Altwegg Jürg

Jürg Altwegg wurde am 27.3.1951 in Zürich geboren. Er studierte Romanistik, Germanistik und Geschichte in Zürich und Genf und war anschliessend als Journalist und Redaktor tätig. Viele Jahre schrieb Altwegg für Schweizer Zeitungen, das „Hamburger Wochenblatt“ und die „Zeit“. Seit 1986 ist er Kulturkorrespondent für die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ mit Schwerpunkt Frankreich und Schweiz. Mit intellektuellen Reportagen in Buchform verbindet er die journalistische und schriftstellerische Arbeit. Im Herbst 2002 erschien sein erster Roman. Jürg Altwegg lebt als permanenter Grenzgänger zwischen französischer und deutscher Welt in Chêne-Bourg (bei Genf).

Bibliographie :
  • Tod eines Philosophen. Bern: Benteli, 1981
  • Leben und Schreiben im Welschland. Porträts, Gespräche und Essays aus der französischen Schweiz. Zürich: Ammann, 1983
  • Die Republik des Geistes. Frankreichs Intellektuelle zwischen Revolution und Reaktion. München: R.Piper, 1986
  • Die langen Schatten von Vichy. Frankreich, Deutschland und die Rückkehr des Verdrängten. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 1998
  • Geisterzug in den Tod. Ein unbekanntes Kapitel der deutsch-französischen Geschichte 1944. München: C.Hanser, 2001
  • Ach du liebe Schweiz. Essay zur Lage der Nation. Zürich: Nagel & Kimche, 2002
  • Kuhschweizer und Sauschwaben. Mit Roger de Weck. Zürich: Nagel & Kimche, 2003
  • Sind die Schweizer die besseren Deutschen? Zürich: Nagel & Kimche, 2010

Distinctions :
  • Auszeichnung des Kantons Zürich (1982)
  • Medaille des Deutsch-Französischen Journalistenpreises (1984)
  • Preis der Jubiläumsstiftung der Schweizerischen Bankgesellschaft (1994)

Extrait de "Maurice Chappaz – Leben und Schreiben im Savro-Kanton in Leben und Schreiben im Welschland" [S. 24]

Als Maurice Chappaz am 21. Dezember 1916 – «während der Wintersonnenwende, in der fatalen Mitte der stillen Tage, während derer, wie man sagt, die Seeschwalbe ihr Nest baut » - nach einer schwierigen Geburt mit den Füssen voraus zur Welt kam, war das Wallis, wo das Mittelalter nach einem geflügelten Wort Maurice Zermattens bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs gedauert hatte, allem Anschein nach noch heil. Es lächelte der saubere See, er ladete zum ungefährlichen Bade, und die Luft war rein und gut. Kein industrieller Abfall verunreinigte die grünen Gestade und Auen, kein Quecksilber trübte die klaren Wasser der Bäche und Flüsse, in welche die Bauern weder subventionierte Aprikosen noch preisbrechende Tomaten warfen. Unbedroht von Fluor und produktionssteigernder Chemie gedieh – Lohn harter Arbeit – die reiche Vegetation der fruchtbaren Matten und Weiden. Zu Fuss fuhren die patriotischen Sennen zu Berg – kein Hotel, keine Bergbahn verunstaltete die tourismusbefreiten Gipfel. Der Wein, den die Rebstöcke der sonnenüberfluteten Abhänge und Ebenen abwarfen, war rein und edel wie quellfrisches Weihwasser. Das unwirtliche Bergland war arm und seine Bewohner frei – frei, religiös und leicht inzestgeschädigt.

précédent