Haller Christian

Christian Haller wurde am 28.2.1943 in Brugg (Kanton Aargau) geboren. Nach der Absolvierung der Schulen studierte er Biologie (Zoologie) an der Universität Basel. Nach der universitären Ausbildung war Leiter am Gottlieb Duttweiler-Institut bei Zürich, wo er soziale Studien betrieb. Christian Haller lebt heute als freier Schriftsteller und Dramaturg (Theater Claque Baden) in Laufenburg und schreibt Kolumnen in der Aargauer Zeitung. Seit 1994 ist er Mitglied der Theaterkommission der Stadt Zürich. Besondere Aufmerksamkeit erlangte Haller durch die Sichtung und Verfilmung des Nachlasses von Adrien Turel, sowie seinen jüngsten Roman „Die verschluckte Musik“ (2001).

Liens
www.christianhaller.ch
www.christianhaller.ch/downloads/Interview_Christa_Baumberger.pdf
web.fhnw.ch/personenseiten/fridolin.staehli/_files/LaudatioPressetext.pdf
ansichten.srf.ch/autoren/christian-haller/

Bibliographie :
  • Die Hälfte der Träume und andere Geschichten. München: Noack-Hübner, 1980
  • Prinz Ramins Baum. Märchen. Lenzburg: Coban, 1984
  • Strandgut. Frankfurt a.M.: Luchterhand Literaturverlag, 1991
  • Der Brief ans Meer. München: Luchterhand Literaturverlag, 1995
  • Kopfüberland oder Die Reise zu den Bäumen. Eine Geschichte. Eggingen: K.Isele, 1996
  • Der Fernseher ist kein schlechter Priester. Eggingen: K.Isele, 1998
  • Die verschluckte Musik. München: Luchterhand Literaturverlag, 2001
  • Das schwarze Eisen. München: Luchterhand Literaturverlag, 2004
  • Die besseren Zeiten. München: Luchterhand Literaturverlag, 2006
  • Im Park. München: Luchterhand, 2008
  • Am Rand von allem. Gedichte. Eggingen: Verlag K. Isele, 2008
  • Die Stecknadeln des Herrn Nabokov. München: Luchterhand, 2010
  • Der seltsame Fremde. Roman. München: Luchterhand, 2013
  • Laub vor dem Winter. Gedichte. Zürich: Wolfbach, 2014
  • Die verborgenen Ufer. Roman.München: Luchterhand, 2015

Distinctions :
  • Werkunterstützung des BAK (1985)
  • Drei Werkjahre des Aargauer Kuratoriums für die Förderung des kulturellen Lebens
  • Werkförderung des Migros-Genossenschafts-Bundes Zürich
  • Dramatikerförderung des Bundesamtes für Kultur, Bern
  • Werkbeitrag des Kantons Zürich
  • Werkauftrag Pro Helvetia
  • Atelierauftenthalt Berlin (1998/1999)
  • Atelieraufenthalt Bukarest (2000)
  • Werkjahr der Stadt Zürich (2001)
  • Aargauer Literaturpreis (2006)
  • Schillerpreis (2007)
  • Aargauer Kunstpreis (2015)

Extrait de "Die verschluckte Musik" [S. 13-14]

Der Strom zog gemächlich in die Ebene hinein, und das dunstige Nachmittagslicht legte einen Schimmer aufs Wasser, der die Oberfläche beruhigte, beinahe verfestigte und eine metallische Drohung in die erdige Umgebung legte, als träte etwas Unerbittliches zutage, ein Stück fettigen Stahls, das an den Winter siebzehn erinnerte. Doch diese Sicht entsprach eher der Wahrnehmung des Herrn S., der seinen goldenen Zwicker zwischen Daumen und Zeigfinger sich panoramisch umzusehen beliebte, während Grossmama das nahe Aufquellen der Wassermassen beargwöhnte, die gegenläufigen Strömungen, denen entlang Ketten von Wirbeln sich öffneten; diese unsteten Muster, dies sich verändernd, in einem unaufhaltsamen Rhythmus, kurzatmige Wellen ausschickten. Und auch sie empfand eine Unerbittlichkeit, als sie unter der Krempe ihres mit Blumen und einem Schleier geschmückten Conotiers auf den Strom sah. Das Wasser bewegte sich von rechts nach links, von rechts nach links, und sie spürte diese ziehende Strömung in ihrem Kopf, merkte, wie ein Rad unter dem hochgesteckten Haar in Schwung geriet, die sie aufrecht haltende Transmissionsstange in Drehung versetzte und den Magen unter dem Korsett sich heben liess: Sie bekäme ihre berüchtigten Schwindel, die Schwindel, die eine Gewissheit bestätigten, der sie sich bereits vor der Abreise sicher gewesen war: - Wir hätten die Eisenbahn nehmen sollen, wie die anderen Male auch.
Doch der Herr, der mein Grosspapa werden würde, hatte den Koffer bereits in der Hand und schickte sich eben an, mit den beiden Kindern den Steg zum Schiff hinunterzugehen.

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