Yesilöz Yusuf

Yusuf Yesilöz wurde am 20. Mai 1964 in einem kurdischen Dorf in Mittelanatolien (Türkei) geboren. 1987 kam er als Flüchtling in die Schweiz. Er führte eine Buchhandlung für kurdische Literatur und gründete den Verlag ArArat, in dem er kurdische Literatur auf Deutsch veröffentlicht. Yesilöz arbeitet zudem als Übersetzer und schreibt neben seinen Büchern Kolumnen im „züritipp“. Der Autor ist verheiratet. Er lebt und arbeitet in Winterthur.

Links
www.yesiloz.ch
www.drs.ch/www/de/drs/sendungen/reflexe/2741.sh10025567.html
www.limmatverlag.ch/yesiloez/yesiloez.filme.htm

Werke:
  • Reise in die Abenddämmerung. Erzählung. Zürich: Rotpunktverlag, 1998
  • Vor Metris steht ein hoher Ahorn. Hafteindrücke eines politisch Gefangenen aus der Türkei. Münster: Unrast, 1998
  • Steppenrutenpflanzen. Eine kurdische Kindheit. Novelle. Zürich: Rotpunktverlag, 2000
  • Der Gast aus dem Ofenrohr, Roman. Zürich: Rotpunktverlag, 2002
  • Hungern gegen Wände. Dokumentarfilm. Solothurner Filmtage, 2004
  • Lied aus der Ferne. Zürich: Limmat, 2007
  • Gegen die Flut. Zürich: Limmat, 2008
  • Hochzeitsflug. Zürich: Limmat, 2011

Auszeichnungen:
  • Prix Littéraire Lipp, Zürich (für seine französische Übersetzung von „Reise in die Abenddämmerung“) (2001)

Textausschnitt aus "Reise in die Abenddämmerung" [S. 95-96]

Die Schafherden, die die kühler gewordenen Nächte nicht mehr auf der Weide verbrachten, näherten sich dem Dorf. Die Glocken der Schafe übertönten die Stimmen der Hirtenflöten. Aus den Kaminen der Häuser stieg Rauch auf. Die einzige Kuhherde des Dorfes war bereits zurückgekommen, und jede Kuh kehrte in ihren Stall zurück. Die Frauen setzten die Töpfe für das Abendessen auf den Ofen und gingen zu den Ställen, um die Kühe zu melken. Die Sonne der kürzeren Tage näherte sich dem Horizont. Von Osten wehte ein milder Wind. Der Rauch aus den Kaminen breitete sich aus und bildete über jedem Haus eine graue Wolke, die auf einen stärkeren Wind wartete, um wegzuziehen.
Die Sonne wurde dunkelrot und verschwand langsam hinter einem Berg. Im Dorf war ausser den Glocken der zurückkehrenden Herden nicht mehr viel zu hören. Auch die Vögel waren still geworden.
Nach dem Abendessen machten sich die Männer auf den Weg zum Nachbarhaus, in dem sie sich verabredet hatten. Der Gastgeber erwartete sie bereits. Ein Teekrug stand auf dem Ofen, und das Wasser kochte brodelnd. Der Hausherr reichte seine Tabakbüchse dem Ältesten, und dieser gab sie, nachdem er sich seine Zigarette gedreht hatte, dem Mann neben sich weiter. Jeder, der sich eine Zigarette, so dick wie ein Finger, gedreht hatte, reichte die Tabakbüchse dem nächstjüngeren. In Kürze füllte sich das Zimmer mit Rauch. Die Kinder setzten sich neben den knisternden Ofen und lauschten den Gesprächen und Scherzen der Erwachsenen.

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