Forte Dieter

Dieter Forte wurde am 14. Juni 1935 in Düsseldorf geboren. Nach der Schulzeit absolvierte er eine kaufmännische Ausbildung. 1960/61 hospitierte er am Düsseldorfer Schauspielhaus (Karl Heinz Stroux), 1962/63 erhielt er ein Autorenstipendium und arbeitete unter Egon Monk (auch als Regieassistent und Lektor) in der Fernsehabteilung des Norddeutschen Rundfunks in Hamburg. Danach lebte er als freier Schriftsteller in Düsseldorf. 1970 ging Forte in der Nachfolge von Friedrich Dürrenmatt als Hausautor an das Basler Theater, wo er mit Werner Düggelin und Hermann Beil zusammenarbeitete. Bekannt geworden ist er als Dramatiker, zahlreiche Hörspiele und Fernsehfilme machten ihn auch einem breiteren Publikum bekannt als Seismograph zeitgenössischer bundesdeutscher Wirklichkeit. Seit Ende der 80-er Jahre arbeitete Forte ausschliesslich an einer Romantetralogie. Den ersten Teil veröffentlichte er 1992 unter dem Titel "Das Muster", in dem er die Geschichte einer italienisch-französischen Seidenweberfamilie und einer polnischen Bergarbeiterfamilie beschreibt, die beide aus politischen, religiösen und wirtschaftlichen Gründen nach Deutschland fliehen. Im zweiten Teil "Der Junge mit den blutigen Schuhen" (1995) schreibt Forte über eine dem Nazi-Terror und dem Bombenhagel ausgesetzte Kindheit im Zweiten Weltkrieg. "In der Erinnerung" (1998) thematisiert das Kriegsende und die ersten Jahre des Wiederaufbaus. Den Abschluss bildet der 2004 erschienene Band "Auf der anderen Seite der Welt", der die 50-er Jahre reflektiert und in einem Lungensanatorium auf einer Nordseeinsel spielt. Dieter Forte ist Mitglied der P.E.N.-Zentren der Bundesrepublik Deutschland und der Schweiz und lebt in Basel.

Liens
www.dradio.de/dlf/sendungen/buechermarkt/386254/
www.srf.ch/sendungen/reflexe/das-labyrinth-der-welt-von-dieter-forte
www.tagesspiegel.de/kultur/dieter-forte-zum-80-geburtstag-sprache-und-atem/11912850.html

Bibliographie :
  • Martin Luther & Thomas Münzer oder Die Einführung der Buchhaltung. Ein Theaterstück. Basel, 1970, Frankfurt/M.: S. Fischer, 1971
  • Weisse Teufel. Ein Theaterstück. Basel 1972
  • Cenodoxus. Ein Bühnenstück. Salzburg 1972
  • Die Wand. Porträt eines Nachmittags. Zwei Hörspiele. Stuttgart: Reclam, 1973
  • Jean Henry Dunant oder Die Einführung der Zivilisation. Ein Schauspiel. Frankfurt/M.: S.Fischer, 1978
  • Kaspar Hausers Tod. Ein Theaterstück. Frankfurt/M.: S.Fischer, 1979
  • Fluchtversuche. Vier Fernsehspiele. Frankfurt/M.: S. Fischer, 1980
  • Das Labyrinth der Träume oder Wie man den Kopf vom Körper trennt. Ein Bühnenstück. Frankfurt/M.: S.Fischer, 1983
  • Der Artist im Moment seines Absturzes. Ein Theaterstück. Staatstheater Kassel, 1991
  • Das endlose Leben. Ein Theaterstück. Düsseldorf 1991
  • Das Muster. Roman. Frankfurt/M.: S.Fischer, 1992
  • Der Junge mit den blutigen Schuhen. Roman. Frankfurt/M.: S.Fischer, 1995
  • In der Erinnerung. Roman. Frankfurt/M.: S.Fischer, 1998
  • Das Haus auf meinen Schultern. Romantrilogie: Das Muster/Tagundnachtgleiche (früher unter dem Titel: Der Junge mit den blutigen Schuhen)/In der Erinnerung. Frankfurt/M.: S.Fischer, 1999
  • Schweigen oder Sprechen. Essays. Hg. von Volker Hage. Frankfurt/M.: S.Fischer, 2002
  • Auf der anderen Seite der Welt. Roman. Frankfurt/M.: S. Fischer, 2004
  • Das Labyrinth der Welt. Frankfurt/M.: S. Fischer, 2013

Distinctions :
  • Basler Literaturpreis (1992)
  • Bremer Literaturpreis (1999)
  • Heinrich-Heine-Ehrengabe 2003
  • Hans-Erich-Nossack-Preis (2004)
  • Grimmelshausen-Preis (2005)
  • Buch des Jahres 2005 der Schweizerischen Schillerstiftung
  • Niederrheinischer Literaturpreis 2005
  • Stipendien der Kulturstiftung Nordrhein Westfalen und des Deutschen Literaturfonds Darmstadt

Extrait de "In der Erinnerung" [S. 11-12]

Wieder ein Sonnenaufgang, wieder ein Hoffnungsschimmer, obwohl sich doch nur die Erde nach den Gesetzen der Natur um die Sonne drehte, aber alle klammerten sich an das alte Bild vom neuen Tag, der aus der Nacht heraufsteigt; an das verheissungsvolle Licht, das auf die zerbröckelnden Mauerreste eingestürzter Häuser, auf den Schutt in unpassierbaren Strassen, auf die Ruinen einer Trümmerlandschaft schien, eine vergessen Wüstenstadt, vor langer Zeit zerstört und von den Menschen aufgegeben.
Staubwolken erhoben sich aus dem Geröll, zogen über die versteinerte Wüste, in der es keine Bäume und keine Gärten, keine Seen und keine Parkanlagen mehr gab, so dass man kein Blätterrauschen hörte, kein Plätschern der Wellen, kein Rascheln in den Sträuchern und im Gras, nur ein monotones an- und abschwellendes Sausen, verbunden mit dem dumpfen Poltern abstürzender Mauerteile, dem hohen Klappern von Heizungskörpern an verbrannten Wänden, dem Flattern einer Gardine in einem leeren Fenster.

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