Alioth Gabrielle

Gabrielle Alioth wurde am 21.4.1955 in Basel geboren. Sie studierte Wirtschaftswissenschaften in Basel und Kunst, Philosophie und Politologie in Salzburg. Ab 1979 war sie wissenschaftliche Mitarbeiterin bei einem Marktforschungsinstitut. Daneben war sie Assistentin für Operations Research an der Universität Basel. 1984 übersiedelte sie nach Julianstown (Irland). Sie ist mit dem Mediävisten Martin Alioth verheiratet. Die Autorin arbeitet als freie Übersetzerin. Sie ist auch journalistisch tätig und schreibt für diverse deutsche Zeitungen, sowie zahlreiche Rundfunk- und Fernsehstationen. Im Herbst 1997 war Alioth Swiss writer-in-residence an der Universitiy of Southern California (Los Angeles) und der California State University (Long Beach). Erste Schreibversuche startete sie anlässlich längerer Aufenthalte in Salzburg 1982/83. Im Jahre 1988 veröffentlichte Alioth Kurzgeschichten, bevor ihr dann mit dem Roman " Der Narr" (1990) der Durchbruch gelang. Das mit dem Preis des Literaturhauses Hamburg versehene Werk erlangte zusätzliche Publizität durch wiederholte Ausstrahlungen als Hörspiel. Wie schon in ihrem ersten Roman greift Alioth auch in ihrem zweiten Buch "Wie ein kostbarer Stein" (1994) einen mittelalterlichen Stoff auf. Im Strassburger Stadtarchiv ist die Autorin auf ein Bündel aneinandergenähter Papiere gestossen: Aussagen, die Frauen des Klosters auf der Werde 1413 vor dem Rat der Stadt machten. Die protokollierten Ereignisse durften nicht zur Kenntnis genommen werden und bilden den Ausgangspunkt der Recherche. Die Geschichte einer moralischen Zwangslage, die Alioth erzählt, ist zeitlos.

Liens
www.gabriellealioth.com

Bibliographie :
  • Der Narr. Zürich / Frauenfeld: Nagel & Kimche, 1990
  • Wie ein kostbarer Stein. Zürich / Frauenfeld: Nagel & Kimche, 1994
  • Post-babylonische Versprechen. Essay. in: Exil ohne Ende. hrsg. von Uwe Westphal / Fritz Beer. Gerlingen: Bleicher, 1994
  • Von Zahncrème und Glashäusern. Essay. in: Literaturkritik und erzählerische Praxis. hrsg. von Herbert Hagmann. Tübingen: Stauffenburg, 1995
  • Die Arche der Frauen. Zürich / Frauenfeld: Nagel & Kimche, 1996
  • Bilder einer Stadt. Literarischer Essay. in: Basler Stadtbuch 1995. Basel: Christoph Merian, 1996
  • Die stumme Reiterin. Zürich / Frauenfeld: Nagel & Kimche, 1998
  • Das magische Licht. Zürich: Nagel & Kimche, 2001
  • Im Tal der Schatten. Zürich: Nagel & Kimche, 2002
  • Irland. Eine Reise durchs Land der Regenbogen. Reisebuch. Mit Rezepten und Fotos von Lisa Stark. München: Sanssouci, 2003
  • Die Erfindung von Liebe und Tod. Zürich: Nagel & Kimche, 2003
  • Ach wie gut, dass niemand weiss... Ein Schweizer Lese- und Vorlesebuch. Zürich: Nagel&Kimche, 2004
  • Der prüfende Blick. Zürich: Nagel & Kimche, 2007
  • Die Braut aus Byzanz. Zürich: Nagel & Kimche, 2008
  • Die griechische Kaiserin. Zürich: Nagel & Kimche, 2011
  • Ausgewandert. Schweizer Auswanderer aus 7 Jahrhunderten. Lenzburg: FARO Verlag, 2014
  • Die entwendete Handschrift. Roman. Basel: Lenos, 2016
  • Die Frau aus Theben. Zürich: SJW, 2016

Distinctions :
  • Hamburger Literaturpreis "Der erste Roman" für "Der Narr" (1990)
  • Auszeichnung:"Die Arche der Frauen" als Buch der Woche vom Süddeutschen Rundfunk (1996)
  • Werkbeitrag Pro Helvetia (2011)

Extrait de "Die Arche der Frauen" [S. 31-33]

Nach und nach lernten wir, die Spuren zu lesen. Sie hatten versucht, die Fruchtbarkeit des Tales zu nutzen. Wir entdeckten die Beerensträucher, Triebe von Pflaumenbäumen, die umgestürzten Apfelbäume hinter der Scheune und eine verwilderte Weissdornhecke. Überall fanden wir abgesägte Stämme. Im Sommer mussten die Kronen ihrer Bäume das Tal überflutet haben. Damals hatte das Haus wie ein Boot am Rande der Wogen gelegen. Es hatte ihnen nur als Obdach gedient, während sie das Wachstum an den Hängen zu zähmen versuchten.
Wir überlegten uns, wie alt der Buchs war, wieviel Zeit ein Lorbeer braucht, um so hoch zu werden, wie viele Blätter eine Palme pro Jahr verliert. Und wie lange dauert es, bis alles unter Abfall und Unkraut verschwindet?
Während ich die Hecken in ihre alten Formen schnitt und Alexander Kies auf die Wege streute, glaubten wir, dem Vergangenen näherzukommen, und vielleicht kam damit die Scheu. Denn zuerst war es noch keine Furcht.
Ich erinnere mich an eine Nacht im ersten Winter. Alexander war fort, für ein paar Tage nur, um in der Heimatstadt über die neuesten Ergebnisse seiner Untersuchung zu sprechen, und ich war allein. Vor dem Schlafengehen trat ich noch einmal hinaus. Der Mond schien auf die Hänge, und ich folgte den blauen Umrissen der Büsche zum Bach hinunter. Eine silberne Brücke spannte sich über ihn. Im Hof vor der Scheune blieb ich stehen. Das Tal war mir vertraut, obwohl ich es noch nie in diesem Licht gesehen hatte. Ich betrachtete seine Schatten ohne Furcht, und ich war ein Teil von ihnen, als wäre ich in einem Traum an einen bekannten Ort zurückgekehrt.

précédent