilg wurde am 14. März 1875 in Salenstein (Kt.Thurgau) als unehelicher Sohn eines Dienstmädchens geboren. Die ersten Lebensjahre verbrachte er auf dem Hof der Grosseltern, ehe er, nach deren Tod, als Verdingknabe durchs Appenzellerland zog. Ilg besuchte die Schule in Rorschach und St. Gallen und fing eine Schlosser-, Koch- und Handelslehre an, die er aber alle kurz nach Beginn wieder abbrach. Ab 1895 war er in verschiedenen kaufmännischen Berufen tätig und begann erste Texte zu verfassen. Der Autodidakt lebte ab 1902 bis 1914 grösstenteils in Berlin und arbeitete als freier Schriftsteller und Zeitschriften-Redaktor. In dieser Zeit verarbeitete Ilg seine schwere Kindheit und Jugend zur Roman-Tetralogie „Das Menschlein Matthias“, die ihm auch in Deutschland ein breites Publikum verschaffte. Sein eigener sozialer Aufstieg war Motivation und Inspirationsquelle für sein Schreiben. Das deutsche Lesepublikum verlor Paul Ilg, nachdem er im Jahr 1916 den Antimilitarismus-Roman „Der starke Mann“ publiziert hatte, in welchem er den preussisch-autoritären Führungsstil der Schweizer Offiziere anprangerte. Das Buch löste während dem Ersten Weltkrieg heftige Kontroversen aus und wurde von Armeekreisen bekämpft. Für den Autor wog der Verlust des Publikums schwer, da der Verkauf aller seiner Bücher stagnierte. In seinen späten Werken wandte sich Ilg der eher anspruchslosen Unterhaltungsliteratur zu und konnte auf diesem Weg einen Teil der Leser zurückgewinnen. Paul Ilg starb am 15. Juni 1957 in Romanshorn.

Liens
ead.nb.admin.ch/html/ilg.html
www.linsmayer.ch/autoren/I/IlgPaul.html
www.nzz.ch/kriegsverherrlichung-und-kriegsverneinung-1.18103223

Bibliographie :
  • Lebensdrang. Stuttgart: 1906 (Erster Band der Matthias-Tetralogie)
  • Der Landstörtzer. Berlin: 1909 (Zweiter Band)
  • Die Brüder Moor. Leipzig: 1912 (Dritter Band)
  • Das Menschlein Matthias. Stuttgart: 1913 (Vierter Band)
  • Maria Thurnherr. Frauenfeld: 1916
  • Der starke Mann. Eine schweizerische Offiziersgeschichte. Frauenfeld: 1916
  • Der Führer. Drama. Leipzig: 1919
  • Probus. Roman. Zofingen: 1922
  • Sommer auf Salagnon. Filmroman vom Genfersee. Bern: 1937

Distinctions :
  • Preis der Schweizerischen Schillerstiftung
  • Preis der Deutschen Schillerstiftung
  • Preis der Fastenrath-Stiftung, Köln (alle zwischen 1916 und 1919)

Extrait de "Der starke Mann" [S. 152]

Blitzschnell trat der Gefährdete zurück; ein leises Knacken in der Manteltasche verriet den furchtbaren Vorsatz – ein Ruck – ein Knall, und der freche Angreifer wälzte sich tödlich getroffen im Schnee. Die eine Schreckenssekunde genügte. Der Offizier liess die Hand mit dem Revolver nicht so bald sinken und rührte sich nicht von der Stelle. Aber kein Arm erhob sich mehr zum Schlage. Nur ohnmächtige Blicke, unterdrückte Flüche sprangen gegen den Überlegenen an. Etliche schrien aus Leibeskräften nach der Polizei. Als diese kurz darauf auf dem überlaufenen Platze erschien, sagte Lenggenhager kurz und widerwillig: „Ich habe diesen Kerl da niedergeschossen, weil er gegen mich handgemein wurde!“ Weder seine Miene noch seine Stimme verriet eine Regung des Entsetzens oder des Bedauerns. Dem Sprecher war im Gegenteil anzumerken, dass die rasche Tat keinerlei Unordnung in sein Fühlen und Denken brachte.

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