Gangale-Uffer Margarita

Margarita Gangale-Uffer (Ps. Falispa, Dita) wurde am 22. Januar 1921 in St.Gallen in eine romanische Autorenfamilie geboren. Nach der Grundschule besuchte sie die Kantonsschule wirtschaftlicher Richtung an ihrem Geburtsort. Während den Studien in Genf, Cambridge und Italien in den folgenden Jahren liess sich Gangale-Uffer zur Übersetzerin und Sprachlehrerin ausbilden. Ab 1949 lebte sie mit ihrer Familie in Orselina im Kanton Tessin, wo sie am 26. Juli 2010 verstarb. Das literarische Werk von Gangale-Uffer scheint auf den ersten Blick schmal zu sein: nur gerade zwei Bücher hat die Autorin verfasst. Nicht vergessen darf man jedoch die regelmässigen und zahlreichen Publikationen von Kurzgeschichten in Zeitungen, Zeitschriften und Anthologien. Neben der Arbeit für die „Litteratura“ wirkte Margarita Gangale-Uffer auch bei der satirischen Zeitschrift „Chardun“ mit. Bekannt geworden ist die Autorin mit ihrer Monographie über ihren Ehemann, den kalabrisch-albanischen Sprachforscher Giuseppe Gangale. Darin schildert sie das Leben des Forschers, der unermüdlich für Sprachminderheiten gekämpft hatte. In den vierziger Jahren hatte Gangale auch in Graubünden gewirkt und sich für eine Reromanisierung der Sursvela eingesetzt, was ihm aber wenig Dank eingebrachte, worauf er 1947 die Schweiz in Richtung Dänemark verliess. Im Norden konnte er weiterhin auf seine bewährte Mitarbeiterin Margarita Uffer zählen, die er kurz vor seinem Tod in Muralto heiratete.

Bibliographie :
  • Giuseppe Gangale. Ein Leben im Dienste der Minderheiten. Biographie. Chur: Ed. Terra Grischuna, 1986
  • Damaun es sulagl. Poesias. Chur: Lia rumantscha, 1988

Distinctions :
  • Wettbewerb für rätoromanische Hörspiele, Studio Zürich (1952)
  • Hörspiel-Wettbewerb Ostschweizerische Radiogesellschaft (1956)
  • Wettbewerb für rätoromanische Kurzgeschichten, Schweiz. Verlagshaus Zürich (1966)

Extrait de "Igl bitsch / Der Kuss" (erstmals 1967 in der Anthologie Prosa Rumantscha)

Ella o laschea passar igl ual da luvrants e scrivants tgi la fabrica o svido or sen la plazza, e tgi scula an prescha or ed or pigl stradun ancunter igl martgea noua tgi fon segn las ampremas cazolas. Scu sch`ella vess anc da spitgier gnond ensatgi, stat`la salda dasper la genna, mesa zupada davos igl tgagliom.
Oz forsa – partratg`la – ea, oz. Per l`amprem`eda. El na crei betg tgi seia l`amprem`eda. Ma igl è la vardad. Oz per l`amprem`eda. Na, betg oz. Ossa tg`igl è no l`oura, vign igl starmaint.

Den Strom der Arbeiter und Bürolisten, den die Fabrik auf den Platz hinausleerte, hat sie vorüberströmen lassen, und nun fliesst er eilig die Strasse hinab, der Stadt zu, woher die ersten Lichter winken. Bewegungslos steht sie neben der Pforte, halb versteckt hinter der Hecke, wie wenn sie noch eben auf jemand warten müsste.
Heute vielleicht, denkt sie. Ja, heute. Zum erstenmal. Er wird ihr nicht glauben, dass es das erstemal sei. Dennoch ist`s wahr: heute zum erstenmal. Bedenken steigen ihr auf: nein, heute geht`s nicht Heute ist nicht der richtige Moment dafür.

précédent