Werner Markus

Markus Werner wurde am 27.12.1944 in Eschlikon (Kanton Thurgau) geboren. 1948 zog die Familie nach Thayngen (Kanton Schaffhausen) um. Dort besuchte Werner die Schulen und machte 1965 die Matura. Danach studierte er Germanistik, Philosophie und Psychologie an der Universität Zürich und promovierte 1974. Von 1975 bis 1985 war er Hauptlehrer, von 1985 bis 1990 Lehrbeauftragter am Gymnasium in Schaffhausen. Seit 1990 arbeitete er als freier Autor, lebte in Opfertshofen (Kanton Schaffhausen) und starb am 3. Juli 2016 in Schaffhausen. Die Romanhelden von Markus Werner, der mit vierzig Jahren mit "Zündels Abgang" (1984) debütierte, haben ihrem Beruf den Rücken gekehrt. Aus ihrem Blickwinkel beschreibt Werner lakonisch und mit Humor den Alltag ("Froschnacht" 1985; "Die kalte Schulter" 1989). Dabei entsteht eine Fülle von streng kalkulierten Szenen und Episoden, in denen die Einrichtung der Welt, auf die sich Werners Hauptdarsteller keinen Reim machen können, in überscharfen, bisweilen lachhaften Details zu Tage tritt. Doch auch die menschlichen Unzulänglichkeiten werden in tragikomischen Grundton vorgeführt.

Links
www.zeit.de/2004/39/L-Werner
www.spiegel.de/spiegel/print/d-38627628.html
www.videoportal.sf.tv/video?id=04ff1bcc-6b83-48e1-aaab-fe7c026b7f9e
www.nzz.ch/feuilleton/buecher/komik-und-verzweiflung-1.18451188
www.nzz.ch/feuilleton/buecher/schweizer-schriftsteller-markus-werner-ist-tot-ld.103806
ead.nb.admin.ch/html/werner.html

Werke:
  • Zündels Abgang. Salzburg / Wien: Residenz, 1984
  • Froschnacht. Salzburg / Wien: Residenz, 1985
  • Die kalte Schulter. Salzburg / Wien: Residenz, 1989
  • Bis bald. Salzburg / Wien: Residenz, 1992
  • Festland. Salzburg / Wien: Residenz, 1996
  • Der ägyptische Heinrich. Salzburg: Residenz, 1999
  • Am Hang. Frankfurt/M.: Fischer, 2004

Auszeichnungen:
  • Förderpreis der Jürgen Ponto-Stiftung (1984)
  • Preis der Schweizerischen Schillerstiftung (1984 / 1993)
  • Georg Fischer-Preis der Stadt Schaffhausen (1986)
  • Alemannischer Literaturpreis (1990)
  • Thomas Valentin-Literaturpreis (1993)
  • Bodensee Literaturpreis (1995)
  • Prix littéraire Lipp (1995)
  • Literaturpreis der Jury der SWF-Bestenliste (1997)
  • Hermann-Hesse-Literaturpreis (1999)
  • Joseph-Breitbach-Literaturpreis (2000)
  • Johann-Peter-Hebel-Preis des Landes Baden-Württemberg (2002)
  • Schiller-Preis (2005)
  • Bodensee-Literaturpreis der Stadt Überlingen (2006)
  • Ehrenpreis von Stadt und Kanton Schaffhausen (2008)

Textausschnitt aus "Der ägyptische Heinrich" [S. 153-154]

Es ist wahrscheinlich, dass die sechziger Jahre beruflich und privat die bewegtesten in Heinrichs ägyptischem Leben waren, aber ich habe dieses Jahrzehnt und das Nildelta, wo es gelebt worden ist, in einem einzigen Tag durchquert, und zwar mit eher stumpfen Sinnen, wenn auch nicht ohne Besinnungshalte und Gedenkminuten da und dort. Der Fahrer, den ich in Ismailiya angeheuert hatte und der sich Tiger nannte, war im Bild, dass es um eine bedächtige Sonderfahrt ging und nicht um eine möglichst schleunige Beförderung nach Alexandrien. Die ersten sechzig Kilometer konnte er rasen und tat es, aber in Tell-el-Kebir bat ich um einen kurzen Halt, ohne allerdings das Schlachtfeld zu suchen, auf dem die britischen Besatzungstruppen im September zweiundachtzig die nationale Befreiungsarmee unter Arabi Pascha bezwungen hatten. Das war zwar lange nach Heinrichs Delta-Zeit gewesen, und Heinrich hatte nichts mit der Schlacht bei Tell-el-Kebir zu tun gehabt, aber es war hier kurz zu danken dafür, dass er und seine Angehörigen den blutigen Ereignissen, die sich schon vor der Schlacht abgespielt hatten, nicht zum Opfer gefallen waren. Sie hätten ja, obwohl sie damals schon in Kairo wohnten, per Zufall in Alexandrien sein können, als dort im Juni zuvor einige hundert Europäer von Arabis Anhängern umgebracht wurden oder als die englische Flotte die von Aufständischen wimmelnde Stadt wenig später mit Bomben und Granaten belegte. Von alledem war Heinrich verschont geblieben, sogar von der Personalpolitik der Besatzer, die darin bestand, die Nicht-Engländer im Staatsdienst durch Engländer zu ersetzen. Er aber hat seinen Stuhl im Ministerium für öffentliche Arbeiten nicht räumen müssen bis zu Pensionierung.

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