Haller Adolf

Adolf Haller wurde am 15. Oktober 1897 in Muhen (Kt.Aargau) geboren. Nach den Schulen studierte er Philologie in Zürich, Bern und Genf. Anschliessend war Haller von 1921 bis 1960 als Lehrer an der Bezirksschule in Turgi (AG) tätig. Neben der Ausübung des Lehrerberufs begann Adolf Haller zu schreiben. Er verfasste ab 1926 zahlreiche Theaterstücke, Erzählungen, Biographien und Jugendbücher. Grossen Erfolg und weite Verbreitung war seinen Werken für die Jugend beschieden in denen er Themen aus der Schweizer Geschichte aufgriff. Eine besondere Leidenschaft hegte Haller für Leben und Werk Heinrich Pestalozzis, den er der Bevölkerung mit Werkausgaben, Biographien, Bühnenbearbeitungen und Vorträgen nahe zu bringen suchte. Adolf Haller starb am 21. September 1970 in Luzern.

Bibliographie :
  • Heinrich Pestalozzi. Eine Darstellung seines Lebens und Wirkens. Frauenfeld: Huber&Co., 1926
  • Fratello! Erzählung. Lausanne: Alkoholgegner-Verlag, 1928
  • De neu Tiräkter. Lustspiel in einem Akt. Aarau: Sauerländer, 1929
  • Der Sturz ins Leben. Geschichten aus Jugendland. Aarau: Sauerländer, 1930
  • `s Hürotsäxame. Komödie in drei Akten. Aarau: Sauerländer, 1930
  • In Bergnot. Erzählung. Lausanne: Alkoholgegner-Verlag, 1931
  • Kamerad Köbi. Aarau: Sauerländer, 1933
  • Wozu leben wir? Ein Wort an junge Menschen. Lausanne: Alkoholgegner-Verlag, 1933
  • Das Spiel vom Bruder Tod. Bern: Gotthelf-Verlag, 1933
  • Königsfelden. Roman um einen Königsmord und um ein Menschenherz. Basel: F.Reinhardt AG, 1945
  • Ein Mädchen wagt sich in die Welt. Erzählung aus dem Leben junger Menschen. Aarau: Sauerländer, 1936
  • Die Schlüsseljungfrau. Sagenspiel in drei Akten. Aarau: Sauerländer, 1936
  • Begegnung in Hallwil. Ein Spiel um Pestalozzi. Aarau: Sauerländer, 1937
  • Der Schatz auf dem Bühel. Zürich: SJW, 1938
  • Der Bärenhäuter. Ein Spiel nach dem Grimmschen Märchen. Zürich: SJW, 1940
  • Freiheit, die ich meine. Das Lebensabenteuer des Daniel Elster. Aarau: Sauerländer, 1941
  • Heini von Uri. Erzählung für die Jugend aus der Zeit des Sempacherkrieges. Aarau: Sauerländer, 1942
  • Heiri Wunderli von Torliken. Wie der verschupfte Heinrich Pestalozzi auf dem Neuhof dem Landfahrerbuben Ludi Schwertfeger ein Vater wird und ihm die Geschichte seines Lebens erzählt. Aarau: Sauerländer, 1944
  • Albrecht von Haller. Ein Lebensbild. Ostermundigen: F.Dürig, 1944
  • Das Pestalozzidorf. Ein Jugendspiel mit Sprechchören. Zürich: Zwingli-Verlag, 1945
  • Heinrich Pestalozzi. Ein Lebensbild. Aarau: Sauerländer, 1946
  • Peter Rosegger. Die Geschichte seines Lebens. Bern: Schweizer Verein abstinenter Lehrer und Lehrerinnen, 1947
  • Der verzehrende Brand. Eine Geschichte von Schuld und Sühne. Aarau: Sauerländer, 1948
  • De Wunderdokter. Lustspiel in drei Akten. Aarau: Sauerländer, 1948
  • Der Gezeichnete. Ein Lebensbild in Briefen. Zürich: SJW, 1949
  • Wie Tankred seinen Vater fand. Erzählung. Zollikon: Evangelischer Verlag AG, 1950
  • Und gebe uns Frieden. Zwei tröstliche Geschichten. Basel: F.Reinhardt AG, 1951
  • Einer von der grossen Armee. Die Erlebnisse eines jungen Schweizers auf Napoleons Feldzug nach Russland. Zürich: SJW, 1954
  • Albrecht von Hallers Leben. Basel: F.Reinhardt AG, 1954
  • Tanz um den Freiheitsbaum. Erzählung aus der Zeit der Französischen Revolution. Aarau: Sauerländer, 1954
  • Der Meisterdieb. Ein übermütiges Spiel frei nach den Brüdern Grimm. Aarau: Sauerländer, 1954
  • Das rettende Kind und andere Erzählungen. Zürich: SJW, 1955
  • Beresina. Eine Erzählung von Napoleons Feldzug nach Russland. Aarau: Sauerländer, 1956
  • Der verschwundene Schatz. Erzählung. Zürich: Verein Gute Schriften, 1957
  • Die Schmugglerin und ihr Sohn. Solothurn: Schweizer Jugend-Verlag, 1957
  • Mireille und der Fahnenflüchtige. Solothurn: Schweizer Jugend-Verlag, 1959
  • Der Page Orteguill. Mit Cortés nach Mexiko. Aarau: Sauerländer, 1959
  • Widewau. Ein heiteres Spiel nach einem alten Volksmärchen. Zürich: SJW, 1961
  • Der Sklavenbefreier. Das abenteuerliche Leben Abraham Lincolns. Aarau: Sauerländer, 1963
  • Der Mann unseres Jahrhunderts. Das Leben Winston Churchills der jungen Generation erzählt. Aarau: Sauerländer, 1966
  • Zwischen zwei Fronten. Das Geheimnis des Überziehers. Zürich: SJW, 1966
  • Todesmut und Heiterkeit. Aus dem Leben des Sklavenbefreiers Abraham Lincoln. Zürich: SJW, 1968
  • Die Fackel. Das leuchtende Leben John F. Kennedys. Aarau: Sauerländer, 1968
  • Mahatma Gandhi. Der Befreier Indiens. Zürich: SJW, 1969
  • Am Steuerrad der Weltgeschichte: Winston Churchill. Jugendbuch. Zürich: SJW, 1970
  • Held der Jugend: John F. Kennedy. Zürich: SJW, 1970

