Sulzer Alain Claude

Alain Claude Sulzer wurde am 17. Februar 1953 in Basel geboren. Er machte eine Ausbildung zum Bibliothekar und arbeitete als Journalist. Heute lebt Sulzer als Schriftsteller in Basel und im Elsass. Neben seiner literarischen Tätigkeit ist er auch als Übersetzer und Herausgeber tätig.

Links
alainclaudesulzer.ch/
www.tageswoche.ch/de/2015_39/kultur/699340/
ansichten.srf.ch/autoren/alain-claude-sulzer/

Werke:
  • Das Erwachsenengerüst. Roman. München: P.List, 1983
  • Bergelson. Erzählung. München: P.List, 1985
  • Das Künstlerzimmer. Erzählungen. Stuttgart: Klett-Cotta, 1988
  • Die siamesischen Brüder. Roman. Stuttgart: Klett-Cotta, 1990
  • Das literarische Menü I. Mit Eckart Witzigmann. Frankfurt/M.: Insel, 1997
  • Das literarische Menü II. Mit Heinz Winkler. Frankfurt/M.: Insel, 1998
  • Urmein. Roman. Stuttgart: Klett-Cotta, 1998
  • Annas Maske. Novelle. Zürich: Edition Epoca, 2001
  • Ein perfekter Kellner. Roman. Zürich: Edition Epoca, 2004
  • Privatstunden. Roman. Zürich: Edition Epoca, 2007
  • Zur falschen Zeit. Roman. Berlin: Galiani, 2010
  • Aus den Fugen. Roman. Berlin: Galiani, 2012
  • Basel. München: Hoffmann und Campe, 2013
  • Postskriptum. Roman. Berlin: Galiani, 2015

Auszeichnungen:
  • Förderpreis Stadt Köln (1983)
  • Rauriser Literaturpreis (1984)
  • Stipendium des Berliner Senats (1988)
  • Preis der Schillerstiftung (1999)
  • Werkpreis der Schillerstiftung (2005)
  • Hermann-Hesse-Literaturpreis (2009)
  • Werkbeitrag Pro Helvetia (2013)
  • Kulturpreis der Stadt Basel (2013)

Textausschnitt aus "Ein perfekter Kellner" [S. 14-15]

Er hatte Zeit, er wartete., Er liess sich zwei Tage Zeit, bevor er sich endlich entschloss, den Brief in der Nacht vom Samstag auf den Sonntag zu öffnen. Während er die Gäste bediente, liess er seinen Phantasien freien Lauf. Er dachte an den Brief. Indem er ihn nicht öffnete, hielt er die Zeit an. Er las ihn weder am Freitag noch am Samstag. Die Zeit, die er anhielt und die sich im Briefumschlag verbarg, brannte durch das gestärkte Hemd hindurch auf seiner Brust, zwei Tage lang trug er ihn bei sich, nachts stellte er ihn auf den Nachttisch und schlief über seinen Betrachtungen ein. Es war ein erregendes Vergnügen. Er hielt die Zeit an, indem er den Brief nicht öffnete, noch nicht, er wartete, er malte sich aus, was er enthielt.

Die Briefe, die er in den letzten zehn Jahren erhalten hatte, konnte er an zehn Fingern abzählen, Gäste schrieben nicht, Kollegen schrieben an die gesamte Belegschaft, Freunde hatte er keine. Wenn er Post erhielt, dann waren es Rechnungen oder Reklamesendungen, an Weihnachten der bunte Katalog von Franz Carl Weber, die Aquarelle behinderter Künstler, manche unbeholfen, andere mit erstaunlicher Fertigkeit mit den Füssen gezeichnet oder mit dem Mund gemalt, hin und wieder eine Karte aus Paris, von seiner Cousine.

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