Golowin Sergius

Golowin wurde am 31.Januar 1930 in Prag geboren. Die Familie zog schon bald (1933) ins Heimatland der Mutter (Dichterin und Slavistin) und liess sich in Bern nieder. Nach den Schulen absolvierte Sergius Golowin die Fachprüfung zum Bibliothekar und war als Bibliotheksassistent an der Stadt- und Universitätsbibliothek Bern tätig. Anschliessend leitete er die Stadtbibliothek Burgdorf. Zu Beginn der siebziger Jahre entschied er sich für das freie Schriftstellertum. Seit 1974 war Golowin auch politisch engagiert und im bernischen Grossrat vertreten. Am 17. Juli 2006 starb er in Bern. Sergius Golowin gehörte in den fünfziger Jahren zu den Mitbegründern des Phantastischen Realismus in der Kunst. Seine Werke stellen zudem wichtige Beiträge zur Esoterik dar. Besondere Aufmerksamkeit widmet er der Sammlung, Deutung und Bewahrung des geheimen Wissens der Zigeuner. Neben der Veröffentlichung unzähliger eigener Bücher hat Golowin auch zahlreiche Schriften als Herausgeber betreut.

Liens
www.gigeregg.ch/index.php?rubrik=sergiusgolowin
www.weltwoche.ch/ausgaben/2006-30/artikel-2006-30-sergius-golowin.html
www.bernerzeitung.ch/region/bern/so-eigenwillig-wie-sergius-golowin/story/10374078

Bibliographie :
  • Der verlorene Reif. Gedichte. Bern, 1959
  • Ilja von Muron. Sage. Freiburg i. Br. / Bern, 1959
  • Von den Erdleutlein und dem Goldenen Alter. Volkssagen aus dem Bernerland. Bern: Sinwel, 1961
  • Theophrastus Paracelsus im Märchenland. Aus der Volksüberlieferung des ausgehenden Mittelalters. Bern: Sinwel, 1962
  • Mären um den lieben Gott. Aus der Volksdichtung des Abendlandes. Ostermundigen/Bern: Viktoria, 1962
  • Magische Gegenwart. Forschungsfahrten durch modernen Aberglauben. Bern: Francke, 1964
  • Berns Stadtgespenster. Bern: Viktoria, 1965
  • Sagen aus dem Bernbiet. (erste und zweite Folge). Basel : F.Reinhardt, 1965/66
  • Götter der Atomzeit. Moderne Sagenbildung um Raumschiffe und Sternenmenschen. Bern/München: Francke, 1967
  • Berner im Hexenkreis. Bern: Viktoria, 1967
  • Berner Märit-Poeten. Bänkelsänger-Dichtung vor 250 Jahren. Bern: Sinwel, 1969
  • Hexer und Henker im Galgenfeld. Seltsame Menschen und Kräuter vor Berns Unter-Tor. Bern: Benteli, 1970
  • Menschen und Mächte. Sagen zwischen Jura und Alpen. Zürich: Schweizer Verlagshaus, 1970
  • Lustige Eid-Genossen. Aus der phantastischen Geschichte der freien Schweiz. Zürich: Atlantis, 1972
  • Wir wollen frei sein...wie die Väter waren. Kam Tell draus ? Gurtendorf: Zürcher, 1972
  • Zigeuner-Magie im Alpenland. Geschichten um ein vergessenes Volk. Frauenfeld: Huber, 1973
  • Die Magie der verbotenen Märchen. Von Hexenkräutern und Feendrogen. Hamburg: Merlin, 1974
  • Die Welt des Tarot. Geheimnis und Lehre der 78 Karten der Zigeuner. Basel: Sphinx, 1975
  • Hexen, Hippies, Rosenkreuzer. 500 Jahre magische Morgenlandfahrt. Hamburg: Merlin, 1977
  • Dada im Mittelalter. Notizen zu einer Antiliteratur. Berlin: Libertad, 1980
  • Magier Merlin. Märchenreiche und Ritter im Mittelalter. Merlin, 1981
  • Die weisen Frauen. Die Hexen und ihr Heilwissen. Basel: Sphinx, 1982
  • Das Traumdeutungsbuch des Fahrenden Volkes. Freiburg i. Br.: Bauer, 1983
  • Edelsteine. Kristallpforten zur Seele. Freiburg i. Br.: H.Bauer, 1986
  • Göttin Katze. Das magische Tier an unserer Seite. München: W.Goldmann, 1989
  • Paracelsus. Mediziner – Heiler – Philosoph. Die grosse Biographie zum 500. Geburtstag. München: W.Goldmann, 1993
  • Das Geheimnis der Tiermenschen. Von Vampiren, Nixen, Werwölfen und ähnlichen Geschöpfen. München: Heyne, 1998
  • Die grossen Mythen der Menschheit. Freiburg i. Br.: Herder, 1998
  • Die phantastische Geschichte der freien Schweiz. „Lustige Eid-Genossen“. Erw. Neuausgabe. Bern: Fischer-Media AG, 1998
  • Berner Oberland. Mit Marcus Gyger und Christine Kopp. Zürich: AS-Verlag, 1998
  • Dr Bär isch los. Lebendige Berner Fasnacht. Geschichte und Geschichten. Bern: Fischer-Media AG, 1999
  • Von jenischen Kesslern und Korbern. Neuallschwil/Basel: Editions Heuwinkel, 1999
  • Lexikon der Symbole. Mythen, Symbole und Zeichen in Kultur, Religion, Kunst und Alltag. Mit Wolfgang Bauer und Irmtraud Dümotz. Wiesbaden: Fourier, 2000 (18.Aufl.),

Distinctions :
  • Preis der Schweizerischen Schillerstiftung (1974)[ für seine Verdienste um die Volkskunde und die Kulturen am Rande der Gesellschaft]

Extrait de "Die grossen Mythen der Menschheit" [S. 66]

Die Entstehung der grossen Mythologien steht zweifellos gleich am Beginn der Menschheitsgeschichte. In ihnen geschieht die Beschäftigung mit den grossen Fragen: Von woher kommen wir ? Was und wer sind wir überhaupt ? Wohin gehen wir ?
Als sich unsere fernen Vorfahren mit entsprechenden Ahnungen, Träumen und Dichtungen auseinanderzusetzen begannen, als sie die wertvollsten der Bilder, die daraus entstanden, ihren Nachkommen weitergaben, war dies die Geburt all dessen, was wir als Kultur bezeichnen.
Mit dem Aufkommen von Materialismus und Atheismus im 18. und 19. Jahrhundert, in deren Umfeld alle Geschichten von Gott und Göttern zu „närrischen Ammenmärchen und Aberglauben“ erklärt wurden, suchte man nach „Völkern ohne jedes religiöse Denken“. Wenig überprüfte Berichte von Reisenden über „fremde Rassen“ (die freilich wegen der Flüchtigkeit des Kontaktes keinen Einblick in deren Seelenleben gewinnen konnten) wurden als Beweise herangezogen. Gründlichere Forschungen haben seither bewiesen, dass gerade die „primitivsten“, also die am ursprünglichsten lebenden Stämme oft die tiefsinnigsten Gedanken über den Ursprung der Schöpfung entwickelt haben. Bei diesen lange von den grossen Zivilisationen abgeschnittenen Völkern fanden später aufmerksamere Berichterstatter ein Denken und Dichten vor, demgegenüber die Auffassungen ihrer Entdecker und Eroberer geradezu als minderwertig erschienen.

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