Häusermann Gertrud

Gertrud Häusermann (Pseudonym: Käthe Hausmann) wurde am 7. August 1921 in Reuss-Gebenstorf (Kt.Aargau) geboren. Sie besuchte die Schulen in Gebenstorf und Brugg und machte anschliessend eine Buchhändlerlehre. 1944 musste sie krankheitshalber ihren Beruf aufgeben und begann zu schreiben. Zum Entschluss ihre Werke zu veröffentlichen, trug vor allem ihr Mann bei, der Jugendbuchautor Max Vögeli, mit dem sie von 1948-1961 verheiratet war. Häusermann unternahm zahlreiche Reisen nach Deutschland, England und Frankreich und lebte einige Zeit in Genf. Nach dem Tod ihres zweiten Ehemannes zog die Autorin wieder in ihre Heimatgemeinde Gebenstorf, wo sie am 29. März 2007 starb.. Gertrud Häusermann gilt als Vertreterin der typischen Schweizer Mädchenliteratur der 50er Jahre, in welcher die Grundthemen Berufswahl, Heimatliebe, Freundschaft und Mutter-Tochter-Verhältnis eine wichtige Rolle spielten. Wie viele andere Autoren der Nachkriegszeit vertrat Häusermann ideale Wert- und Weltvorstellungen.

Bibliographie :
  • Irene. Aarau: Sauerländer, 1947
  • Barbara. (unter Käthe Hausmann). Aarau: Sauerländer, 1948
  • Licht und Schatten um Perdita. Aarau: Sauerländer, 1948
  • Anne und Ruth. Aarau: Sauerländer, 1949
  • Die Fischermädchen. Aarau: Sauerländer, 1950
  • Marianne. Aarau: Sauerländer, 1952
  • Heimat am Fluss. Ein Zeitdokument. Autobiographische Erzählungen. Aarau: Sauerländer, 1953
  • Franziska und Renato. Aarau: Sauerländer, 1954
  • Die silberne Kette. Aarau: Sauerländer, 1956
  • Katja. Zollikon: Evangelischer Verlag, 1956
  • Marie Vögtlin. Zollikon: Evangelischer Verlag, 1958
  • Die Geschichte mit Leonie. Erzählung. Aarau: Sauerländer, 1958
  • Simone. Aarau: Sauerländer, 1958
  • Simone in der Bretagne. Aarau: Sauerländer, 1962

Distinctions :
  • Schweizerischer Jugendbuchpreis (1954)
  • Ehrenliste des International Board on Books for Young People IBBY (1958)

Extrait de "Heimat am Fluss" [S. 74-75]

"Herunter vom Brett!" befahl Paul. "Wir wollen jetzt schaukeln!" Er zerrte an den Seilen; aber ich wollte sitzen bleiben; denn es war einfach herrlich, so hin und her zu gleiten. Und entschlossen, meinen Platz zu behalten, sagte ich schnell: "Ich war eben viel schwerer krank als ihr. Ich war im Spital."
Ah – das wirkte! Sofort liess Paul die Seile los.
"Im Spital! In welchem Spital?" drängte Franz. Er trat einen Schritt näher.
"Drüben im Städtchen!" log ich.
"Ich hab' das Spital auch schon gesehen", sagte Silvia. "Es ist ein hohes Haus. Es gibt dort grosse Bäume rundherum."
"Ja –" nickte ich. "Dort war ich – lange Zeit!"
Tatsächlich hatte ich das Spital nie gesehen; aber ich hatte davon erzählen hören. In meiner Vorstellung war es eine Art riesige Reparaturwerkstätte für Menschen. Und als Paul wissen wollte, was man dort mit mir gemacht, antwortete ich ohne Besinnen:
"Den Bauch aufgeschnitten!"
Wie die Augen machten. Mir schwoll das Herz in der Brust. Ich schlang meine Arme um die Schaukelseile, hakte die Finger ein und genoss meine eigene Wichtigkeit.

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