Halter Ernst

Ernst Halter wurde am 12. April 1938 in Zofingen geboren. Nach der Matura studierte er in Genf und Zürich Germanistik und Kunstgeschichte. Halter promovierte mit einer Dissertation über Ludwig Tieck ("Kaiser Ocatavianus. Eine Studie über Tiecks Subjektivität", 1967). Heute lebt er mit der Schriftstellerin Erika Burkart in Aristau (AG). Neben seiner schriftstellerischen Tätigkeit arbeitet Halter als Herausgeber, Publizist und Verlagsberater. Ernst Halter ist ein geduldiger, ernster Erzähler, der mit einer stark lyrisch gefärbten Sprache die labyrinthische Innenwelt seiner Personen und deren Lebensräume erlebbar macht. In düsteren Farben malt er im Roman "Urwil AG" (1975) die Atmosphäre der Verlogenheit, der Brutaliät und des Grauens in einem nicht mehr ländlichen Dorf im Schweizer Mittelland. Ins Innere fallen die Schatten im Roman "Das Buch Mara" (1988), wo Halter den Gedanken und Erinnerungsfragmenten eines von einer einseitigen Liebe heftig getroffenen Mannes Sprache verleiht.

Liens
www.nzz.ch/unter-schwarzen-sternen-1.10631727
www.videoportal.sf.tv/video?id=fd928fc6-8f65-4cca-96f3-922850cc07a6
www.videoportal.sf.tv/video?id=2bc6ef17-e288-4a98-bf9c-12330062366a

Bibliographie :
  • Die unvollkommenen Häscher. Gedichte. Zürich: Regenbogen, 1970
  • Die Modelleisenbahn. Erzählungen. Zürich: Benziger, 1972
  • Einschlüsse. Prosa. Aarau: Sauerländer, 1973
  • Urwil AG. Zürich: Artemis, 1975
  • Die silberne Nacht. Zürich: Artemis, 1977
  • Die Spinne und der Spieler. Zürich: Nagel & Kimche, 1985
  • Das Buch Mara. Zürich: Ammann, 1988
  • Aschermittwoch. Gedichte. Zürich: Ammann, 1990
  • Irrlicht. Zürich: Ammann, 1995
  • Der Weltuntergang. Zürich: Offizin, 1999
  • Die Stimme des Atems. Wörterbuch einer Kindheit. Zürich: Limmat, 2003
  • Über Land. Aufzeichnungen, Erinnerungen. Zürich: Limmat, 2007
  • Das verborene Haus - Zeit und Augenblick. In Zusammenarbeit mit Erika Burkart. Zürich: Ammann, 2008
  • Jahrhundertschnee. Roman. Zürich: Ammann, 2009
  • Menschenland. Zürich: Wolfbach, 2010
  • Nachtschicht. Gedichte von Erika Burkart / Schattenzone. Gedichte von Ernst Halter. Frankfurt/M.: Weissbooks-Verlag, 2011
  • Hinter den sieben Bergen. Erzählungen. Zürich: Limmat Verlag, 2012
  • Englische Suite. Gedichte. Zürich: Wolfbach, 2012
  • Aschen Licht. Gedichte. Zürich: Wolfbach, 2015
  • Gerodete Zeit. Gedichte. Zürich: Wolfbach, 2017

Distinctions :
  • Preis der Schweizerischen Schillerstiftung (1973)
  • Werkauftrag Pro Helvetia (1990)
  • Aargauer Literaturpreis (2000)
  • Mehrere Werkjahre des Aargauischen Kuratoriums zur Förderung des kulturellen Lebens.

Extrait de "Die silberne Nacht" [S. 5]

Eine Bahnlinie, eine Strasse und, sie trennend, steinwurfbereit, ein Kanal. Die Bahn ist eingleisig, Normalspur, 1435 Millimeter, Leitungsmasten fehlen. Diesel- oder Dampftraktion.
Aus der Böschung zu Füssen des Bahndamms stossen Weidenschöpfe, aus dem strassenseitigen Kanalbord schiessen Pappeln. Hitzedunst. Die Sicht reicht sechs Pappelstämme weit nach Osten, sechs nach Westen. Etwas bewegt sich, rückt näher; ein gallertgrauer Umriss flackert die Strasse daher. Da schlenkert es einen Arm und ist ein Mann, der, den Kittel über die Schulter geworfen, näher kommt und sich im Gehen Kühle zufächelt. Jetzt bleibt er stehen, wischt sich mit dem Handrücken die Stirn und blickt über die kaum bewegte Wasserfläche, darin sich der Schilfgürtel am jenseitigen Ufer grünlich spiegelt. Zwischen den hellen Schopfweiden ist der Schotter des Bahndamms schwarz von Russ und glitzert ölig. Über den rostigen Schienen blendet der Dunst.

précédent