Bindschedler Ida

Ida Bindschedler wurde am 6. Juli 1854 als Tochter eines Baumwollkaufmanns und einer deutschen Mutter in Zürich geboren. Nach den Schulen liess sie sich an der privaten Töchterschule Tobler in Zürich und an der Berner Fröhlich-Schule zur Lehrerin ausbilden. Sie arbeitete zunächst als Primarlehrerin an der Tobler-Schule, nach einer Zusatzausbildung und einem Frankreich-Aufenthalt stand sie der Schule als Sekundarlehrerin zur Verfügung. Im Alter von 43 Jahren musste Ida Bindschedler wegen einem Herzleiden ihren Beruf aufgeben und zog zu einer Freundin nach Augsburg. Hier begann sie zu schreiben. In Erinnerung an ihre Kinderjahre in Zürich verfasste sie einen zweiteiligen Roman. „Die Turnachkinder im Sommer“ (1906) und „Die Turnachkinder im Winter“ (1909) beschreibt das Alltagsleben einer grossbürgerlichen Zürcher Familie der 1860er Jahre. Die „Turnachkinder“ wurden zu einem riesigen Erfolg und machten Ida Bindschedler neben Johanna Spyri zur beliebtesten Jugendbuchautorin der Schweiz. Mit dem Erzählband „Die Leuenhofer“ konnte sie nicht mehr an den Erfolg ihres Erstlings anknüpfen. Ida Bindschedler starb am 28.6.1919 in Zürich.

Bibliographie :
  • Die Turnachkinder im Sommer. Frauenfeld: Huber&Co., 1906
  • Die Turnachkinder im Winter. Frauenfeld: Huber&Co., 1909
  • Med. Dr. Caroline Farner 1842-1913. Biographie. Zürich: Gebr.Leemann&Co., 1913
  • Die Leuenhofer. Erzählungen für Knaben und Mädchen. Frauenfeld: Huber&Co., 1919

Extrait de "Die Turnachkinder im Sommer" [S. 128]

„Seht ihr, wie gut unsere Jahruhr geht? Das Korn wird gelb, und in acht Tagen haben wir Ferien!“ sagte Marianne an einem Montag auf dem Schulweg.
„Ferien, Hans, Ferien!“ rief Lotti. «Ich freu` mich schrecklich! so freu` ich mich, Marianne – „ und Lotti fasste die Schwester so fest um den Hals, dass Marianne kaum mehr atmen konnte.
Die Turnachkinder lernten gut in der Schule und hatten Lehrer und Lehrerin gern. Manchmal stritten sie sogar: Hans meinte, sein Herr Altschmid wisse und mache alles am besten, während Marianne Fräulein Heller lobte und Lotti behauptete, ihre Lehrerin sei die allernetteste.
„Gestern“, erzählte Lotti, „ in der zweiten Stunde hab` ich auf einmal lachen müssen. Das ist schrecklich! Man weiss gar nicht warum, und muss immer weiter lachen! Hihihi! immer weiter, wenn man gar nicht will! Also dann wurde Fräulein Matthias zuerst ein wenig böse und sagte streng: „Lotti Turnach, kannst du nicht aufhören zu lachen?“ „Nein, Fräulein Matthias“, hab` ich gesagt, „ich will schon immer; aber ich kann nicht!“ Da hat Fräulein Matthias auch ein wenig lachen müssen, nur so in einer Ecke vom Mund, aber man hat`s doch gesehen, und hat gesagt: „ Also, nun darf Lotti Turnach lachen, bis sie zu Ende ist!“ Da sahen mich alle Kinder an und lachten auch. „So“, sagte dann Fräulein Matthias, „nun bist du, glaub ich, fertig! nun geh schnell an die Wandtafel und schreib den folgenden Satz: Der Wald ist grün.“ Da musst` ich auf einmal gar nicht mehr lachen, sondern immer denken, ob Wald ein t hat oder ein d.“
„Natürlich hast du ein t gemacht!“ neckte Hans.
„Nein, eben nicht! Gar keine Fehler hab ich gemacht. Fräulein Matthias hat gesagt: „Gut, Lotti Turnach! siehst du, du bist ja ein ganz vernünftiges Kind; manchmal würde man es zwar fast nicht glauben“ und hat mich freundlich angesehen. Da hab ich fleissig weiter geschrieben in meinem Heft, bis die Stunde aus gewesen ist.“

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