Zimmermann Johann Georg

Johann Georg Zimmermann wurde am 8. Dezember 1728 in Brugg (Kt.Aargau) geboren. In Göttingen studierte er Medizin bei Albrecht von Haller. Mit seiner Dissertation von 1751 über die Reizbarkeit von Muskel- und Nervenfasern festigte er den guten Ruf, den er sich während seiner Studienzeit erarbeitet hatte. Doch bereits in dieser erfolgreichen Zeit wurde Zimmermann von hypochondrischen Anwandlungen geplagt. Er reiste nach Holland und Frankreich, ehe er als Stadtarzt von Brugg praktizierte. In dieser Zeit schrieb er als Selbsttherapie einer tiefen Melancholie sein populärphilosophisches Hauptwerk „Über die Einsamkeit“ (1756), welches er in den Jahren 1784-1786 noch erweitern sollte. Zimmermann stellt darin die Einsamkeit als einen Ort der reflexiven und emotionalen Bewährung des aufgeklärten Menschen dar. 1758 erschien Zimmermanns Abhandlung „Vom Nationalstolz“, welche wie das Werk zuvor, zu grosser Bekanntheit in Deutschland gelangte und in fast jede europäische Sprache übersetzt wurde. „Von der Erfahrung in der Arzneykunst“ wurde ebenfalls in der Brugger Zeit geschrieben und erschien 1764. Auch dieses Werk erreichte eine breite Leserschaft. Johann Georg Zimmermann verkehrte mit den Geistesgrössen seiner Zeit. Lavater, Wieland, Gessner, Bodmer und Goethe waren seine Gesprächs- und Briefpartner und schätzten seine Arbeit. 1768 wurde Zimmermann als königlicher Leibarzt mit dem Titel eines Hofrats nach Hannover gerufen, hatte aber Schwierigkeiten sich an die neue Lebenssituation anzupassen. Der Höhepunkt in Zimmermanns medizinischer Laufbahn war dann der Ruf ans Krankenbett Friedrichs des Grossen nach Potsdam. Nach dem Tod des Monarchen verarbeitete Zimmermann die Ereignisse in literarischer Form. Am Ende seines Lebens wurde der Gelehrte von schweren Psychosen, vor allem Revolutionsphobien, gequält. Johann Georg Zimmermann starb am 7. Oktober 1795 in Hannover.

Links
de.wikisource.org/wiki/ADB:Zimmermann,_Johann_Georg_(Mediziner)
openlibrary.org/books/OL23307423M/Johann_Georg_Zimmermann

Werke:
  • Dissertatio physiologica de irritabilitate. 1751
  • Die Zerstörung von Lissabon. 1756
  • Über die Einsamkeit. 1756
  • Von dem Nationalstolze. 1758
  • Von der Erfahrung in der Arzneykunst. 1763
  • Über die Einsamkeit. Erweiterte Version. 1784-85
  • Über Friedrich den Grossen und meine Unterredung mit ihm kurz vor seinem Tode. 1788
  • Fragmente über Friedrich den Grossen. 1790

Textausschnitt aus "Kein Zurück für Sophie W." [S. 213]

Sophie dachte an ihr erlerntes Handwerk. Damit hätte sich an der Jackson Street etwas machen lassen. Aber ihre Nähmaschine stand zu Hause. Oder nicht mehr. Was ihr von zu Hause übrig blieb, war der Niesen, das Stockhorn, der Thunersee...
Sie bekam Arbeit bei Hoeffler, wieder an der Water Street, aber bessere als in der Wäscherei. Bei Hoeffler wurden in einem grossen, elektrisch beleuchteten Saal Music Boxes und Music Machines hergestellt. Sophie arbeitete mit winzigen Schraubenziehern zehn Stunden täglich von Montag bis Samstag an kleinen Musikdosen und horchte auf, wenn zur Probe aus einer der Music Machines ein Walzer erklang.
Morgens ging sie weg, wenn Walder heimkam, abends war es umgekehrt. Ohne die Nacht von Samstag auf Sonntag hätten sie gar kein Doppelbett nötig gehabt. Olga blieb tagsüber allein im Haus. Charly, ihr Mann, der bei seiner Firma rasch aufstieg, verbot ihr, arbeiten zu gehen. Kam er aus irgendeinem Grund erst nachts heim, verbrachten die beiden Frauen den Abend zusammen. Auch sonntags gingen sie miteinander zum Gottesdienst. Dem jungen Klossner bedeutete er nichts, und Walder schlief bis am Mittag.
Sophie aber hatte die Kirche gefehlt. In eine polnische, erzkatholische wäre sie nie gegangen. Hier bei den Deutschen erinnerten wenigstens die Lieder an daheim, obschon sie aufs Mitsingen verzichten musste; ihre Stimme wurde immer von Tränen erstickt.

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