Acklin Jürg

Jürg Acklin wurde am 20.2.1945 in Zürich geboren und ist in Küsnacht aufgewachsen. Nach dem Studium der Psychologie, Germanistik, Philosophie und der Sozialwissenschaften an der Universität seiner Geburtsstadt, promovierte er mit einer sozialkritischen Arbeit über den Frühsozialisten Wilhelm Weitling. Während seiner Tätigkeit als Lehrer führte er zusammen mit einem Kollegen einen Schulversuch durch, der von den Erziehungsbehörden angegriffen und in der Presse heftig diskutiert wurde. Anschließend leitete Acklin eine Alternativschule, an der er auch unterrichtete. Drei Jahre lang war er Redakteur beim Schweizer Fernsehen tätig und ließ sich daneben zum Psychoanalytiker ausbilden. Heute führt er eine eigene Praxis.Vom Januar bis zum August 1999 leitete der Autor den "Literaturclub" auf SF DRS. Jürg Acklin begann schon mit 16 Jahren zu schreiben. Eine erste Gedichtsammlung erschien 1967, der erste Roman 1969. Für den 1972 veröffentlichten Roman "alias" wurde ihm der Bremer Literaturpreis und der Conrad-Ferdinand-Meyer-Preis zugesprochen. Zu seinen bekanntesten und erfolgreichsten Büchern zählen die Romane "Der Känguruhmann" (1992), "Das Tangopaar" (1994) und "Froschgesang" (1996).

Bibliographie :
  • Der einsame Träumer. Gedichte. Zürich: Regenbogen, 1967
  • Michael Häuptli. Der Traum eines jungen Menschen. Zürich: Flamberg, 1969
  • alias. Ein Text. Zürich: Flamberg, 1971
  • Das Überhandnehmen. Ein Text. Zürich: Flamberg, 1973
  • Der Aufstieg des Fesselballons. München: Steinhausen, 1980
  • Der Känguruhmann. Zürich / Frauenfeld: Nagel & Kimche, 1992
  • Das Tangopaar. Zürich / Frauenfeld: Nagel & Kimche, 1994
  • Froschgesang. Zürich / Frauenfeld: Nagel & Kimche, 1996
  • Der Vater. Zürich / Frauenfeld: Nagel & Kimche, 1998
  • Defekt. Zürich / Frauenfeld: Nagel & Kimche, 2002
  • Vertrauen ist gut. Zürich: Nagel & Kimche, 2009

Distinctions :
  • Conrad-Ferdinand-Meyer-Preis (1971)
  • Bremer Literaturpreis (1972)
  • Werkjahr der Stiftung Pro Helvetia
  • Buchpreis der Stadt Zürich für "Froschgesang" (1996)
  • Zolliker Kunstpreis (2005)

Extrait de "Froschgesang" [S. 5-6]

Sein ganzes Leben lang hatte Paul Waser das Schlimmste befürchtet, hatte Paul Waser alles getan, dem Schlimmsten zu entgehen, hatte er den grössten Teil seines Lebens, den grössten Teil seiner Energie darauf verwendet, das Schlimmste in Schach zu halten oder ihm wenigstens im letzten Augenblick, in der letzten Verzweiflung gerade noch zu entwischen, und nun war das Schlimmste eingetroffen. Eingeschlossen, mit seiner Frau Anna, ohnmächtig gefangen in einem Blechsarg, in einem Chrysler Crown Imperial, Modell 1946, den er eigenhändig, in monatelanger Arbeit, wieder fahrtüchtig gemacht hatte, wartend auf den Untergang, schwimmend im nächtlich schwarzen bodenlosen Wasser des Vierwaldstättersees, unweit der Stelle, wo auch Königin Astrid von Belgien 1935 den Tod in den Fluten gefunden hatte, ein trauriges Schicksal, ein warnendes Beispiel: Immer wenn er mit seinen Eltern dort oder sonstwo in den Bergen auf einer kurvenreichen Strasse fuhr, hatte die Mutter mit unheilvoller Stimme bemerkt, wie gefährlich diese Strecke sei, wie leicht der Wagen das Geländer durchschlagen, über die Böschung in den See stürzen und dort sang- und klanglos untergehen könne.

précédent