Distinctions :
  • Schweizerischer Jugendbuchpreis (1947 / 1967)

Extrait de "Beresina" [S. 120-121]

Wir standen eine Stunde im glühenden Sand, aber der Kaiser erschien nicht. Wir standen zwei Stunden und verdrehten vergebens die Köpfe nach der Richtung, aus der er hätte kommen sollen. Wir standen die dritte Stunde, ohne dass der höchste Feldherr gekommen wäre. Das Murren und Fluchen in den Reihen war schwer zu unterdrücken. Als die Dämmerung hereinfiel, erhielten wir den Befehl, zurückzumarschieren.
An diesem Tag erhielt meine Napoleon-Begeisterung den ersten empfindlichen Stoss. Ich konnte ja freilich nicht wissen, was den Kaiser davon abgehalten hatte, zur angesetzten Heerschau zu erscheinen. Aber sah es nicht nach Geringschätzung, wenn nicht gar Verachtung seiner Untergebenen aus, wenn er so viele tausend Offiziere, Unteroffiziere und Soldaten aufbot und sie dann stehen liess, ohne ihnen auch nur eine Nachricht zukommen zu lassen?
Viele waren nicht mehr imstande, das Quartier zu erreichen. Meine Beine waren so steif und geschwollen, dass ich einen Kameraden bitten musste, mich auszukleiden und mir ins Bett zu helfen. Solche Gewaltmärsche wurden mehrmals befohlen. Es kam vor, dass der Stab mit wenigen Mann allein am bestimmten Orte eintraf und die Hauptmacht allmählich nachtropfte, um erschöpft niederzufallen und an Ort und Stelle einzuschlafen.
Wir marschierten weiter über die preussische Seenplatte durch Eylau, Insterburg, Gumbinnen nach Kowno am Niemen. Die grossen Verschiebungen mussten in unglaublich kurzer Zeit vorgenommen werden. Sieben Mann unseres Regimentes fielen während des Einmarsches vor Erschöpfung und Hitze tot auf der Strasse nieder. Bei Insterburg inspizierte Napoleon unser Armeekorps. Ich bekam ihn nicht zu Gesichte, da ich mit meiner Kompanie zur Deckung eines Lebensmittelzuges abgeordnet war. Der Kaiser soll wenig gnädig gewesen sein, weil der Bestand der Regimenter nicht voll war.

précédent