Supino Franco

Franco Supino wurde am 27. Juli 1965 in Solothurn geboren und wuchs als Kind italienischer Eltern zweisprachig auf. Er schrieb schon in seiner Schulzeit und veröffentlichte seine Texte in Anthologien, Zeitschriften und am Radio. Der Autor studierte in Zürich und Florenz Germanistik und Romanistik und erlangte das Diplom für das höhere Lehramt. Noch während der Zeit an der Universität entstanden ein Hörspiel, mehrere Rundfunk-Features und Erzählungen für das Schweizer Radio. Nachdem Supinos Theaterstück „Café Terminus“ 1991 uraufgeführt worden war, gelang ihm mit seinem ersten Roman 1995 der Durchbruch. Peter Bichsel schrieb zu „Musica leggera“: "Supino ist ein Buch gelungen, das schon Hunderte vor ihm schreiben wollten, geschrieben haben, an ihm gescheitert sind. ... Musica Leggera ist die einfachste und ernsteste Liebesgeschichte der Welt, jene Liebesgeschichte, die auch die unsere war.“ Seit seinem fulminanten Debüt sind zwei weitere Romane aus der Feder Supinos erschienen.Franco Supino lebt heute in Solothurn und unterrichtet am Lehrerseminar.

Links
www.francosupino.ch
ansichten.srf.ch/autoren/franco-supino/
www.aargauerzeitung.ch/solothurn/kanton-solothurn/besser-sein-als-der-schweizer-franco-supino-ueber-den-umgang-mit-dem-fremden-130703490

Werke:
  • Musica leggera. Zürich: Rotpunktverlag, 1995
  • Die Schöne der Welt oder Der Weg zurück. Zürich: Nagel & Kimche, 1997
  • Der Gesang der Blinden. Zürich: Nagel & Kimche, 1999
  • Ciao amore, ciao. Zürich: Rotpunkt, 2003
  • Das andere Leben. Zürich: Rotpunktverlag, 2008
  • Solothurn liegt am Meer. Olten: Knapp, 2009
  • Wasserstadt. Solothurn: Kwasi Verlag, 2013
  • Linas Stein. Zürich: SJW, 2013

Auszeichnungen:
  • Werkjahresbeitrag des Solothurnischen Kuratoriums für Kulturförderung (1986)
  • Werkjahr der Pro Helvetia (1998)
  • Stipendium der Stadt Stuttgart im Schriftstellerhaus (2000)
  • Förderpreis der Kulturstiftung Kurt Alten (2003)
  • Werkbeitrag Pro Helvetia (2011)

Textausschnitt aus "Die Schöne der Welt oder Der Weg zurück" [S. 20-21]

Fünfzehn Jahre nur war Signor Iovine als Emigrant im Ausland gewesen, hatte das ersparte Geld in Italien geschickt investiert, in ein Haus, in eine Autowerkstatt, war zurückgekehrt und hatte sich wieder heimisch gemacht. Keine Behördentür war ihm verschlossen geblieben, keine falsche Beziehung hatte ihn aufgehalten, im Gegenteil: Inzwischen bemühte sich, wie Vater und Sohn Anzalone im Dorf festgestellt hatten, schon jeder um die Gunst seiner Freundschaft.
Wem gelang das schon, sagte sich Fausto. Die meisten Emigranten schafften die Rückkehr, wenn überhaupt, erst mit der Pensionierung. Sie trauten es sich nicht zu, sich im Heimatdorf, das sie abgetrieben hatte wie eine unerwünschte Schwangerschaft, wieder eine Existenz aufzubauen. Und die es trotzdem wagten, scheiterten an den veränderten Umständen, so dass sie nach wenigen Jahren wie jener unverhofft Millionär gewordene Bettler, dem in kurzer Zeit alles Geld zerrinnt, gedemütigt, mit hängenden Schultern, wieder ins Ausland zogen. Wer als Rückkehrer im Heimatdorf überleben wollte, der musste unter härteren Bedingungen arbeiten und mit weniger Lohn auskommen als im Ausland. So war es immer gewesen.

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