Beeler Jürg

Jürg Beeler wurde am 9. Juni 1957 in Zürich geboren. Er studierte Germanistik, Komparatistik und Literaturkritik an den Universitäten Genf, Zürich und Tübingen. Nach seinem Abschluss 1984 arbeitete er im Teilamt als Mittelschullehrer und war als Rezensent, sowie als Reise- und Kulturjournalist tätig. Längere Auslandaufenthalte folgten. Beeler lebt heute als freier Schriftsteller in Zürich.

Bibliographie :
  • Tag, Steinfaust, Maulschelle, Tag. Gedichte. Zürich: Ammann, 1986
  • Blues für Nichtschwimmer. Innsbruck: Haymon, 1996
  • Das Alphabet der Wolken. Innsbruck: Haymon, 1998
  • Die Liebe, sagte Stradivari. Innsbruck: Haymon, 2002
  • Das Gewicht einer Nacht. Roman. Innsbruck: Haymon, 2004
  • Solo für eine Kellnerin. Innsbruck: Haymon, 2008
  • Der Mann, der Balzacs Romane schrieb. Roman. Zürich: Dörlemann, 2014

Distinctions :
  • Erwin-Jaeckle-Preis der Goethe-Stiftung in Basel (1987)
  • Werkjahr des Solothurnischen Kuratoriums für Kulturförderung (1987)
  • Werkjahr der Pro Helvetia (1989)
  • Werkjahr der Stadt Zürich (1993)
  • 1.Förderungspreis beim Lyrikpreis Meran (1994)
  • Literaturpreis des Kantons Solothurn (1997)
  • Werkjahr Kanton Zürich (1999)
  • Werkjahr Pro Helvetia (2000)
  • Werkpreis der Schweizerischen Schillerstiftung (2002)
  • Werkbeitrag Kanton Zürich (2008)
  • Werkbeitrag Pro Helvetia (2011)

Extrait de "Das Alphabet der Wolken" [ S.7]

Etwas zu lange, schien ihm, prüfte der Zollbeamte seinen Pass. War es verboten, auf einem Foto unfreundlich dreinzuschauen? Niemand, mein Herr, hat Ihnen befohlen, dieses Foto zu betrachten! Was wollen Sie eigentlich? Beweisen, dass diese Person auf dem Foto nicht der Kameralinse, sondern Ihnen höchstpersönlich die Zunge rausstreckt? Das wäre ja die Höhe, wenn ich vor der Kamera ausgerechnet an eine Niete wie Sie denken würde, wegen einer Hundeseele wie Ihnen lass ich mich zuletzt ablichten, das lassen Sie sich gesagt sein! Na, protestieren Sie ruhig, Sie professioneller Schnüffler, Sie Beamtenhose, Sie können mich anbrüllen, das hilft gar nichts, der Kerl auf dem Foto nimmt seine Zunge nicht rein, er ignoriert Ihren Protest einfach. Was, anzeigen wollen Sie ihn? Oder etwa mich? Nein, ich helfe Ihnen nicht aus der Patsche, ich habe nie den Drang der Gesichtslosen verspürt, dem Geheimnis meiner Identität auf die Spur zu kommen, ich verrate Ihnen nicht, wer von uns beiden wem die Zunge rausstreckt ...

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