Zeindler Peter

Peter Zeindler wurde am 18.2.1934 in Zürich geboren. Nach dem Lehrerseminar studierte er Germanistik und Kunstgeschichte in Zürich. Nach seiner Tätigkeit als Gymnasiallehrer war Zeindler mehrere Jahre Dozent für Deutsche Sprache an Goethe-Instituten und Redakteur beim Schweizer Radio. Seit 1974 ist Zeindler freier Schriftsteller und Journalist in seiner Geburtsstadt. Zeindler veröffentlichte neben Hörspielen und Theaterstücken Kurzgeschichten und mehrere Kriminalromane. 1982 erschien sein erster Polit-Thriller "Tarock", 1984 folgten "Die Ringe des Saturns", 1985 "Der Zirkel" und 1992 "Das Sargbukett". Zeindlers Krimis sind nicht nur besonders spannende und kluge Exemplare seiner Gattung - sie haben zudem literarische Qualitäten. Mit dem 1995 erschienen Roman "Ausgetrieben", worin die Midlife-crisis eines "ganz durchschnittlichen" Mannes erzählt wird, verlässt Zeindler vorübergehend das Genre des Agentenromans, zu dem er aber schon mit seinem nächsten Werk wieder zurückkehrt.

Links
www.dominiklandwehr.net/weblog/archives/000256.html
www.beobachter.ch/unterhaltung/artikel/kochen-mit-peter-zeindler_verdaechtige-rueebli-in-der-pfanne/

Werke:
  • Tarock. München: Knaur, 1982
  • Die Ringe des Saturns. München: Knaur, 1984
  • Der Zirkel. Zürich: Benziger, 1985
  • Widerspiel. Wien: P. Zsolnay, 1987
  • Der Schattenagent. Wien: P. Zsolnay, 1989
  • Die Feuerprobe. Zürich: Arche, 1991
  • Das Sargbukett oder Sophies erster Fall. Kriminalroman. Zürich: Arche, 1992
  • Der Schläfer. Agentenroman. Zürich: Arche, 1993
  • Mord im Zug. Böse Geschichten. Zürich: Arche, 1994
  • Ausgetrieben. Zürich : Arche, 1995
  • Salon mit Seerosen. Kriminalroman. Zürich: Arche, 1996
  • Aus Privatbesitz. Zürich: Arche, 1998
  • Abgepfiffen. Best of Foul Play. Reinbek: Rowohlt, 1998
  • Abschied in Casablanca. Sembritzki auf Mission in Marokko. Zürich: Arche, 2000
  • Das Lächeln des andern. Zürich: Arche, 2002
  • Das unheimliche Auge. Kinderkrimi. Zürich: Nagel&Kimche, 2003
  • Toter Strand. Roman. Zürich: Arche, 2004
  • Der Schreibtisch am Fenster. Zürich: Arche, 2006
  • Der Mauersegler. Zürich: Arche, 2007
  • Urknall. Basel: Reinhardt, 2011
  • Noahs Erben. Roman. Basel: Friedrich Reinhardt, 2012
  • Die Ringe des Saturn. Der Zirkel. Basel: Reinhardt, 2013

Auszeichnungen:
  • Ehrengabe des Kantons Zürich (1984)
  • Deutscher Krimipreis (1986 / 1988 / 1990 / 1992)
  • Preis der Schweizerischen Schillerstiftung (1987)
  • Werkauftrag Kuratorium des Kantons Aargau (1987)
  • Werkauftrag Pro Helvetia (1989)
  • Werkauftrag des Kantons Zürich (1991)
  • Ehrengabe der Stadt Zürich (1995)
  • Ehrenglauser für das literarische Gesamtwerk (1996)
  • Werkbeitrag des Kantons Zürich (2000)

Textausschnitt aus "Die Feuerprobe" [S. 207-208]

Es dauerte mehr als eine Stunde, bis mir der Mann einigermassen fremd war, den ich im Spiegel betrachtete. Er hatte kurzgeschorenes hellblondes Haar, hellblonde Augenbrauen, und die Stoppeln an seinem Kinn glitzerten ebenfalls hell im Licht.Es würde eine Weile dauern, bis die Ansätze zu einem Bart zu sehen sein würden.
Allein die Augen waren dieselben geblieben. Sie blickten mich misstrauisch an, und nur der erfolgreiche Versuch, den durchhängenden Augenbrauenbogen, durch eine kosmetische Korrektur nach oben zu zwingen, milderte den Eindruck von Skepsis, von kaschierter Aggression, die diesen Blick sonst kennzeichnete.
Ich ging langsam und tastend durch das Häuschen, als ob ich mich an den neuen Körper gewöhnen müsste. Ich änderte meinen Gang, benutzte kurze Schritte, den Blick geradeaus, nicht gebeugt, die Augen auf dem Boden, wie sonst. Ich tastete mich an einen anderen Mann heran, wollte eine Erinnerung an ihn mit in den Schlaf nehmen und am Morgen als der andere aufwachen. Der Schlaf als Übergang.
Aber man kann beim Ablegen seines Körpers seinen Geist nicht aufgeben, dachte ich. Ich will Brenner sterben lassen. Endgültig sterben lassen! Der Grabstein hatte nicht genügt.Und nicht das Foto mit seinem Gesicht. Und nicht die Tatsache, dass ich mit seiner Witwe geschlafen hatte. Ich hatte mich getäuscht. Ich hatte geglaubt, dass ich in dem Augenblick, in dem ich vom Tod meines Doppelgängers erfuhr, als ich sein Grab sah, nicht mehr daran zweifeln würde, allein überlebt zu haben. Aber Brenner lebte in mir weiter. Er war ein Teil von mir geworden. Und überleben konnte ich jetzt nur, wenn ich mich mit ihm arrangierte und mein Gesicht opferte, ein neues überstülpte, hinter dem ich mich verbergen konnte. Brenners blauweissgestreifter Schlafanzug lag fein säuberlich zusammengefaltet unter dem rechten Kissen der Doppelcouch in der Ecke, die so viel Platz einnahm, dass man kaum noch das Fenster öffnen konnte.
Ich hatte die Wahl zwischen Heikes Bett und dem Bett meines Legendenspenders. Ich entschied mich für sein Bett, lag anfangs flach auf dem Rücken, verkrampft. Und obwohl das Leintuch frisch gewaschen war, hatte ich das Gefühl, als ob sich Brenners Umrisse in die Matratze eingegraben hätten. Es war drei Uhr vorbei, als ich endlich einschlief.

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