Cavelty Gion Mathias

Gion Mathias Cavelty wurde am 4. April 1974 in Chur geboren, wo er auch aufgewachsen ist und die Schulen besucht hat. Nach der Matura studierte Cavelty Italienisch, Rätoromanisch und Englisch in Fribourg und Zürich. Gerade mal 23 Jahre alt war der Bündner, als der renommierte Suhrkamp Verlag auf das Jungtalent aufmerksam wurde und für die Herausgabe seines literarischen Debüts verantwortlich zeichnete. In den folgenden Jahren hat Gion Mathias Cavelty auch Texte für die Bühne geschrieben. Er lebt heute als TV-Autor in Zürich.

Liens
www.nichtleser.com
www.tagesanzeiger.ch/zuerich/bellevue/Ich-waere-gerne-allmaechtig/story/27171397
www.srf.ch/sendungen/hoerspiel/die-andouillette-von-gion-mathias-cavelty

Bibliographie :
  • Quifezit oder Eine Reise im Geigenkoffer. Roman. Frankfurt/M.: Suhrkamp, 1997
  • Ad absurdum oder Eine Reise ins Buchlabyrinth. Roman. Frankfurt/M.: Suhrkamp, 1997
  • Tabula rasa oder Eine Reise ins Reich des Irrsinns. Roman. Frankfurt/M.: Suhrkamp, 1998
  • Das verlorene Wort. Drama. Schauspielhaus Frankfurt, 1998
  • Endlich Nichtleser. Die beste Methode, mit dem Lesen für immer aufzuhören. Roman. Frankfurt/M.: Suhrkamp, 2000
  • Der letzte Fall. Drama. Stadttheater Solothurn, 2000
  • Die letzten Dinge. Basel: Echtzeit Verlag, 2010
  • Nemorino und das Bündel des Narren. Zürich: Salis, 2011

Distinctions :
  • Suhrkamp-Stipendium (1996)
  • Förderpreis Kt.Graubünden (1997)
  • Huckleberry-Finn-Preis, Hessen (1998)

Extrait de °"Quifezit" [S. 34-35]

Unter Führung des Priesters begann ich ein neues Leben. An Quarkauflauf dachte ich nicht einmal mehr, meine Miete bezahlte ich wieder regelmässig und vollständig. Der Priester war äusserst zufrieden mit mir, und als ich eines Morgens in den Spiegel schaute, entdeckte ich über meinem Haupt einen silbrigen Heiligenschein.
„Das ist phantastisch!“ rief der Priester und bekreuzigte sich. „Das müssen wir dem Papst persönlich zeigen! Kommen Sie! Ich weiss, wo er wohnt!“
Wir fuhren zum päpstlichen Schloss und bekamen sofort eine Audienz.
„Das ist aussergewöhnlich, ganz aussergewöhnlich!“ meinte der Papst beeindruckt und musterte meinen Heiligenschein während einer Viertelstunde von vorn und hinten.
„Mit Ihnen hat Gott Besonderes vor!“ sagte er schliesslich und musste schnell auf die Toilette.
„Es lohnt sich eben doch, wenn man keinen Quarkauflauf isst!“ flüsterte der Priester und boxte mich freundschaftlich in die Seite.
Nach ein paar Minuten kehrte der Papst zurück und verkündete: „Ich habe mich entschlossen, Sie mit einer wichtigen kirchlichen Aufgabe zu betrauen. Sie sind ab sofort päpstlicher Pfeifenstopfer.“
Ich zog aus meiner alten Wohnung aus, erhielt ein Zimmer im Estrich des päpstlichen Schlosses zugeteilt und wurde päpstlicher Pfeifenstopfer.
„Stopf mir meine Pfeife!“ befahl mir der Papst jeden Abend nach den Nachrichten, „und geiz nicht mit dem Tabak.“
Ich stopfte, und der Papst war so zufrieden mit mir, dass er mich nach einem halben Jahr zum päpstlichen Korkenzieher ernannte. Zum päpstlichen Zahnstocher hatte es noch nicht ganz gereicht.

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