Hasler Eveline

Eveline Hasler wurde am 22.3.1933 in Glarus geboren. Sie studierte Psychologie und Geschichte in Fribourg und Paris. Hasler war auch einige Zeit als Lehrerin tätig. Sie lebt heute als freie Schriftstellerin im Tessin. Ihre Romane - Hasler ist auch eine bedeutende Jugendbuchautorin - befassen sich mit historischen Stoffen. Sorgfältige Recherchen und erfindungsreiche Einfühlung lassen Vergangenes darin überraschend lebendig werden. "Anna Göldin, letzte Hexe" (1982) rekonstruiert das Leben einer Magd, die vom Kind armer Leute zur Dienerin in Herrschaftshäusern aufsteigt. Im Jahr 1782 wird sie unter schauerlichen Umständen als Hexe verurteilt und hingerichtet. Dass eine aufgeklärte Obrigkeit sich von einem hysterischen Kind und einer eifersüchtigen Ehefrau zu diesem Justizmord verleiten liess, erschien schon damals ausserhalb der Schweiz unbegreiflich. Eveline Hasler versteht es, anhand von authentischem Material nachzuvollziehen, wie eine wahnhafte Angst vor unbegriffenen Mächten die damalige Fortschrittsgesellschaft beunruhigte und den Aberglauben erneut schürte. Auch in "Ibicaba" (1985) interessiert sie sich für das Schicksal von Recht- und Heimatlosen, von Schweizer Auswanderern Mitte des vorigen Jahrhunderts. Statt in einem Paradies des Überflusses endet ihre Fahrt über das Grosse Wasser in Not und Sklaverei.

Liens
www.videoportal.sf.tv/video?id=f9203c65-7e2f-4294-b111-e7ca67f22912
www.srf.ch/play/tv/srf-wissen/video/das-tragische-schicksal-der-anna-goeldi?id=b7abe5d2-46d4-447e-9f0d-449a18a7e610

Bibliographie :
  • Komm wieder. Pepino. Zürich: Benziger, 1967
  • Dann kroch Martin durch den Zaun. Ravensburg: O. Maier, 1973
  • Denk an mich, Mauro. Zürich: Benziger, 1976
  • Denk an den Trick, Nelly. Zürich: Benziger, 1980Novemberinsel. Erzählung. Zürich: Arche, 1979
  • Anna Göldin, letzte Hexe. Zürich: Benziger, 1982
  • Der wunderbare Ottokar. Zürich: Benziger, 1983
  • Der Buchstabenvogel. München: Deutscher Taschenbuch Verlag, 1984
  • Der Buchstabenclown. München. Deutscher Taschenbuch Verlag, 1985
  • Die Pipistrellis. Zürich : Bohem-Press, 1985.
  • Ibicaba. Das Paradies in den Köpfen. Zürich: Nagel & Kimche, 1985
  • Das Schweinchen Bobo. Zürich: Nagel & Kimche, 1986
  • Die Blumenstadt. Illustrationen von Stepan Zavrel. Zürich: Bohem-Press, 1987
  • Im Traum kann ich fliegen. Bilder von Käthi Bhend. Ravensburg: O. Maier, 1988
  • Der Riese im Baum. Zürich: Nagel & Kimche, 1988
  • Der Buchstabenräuber. Mit Bildern von Rolf Rettich. München: Deutscher Taschenbuch Verlag, 1989
  • Babas grosse Reise. Zürich: Nagel & Kimche, 1989
  • Die Wachsflügelfrau. Geschichte der Emily Kempin-Spyri. Zürich: Nagel & Kimche, 1991
  • So ein Sausen ist in der Luft. Ravensburg: O. Maier, 1992
  • Die Schule fliegt ins Pfefferland. Mit farbigen Bildern von Maren Briswalter. Würzburg: Benziger-Edition, 1993
  • Der Zeitreisende. Die Visionen des Henry Dunant. Zürich: Nagel & Kimche, 1994
  • Die Riesin. Bilderbuch. Illustrationen von Renate Seelig. München: Ellermann, 1996
  • Der Buchstabenkönig. München: Deutscher Taschenbuch Verlag, 1997
  • Die Vogelmacherin. Die Geschichte von Hexenkindern. Zürich: Nagel & Kimche, 1997
  • Der Jubiläums-Apfel und andere Notizen vom Tage. München: Deutscher Taschenbuchverlag, 1998
  • Die namenlose Geliebte. Zürich: Nagel & Kimche, 1999
  • Die Hexe Lakritze. Würzburg: Arena, 2000
  • Sätzlinge. Gedichte. Zürich: Nagel & Kimche, 2000
  • Aline und die Erfindung der Liebe. Zürich: Nagel & Kimche, 2000
  • Spaziergang durch mein Tessin. Landschaft, Kultur und Küche. München: Sanssouci, 2002
  • Tells Tochter. Julie Brondeli und die Zeit der Freiheit. Zürich: Nagel&Kimche, 2004
  • Die Nacht im Zauberwald. Mit Bildern von Käthi Bhend. Zürich: Nord-Süd Verlag, 2006
  • Stein bedeutet Liebe. Zürich: Nagel & Kimche, 2007
  • Engel im zweiten Lehrjahr. Zürich: Nagel & Kimche, 2009
  • Und werde immer Ihr Freund sein. Hermann Hesse, Emmy Hennings und Hugo Ball. Zürich: Nagel & Kimche, 2010
  • Schultüten-Geschichten. München: DTV, 2011
  • Der Engel und das schwarze Herz. Zürich: Nagel & Kimche, 2012
  • Mit dem letzten Schiff. Der gefährliche Auftrag von Varian Fry. Zürich: Nagel & Kimche, 2013
  • Stürmische Jahre. Die Manns, die Riesers, die Schwarzenbachs. Zürich: Nagel & Kimche, 2015

