Wölfli Adolf

Adolf Wölfli wurde am 29.11.1864 als jüngstes von sieben Kindern armer Eltern in Bowil (Kt. Bern) geboren. Der Vater, ein dem Alkohol verfallener Steinhauer, verliess die Familie um 1870. Die Mutter musste zunächst als Wäscherin arbeiten, wurde dann aber krank und folglich armengenössig. 1872 wurde sie mit ihrem Sohn von den Berner Behörden in ihrem Heimatort Schangnau getrennt bei Bauern als Arbeitskräfte untergebracht. Ein Jahr darauf starb die Mutter und Wölfli lebte fortan als Verdingbub unter schweren und entwürdigenden Arbeits- und Lebensbedingungen. Die Schule konnte er nur unregelmässig besuchen, lernte aber lesen und schreiben. In den folgenden Jahren durchlebte Adolf Wölfli eine rastlose Zeit als Knecht und Landarbeiter in den Kantonen Bern und Neuenburg. 1890 wurde Adolf Wölfli wegen versuchter Notzucht an Minderjährigen verhaftet und zu einer zweijährigen Zuchthausstrafe verurteilt. Nach der Entlassung aus der Haft war er sozial isoliert und vereinsamte zusehends. 1895 wurde Wölfli rückfällig und ein zweites Mal verhaftet. Bei der Untersuchung seiner Zurechnungsfähigkeit diagnostiziert man Schizophrenie und stufte ihn als unzurechnungsfähig und gemeingefährlich ein. Logische Folge war die Einweisung in die Irrenanstalt Waldau bei Bern. 1899 fing dort Adolf Wölfli an künstlerisch tätig zu werden. Zuerst waren es Bleistiftskizzen, dann farbige Zeichnungen mit symbolischen Bezügen, die er in grosser Menge fertigte. 1908 kamt das Schreiben von imaginären Texten mit autobiographischen Anklängen dazu. Adolf Wölfli mythologisierte die eigene Biographie nach dem Vorbild der Legendenbücher. Neben Prosa arbeitete er auch mit Sprachspielereien und Lautmalereien und verfasst zahlreiche Gedichte in seiner Mundart. Die Prosatexte wurde von Illustrationen, Gedichten und auch musikalischen Kompositionen durchsetzt. Die Untrennbarkeit von Text, Bild und Musik wurde zum eigentlichen Markenzeichen des riesigen Werkes. Im Zentrum von Wölflis Schaffens stand dabei immer die „Skt. Adolf-Riesen-Schöpfung“, wie er seine Kopfwelt nannte. Ab 1916 begann Adolf Wölfli mit der Produktion seiner bekannten Einblattzeichnungen, die in enger Beziehung zu den Schriften stehen. Er verschenkte oder verkaufte sie einzeln an Ärzte, Angestellte und kunstinteressierte Besucher der Klinik. Gegen Ende seines Lebens nahm der Künstler noch einmal die Hauptmotive seiner „Riesen-Welt-Schöpfung“ auf und stellte sie in komprimierter Form, auf über achttausend Seiten, dar. Adolf Wölfli blieb sein Leben lang in der Waldau und starb dort am 6. November 1930 an Magenkrebs. Heute ist er als bekanntester und erfindungsreichster Vertreter des „Art brut“ bekannt. Er ist das wohl berühmteste Beispiel für einen schöpferischen Schizophrenen. Während den mehr als dreissig Jahren in psychiatrischer Pflege hat Wölfli ein riesiges zeichnerisches, dichterisches und musikalisches Werk geschaffen, dass durch eine enorme Vielfalt zu faszinieren vermag. Es besteht aus dem erzählerischen Werk auf über 25 000 Seiten, sowie gut 3000 Illustrationen und Collagen. Wölflis Schaffen entzieht sich gängigen ästhetischen Kategorien und wurde erst im Laufe der Siebziger Jahre breiten Kreisen bekannt. Erst in jüngerer Zeit wurde auch die Transkription seiner Dichtung abgeschlossen.

Links
www.adolfwoelfli.ch
www.videoportal.sf.tv/video?id=732d85e7-4425-4726-ab5f-3802d3dd2676
www.sikart.ch/KuenstlerInnen.aspx?id=4022971

Werke:
  • Von der Wiege zum Graab. Oder, Durch arbeiten und schwitzen, leiden und Drangsal bettend zum Fluch. Lebensbeschreibung. 1908-12
  • Geograpische und allgebräische Hefet. 1912-16
  • Lieder und Tänze. Compositionen. 1917-22
  • Allbumm-Hefte mit Tänzen und Märschen. 1924-28
  • Trauer-Marsch. Compositionen. 1928-30
  • 0 Grad 0/000. Entbrantt von Liebes, =Flammen. Eine Auswahl der schönsten Gedichte Adolf Wölflis. 1996

Textausschnitt aus "Das Kindlein spricht" in "o Grad o/ooo" [S. 23]

Gebohren dort, im Stalle; Von Gott zu`r
Wellt, gesanntt.
O armer Sünder, walle; Du bist mihr un,=
bekanntt.
Wenn Freud und Leid, verklungen; D`r
Schöpfer Einzug, hält;
Denn Alles ist, gelungen; Ohn` einen Kreuzer,
Gält.

Der Herr am Kreutz spricht.
Eli Eli, lama; Sabacht=hani jah. Das ist ver=
dollmetscht; Mein Gott, mein Gott; ?War=
umm hast Du mich verlassen.

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