Guggenheim Kurt

Am 14. Januar 1896 wurde Kurt Guggenheim als Sohn eines Import-Kaufmanns in Zürich geboren. Er besuchte die Grundschulen und die kantonale Handelsschule in Zürich. 1915 erlangte er das Diplom als Handelskaufmann und bildete sich im väterlichen Geschäft weiter, zugleich startete er erste literarische Versuche. Nach einigen Lehr- und Wanderjahren und dem Entschluss zur freien Schriftstellerexistenz im Jahre 1925 gelang ihm 1938 mit dem Roman "Riedland" der Durchbruch. Kurt Guggenheim starb am 5.12.1983 in Zürich.

Liens
www.linsmayer.ch/autoren/G/GuggenheimKurt.html
www.nzz.ch/zuerich/zuercher_kultur/zuerich-freundlichkeit-und-sproednis-1.18482718
www.srf.ch/play/tv/me_schonvergessen/video/kurt-guggenheim?id=2ccf0703-8757-4a1c-bcb3-792084667c1e

Bibliographie :
  • Entfesselung. Roman. Hrsg. Von Adolf Guggenbühl und Fortunat Huber. Zürich: Schweizerspiegel, 1935
  • Sieben Tage. Zürich: Schweizerspiegel, 1936
  • Riedland. Zürich: Schweizerspiegel, 1938
  • Der heitere Lebensabend. Komödie. Basel: Reiss, 1938
  • Wilder Urlaub. Zürich: Schweizerspiegel, 1941
  • Der sterbende Schwan. Schauspiel. Basel: Reiss, 1943
  • Die heimliche Reise. Zürich: Artemis, 1946
  • Wir waren unser vier. Zürich: Artemis, 1949
  • Alles in allem. Roman in vier Bänden. Zürich: Artemis, 1952-1955
  • Der Frieden des Herzens. Zürich: Artemis, 1956
  • Sandkorn für Sandkorn. Die Begegnung mit J.-H. Fabre. Zürich: Artemis, 1959
  • Die Wahrheit unter dem Fliessblatt. Aus dem Tagebuch. Zürich: Artemis, 1960
  • Heimat oder Domizil?. Zürich: Artemis, 1961
  • Die frühen Jahre. Bericht. Zürich: Artemis, 1962
  • Tagebuch am Schanzengraben. Zürich: Artemis, 1963
  • Salz des Meeres, Salz der Tränen. Zürich: Artemis, 1964
  • Der goldene Würfel. Zürich: Artemis, 1967
  • Minute des Lebens. Roman um die Freundschaft zwischen Zola und Cézanne. Zürich: Artemis, 1969
  • Mignon und Peregrina. Begegnungen. Bremen: Jacobi, 1971
  • Der heilige Komödiant. Erzählung. Zürich: Benziger, 1972
  • Gerufen und nicht gerufen. Zürich: Benziger, 1973
  • Nachher. Erzählungen. Zürich: Benziger, 1974
  • Alles ist der Rede wert. Worte zum neuen Tag. Frauenfeld: Huber, 1977
  • Das Zusammensetzspiel. Frauenfeld: Huber, 1977
  • Einmal nur. Tagebuchblätter 1925-1950. Frauenfeld: Huber, 1981
  • Einmal nur. Tagebuchblätter 1951-1970. Frauenfeld: Huber, 1982
  • Werke. 4 Bde. Hrsg. von Charles Linsmayer. Frauenfeld: Huber, 1989-1999

Distinctions :
  • Conrad Ferdinand Meyer-Preis (1942)
  • Preis der Schweizerischen Schillerstiftung (1950)
  • Literaturpreis der Stadt Zürich (1956)
  • Wahl in die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt (als korrespondierendes Mitglied) (1966)

Extrait de "Wir waren unser vier" [S. 15-16] (zitiert nach der Neuauflage bei Ex libris 1981)

Mit jenem bekannten Gefühl der Schalheit und der Ernüchterung, das manchen Mediziner heimsucht, wenn er die Stätte verlässt, an der ein atmender Mensch sich zu einer Sache gewandelt hat, kehrte ich durch den verschneiten Spitalgarten in mein Zimmer zurück. Ich setzte mich an den Schreibtisch, weil ich die Absicht hatte, mein Geschäft mit den Neujahrskärtchen zu Ende zu bringen. Aber ich verlor mich im Grübeln. Ich sah uns, die beiden Buben, Vinzenz unter seiner Kappe aus schwarzem Kaninchenfell, mich selbst in meinem blauen Baskenmützchen, unter den Robinien dem Schanzengraben entlangwandern, ich sah Herrn Umbrecht, der auf einem Gummiteppich zwischen den Glaswänden stand und auf den Platz hinausschaute, und ich sah das Heer der Spetterinnen und Fensterreiniger, die, einem Geschlecht von Phagozyten gleich, sich in den leeren Bankgebäuden zu schaffen machten. Dann dachte ich wieder an Vinzenzens Vater, der nun mit seinen strengen, zusammengewachsenen Augenbrauen drüben im Leichenhause lag und dessen Körper, nach Ablauf der gesetzlichen Frist, zu öffnen mir aufgetragen war, mir, dem kleinen Burschen, der ihm zugeschaut hatte, wie er sich, fern unten in der Zeit, über den Tisch gebeugt und sein Leberlein verzehrt hatte.

précédent