Duvanel Adelheid

Adelheid Duvanel wurde am 23.4.1936 in Basel geboren. Ihre Jugend verbrachte sie in Pratteln und Liestal. Nach der Kunstgewerbeschule absolvierte sie eine Lehre als Textilzeichnerin, hatte verschiedene Bürostellen inne, war Mitarbeiterin eines Meinungsforschungsinstituts und arbeitete als Journalistin. Sie lebte seit 1962 in Basel. Dort nahm sie sich in der Nacht vom 7. auf den 8. Juli 1996 das Leben. Die Figuren in Adelheid Duvanels Büchern sind hellsichtige, gleichzeitig aber verstummte Menschen. Ihr Lebensgefühl ist jenes von fundamentaler Einsamkeit. In den Welten, in denen sie leben - leben müssen -, fängt immer alles so gut an und endet so entsetzlich schlimm. Duvanels Werk trägt die Maske des Unauffälligen, Verspielten. Die Explosivkraft ihrer Texte liegt im Spannungsverhältnis zwischen gestraffter äusserer Form und alle Grenzen überwucherndem Inhalt und im Missverhältnis zwischen kindlicher Maske und unerbittlichem, erbarmungslosem Kern.

Liens
personenlexikon.bl.ch/Adelheid_Duvanel-Feigenwinter
www.zeit.de/2004/32/L-Duvanel


Bibliographie :
  • Merkwürdige Geschichten aus Basel. Mit Felix Feigenwinter und Gunild Regine Winter. Basel: Mond-Buch-Verlag, 1978
  • Wände, dünn wie Haut. Basel: Gute Schriften, 1979
  • Windgeschichten. Darmstadt / Neuwied: Luchterhand, 1980
  • Das Brillenmuseum. Erzählungen. Darmstadt / Neuwied: Luchterhand, 1982
  • Anna und ich. Erzählungen. Darmstadt / Neuwied: Luchterhand, 1985
  • Das verschwundene Haus. Erzählungen. Darmstadt: Luchterhand, 1988
  • Gnadenfrist. Erzählungen. Frankfurt/M.: Luchterhand, 1991
  • Die Brieffreundin. Erzählungen. München: Luchterhand, 1995
  • Der letzte Frühlingstag. Erzählungen. München: Luchterhand, 1997

Distinctions :
  • Kleiner Basler Kunstpreis (1981)
  • Kranichsteiner Literaturpreis (1984)
  • Basler Literaturpreis (1987)
  • Gastpreis des Kantons Bern (1995)

Extrait de "Gestorben und ermordet" in "Die Brieffreundin" [S. 104]

Vroni liegt auf dem Bett eines Hotelzimmers und sieht in der Ferne fingerdick über dem untern Fensterrand eine halbe Baumkrone, ein halbes langgezogenes Dach und eine Hügelkette unter dem goldenen Himmel. Als Florin jung war, wurde er nicht müde, Vroni zu lobpreisen wegen ihres langen, dunklen Haares mit der violetten Schleife; sie trug manchmal auch eine violette Schleife am linken Hand- und Fussgelenk. Florin musste ihr vor der Hochzeit kein Schielauge operieren lassen, auch mussten keine faulen Zähne durch falsche ersetzt werden. Aber sie litt an Alpträumen und erzählte Florin, nachdem sie Zutrauen gefasst hatte, wie entsetzlich es sei, nach jedem Alptraum das Aufwachen nur zu träumen; nach mehreren Alpträumen hintereinander und dem dazwischen geträumten Erwachen in eine fremde Welt könne sie jeweils endlich schreien und wirklich erwachen.

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