Distinctions :
  • Diploma of Merit Hans Christian Andersen-Preis (1968 / 1977)
  • Certificate of Honor, Intern. Board of Young People (1976)
  • Schweizerischer Jugendbuchpreis (1978)
  • Preis der Schweizerischen Schillerstiftung (1980)
  • Radio/TV-Preis (1984)
  • Critici in erba, Bologna (1985)
  • Ehrengabe der Stadt Zürich (1988)
  • Schubart-Literatur-Preis (1989)
  • Buchpreis der Stadt Zürich (1991)
  • Meersburger Droste-Preis für Dichterinnen (1994)
  • Kulturpreis der Stadt St. Gallen (1994)
  • Justinus-Kerner-Preis der Stadt Weinberg (1999)

Extrait de "Die Wachsflügelfrau" [S. 5-6]

Basel, Sommer 1989. Emily Kempin-Spyri? Die erste Juristin? Der Direktor der Psychiatrischen Unversitätsklinik winkt ab: Wir haben Ihnen doch geschrieben: Es gibt keine Krankengeschichte. Vor den Fenstern des Direktionsbüros liegt der Platz in nachmittäglicher Flaute, der Asphalt flimmert. Die Sekretärin kommt aus dem Nebenraum: Wir können kein Dossier finden, nicht einmal eine Personalkarte. Sie sehen, sagt der Chefarzt und blickt über den Rand seiner Halbbrille, diese Frau hat es nie gegeben, hier wenigstens nicht. Ich habe aber Kopien von Briefen, insistiere ich. Emily Kempin hat sie geschrieben, sie datieren von 1899, aus der Friedmatt. Der Psychiater erforscht mich mit seinem Blick. Sie ist am 12. April 1901 in ihrer Klinik gestorben, fahre ich fort. Ich vermute, Sie haben aus dieser Zeit ein Sterberegister? Der Chefarzt ist unruhig geworden; er geht ans Telefon, hat jetzt seinen Vorgänger am Draht. Emily Kempin-Spyri? Der Name sagt auch dem Vorgänger nichts. Dafür erwähnt der Vorgänger seinen Vorgänger, der oft berühmte Persönlichkeiten aus der Kartei entfernt hat. Aus Datenschutzgründen. Ja, erzählen Sie das Ihren Lesern, sagt der jetzige Chef aufatmend, Sie müssen doch Ihren Lesern ein Erklärung geben können.

précédent