Graf Roman

Roman Graf wurde am 14. April 1978 in Winterthur geboren. Er absolvierte eine Ausbildung zum Forstwart. Nach Aufenthalten in England und Frankreich arbeitete er als Behindertenbetreuer, Journalist und Redaktor. Graf studierte Medien und Publizistik an der Schule für Angewandte Linguistik (SAL) in Zürich und dann am Leipziger Literaturinstitut. Er veröffentlichte Lyrik und Prosa unter anderem in den Zeitschriften Akzente, Manuskripte und Entwürfe und im Jahrbuch der Lyrik. 2009 erschien sein erster Roman. Seit 2007 ist er freier Autor; er lebt in Berlin und in der Schweiz.

Liens
www.romangraf.ch/
www.srf.ch/kultur/literatur/schweizer-buchpreis/schweizer-buchpreis-2013/niedergang-ein-roman-mit-ironisch-gebrochenem-pathos

Bibliographie :
  • Herr Blanc. Roman. Zürich: Limmat Verlag, 2009
  • Herr Blanc. Roman (Taschenbuchausgabe). München: dtv, 2011
  • Zur Irrfahrt verführt. Gedichte. Zürich: Limmat Verlag, 2010
  • Niedergang. Roman. München: Knaus, 2013
  • Mädchen für Morris. Roman. München: Knaus, 2016

Distinctions :
  • Werkbeitrag Kanton Zürich (2005)
  • Aufenthaltsstipendium der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen im Edith-Stein-Haus, Breslau/Polen (2007)
  • Artist in Residence in der Villa Decius, Krakau/Polen (2007)
  • Studer/Ganz-Preis (2008)
  • Literarische Auszeichnung (Werkjahr) der Stadt Zürich (2009)
  • Mara-Cassens-Preis (2009)
  • Förderpreis des Bremer Literaturpreises (2010)
  • Auszeichnung des Festival du premier roman in F-Chambéry (2010)
  • Aufenthaltsstipendium im Literarischen Colloquium Berlin (2010)
  • Anerkennungsgabe der Stadt Zürich (2010)
  • Förderpreis der Stadt Winterthur (2012)
  • Nominierung für den Schweizerischen Buchpreis (2013)

Extrait de Niedergang
Sie schulterten die bleischweren Rucksäcke. André half Louise, indem er ihren Rucksack hochhob; seinen eigenen, der wegen des Kletterseils, der Karabiner und Bandschlingen noch schwerer war, stellte er zuerst auf sein an einer Hauswand angewinkeltes Bein, dann schlüpfte er mit dem Arm durch den einen Schultergurt.
Sie zogen los, die Kapuzen um die Gesichter festgezurrt, wegen der Rucksäcke leicht vornübergebeugt. Nebeneinander gingen sie die paar Meter auf der geteerten Straße, die zum Dorfrand führte, wo ein steiler, schiefer Kiesweg begann, der nicht mehr von Autos befahren werden konnte, nur noch von Traktoren, Motorrädern und Mountainbikes, und wo Louise auf einmal hinter ihm herging, obwohl der Weg breit genug für beide war.
Sie murmelte etwas und blieb stehen. Also musste auch er, der möglichst schnell seinen Rhythmus finden wollte, anhalten; er drehte sich nach ihr um, wahrte mühsam das Gleichgewicht.
»Einen Moment«, sagte sie, »ich habe einen Schweissausbruch.«
Wie er ihr bereits im Hotel prophezeit hatte, war sie zu warm angezogen. Sie hatte ihm nicht geglaubt, da sie schnell fror und selbst im Hochsommer oft nicht ohne eine Jacke aus dem Haus ging.
Er hielt es für klüger, nichts zu sagen. Sie öffnete den Hüftgurt, löste die festgezogenen Schultergurte, und er tat die Schritte, den bereits zurückgelegten Weg wieder hinunter zu ihr, nahm ihr den Rucksack ab, damit sie ihn nicht auf den dreckigen Wegrand stellen musste. Unter dem Goretex-Regenschutz trug sie eine Winterjacke und darunter einen Rollkragenpullover aus Lammwolle, dabei hatte er ihr doch erzählt, wie sie früher bei den Pfadfindern auf Schneewanderungen hoch in den Bergen im T-Shirt unterwegs gewesen waren.
»Für die ersten Meter war die Jacke gut«, sagte sie, »ich hätte gefroren.«

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