Betschart Hansjörg

Hansjörg Betschart wurde am 9.2.1955 in Basel geboren. Noch während seinem Studium an der Schauspielakademie in Zürich gründete er das Basler Jugendtheater. Nach dem Abschluss seiner Ausbildung war er vier Jahre als Leiter desselben tätig. Betschart lebte und arbeitete sieben Jahre in Schweden, wo er als Regisseur wirkte. Es folgten Inszenierungen an Theatern in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Heute inszeniert er hauptsächlich Ur- und Erstaufführungen an Theatern im ganzen deutschsprachigen Raum. Zudem übersetzt Betschart verschiedene schwedischen Autoren ins Deutsche und ist als Kinderbuchautor geschätzt. Er wohnt in Berlin und Fougerolles (Frankreich).

Bibliographie :
  • Rock wie Hose, Basler Jugendtheater. Basel, 1984
  • Eine Geschichte für Vier Jahreszeiten (Uraufführung am Opernhaus Zürich)
  • Frankensteins Kind (Uraufführung in Frankfurt)
  • Soheila oder Ein Himmel aus Glas. Kinderroman. Zürich: Nagel & Kimche, 1993
  • Julies Garne (Uraufführung am Schauspielhaus Zürich, 1999)
  • X = Liebe oder Ewig währt am längsten. Jugendroman. Zürich: Nagel & Kimche, 1999
  • Unruh. Roman. Zürich: Nagel & Kimche, 2002

Distinctions :
  • Autoren-Förderpreis Baden-Württemberg (1984)
  • „Luchs“ der Zeitung „Die Zeit“ (1987)
  • Auswahlliste zum Schweizer Jugendbuchpreis (1994)
  • „Special Mention“ in „The White Ravens“ hrsg. Internationale Jugendbibliothek München (1994)
  • Aufnahme in die „Liste empfehlenswerter Bücher“ des österreichischen Bildungsministeriums für Unterricht und Kunst (1994)
  • Auswahlliste des Schweizer Jugendliteraturpreises (2000)
  • Empfehlungsliste des Hans-im-Glück-Preises (2000)
  • Werkbeitrag Basel-Stadt (2001)
  • Werkbeitrag Basel-Land (2001)
  • Werkbeitrag Künstlerhaus Cismar (2001)

Extrait de "Unruh" [S. 24-25]

Auf den Findling übt das stete Ticken der Stehuhr eine geradezu magische Wirkung aus. Gebannt lauscht der Junge jedem Einschlagen des Pendels, jedem Nachrucken eines Zahnrädchens, dem Einhaken von Sprungfedern, dem Abschnellen von Stundenwellen, er zählt mit, berechnet Verhältnisse, extrapoliert Entwicklungen und murmelt und rechnet und zählt unablässig alles zusammen und übersetzt es in Formeln und scheint kein Ende seines Vergnügens zu finden. Er versinkt in den Takt der Sekunden, als hinge er an der Mutterbrust.
Hat der kleine Junge vor Auftauchen der Uhr kaum seinen ersten Schritt gewagt, springt er schon Tage später in der Stube umher. Er zählt seine Schritte, addiert Ellen und subtrahiert die gerannten Distanzen von den im Gehen zurückgelegten. Man findet im Umkreis keinen glücklicheren Jungen als ihn. Keinen hört man häufiger lachen. Eins aber bleibt merkwürdig: Bei all seinem Entzücken ist sein Gesicht verledert, es huscht nie ein Lächeln darüber, und selbst wenn er hörbar lacht, bleibt der verdriessliche Ausdruck in seiner Miene und erinnert zunehmend an die Lötschentaler Maske, die der Gurnel Edi von seiner Wanderung nach Italien heimgebracht hat.

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