Streit Jakob

Jakob Streit (1910-2009) wurde am 23.9.1910 als Sohn eines Uhrmachers in Spiez geboren. Nach seiner Schulbildung besuchte er das staatliche Lehrerseminar in Bern und arbeitete danach an der Volksschule in Bönigen als Primarlehrer. Aus seinen Unterrichtserfahrungen erwuchs das Bedürfnis, seine Erzählungen in Buchform festzuhalten. So veröffentlichte Jakob Streit seit 1940 unzählige Kinder- und Jugendbücher mit überwiegend religiösem Inhalt. Daneben verfasste er auch Sachbücher zu Erziehungsfragen, in denen sich Streit auf die Pädagogik Rudolf Steiners berief. Von 1947-1952 wirkte der schreibende Lehrer als Regisseur der Tell-Freilichtspiele in Interlaken. Ab 1958 war er während sieben Jahren Spielleiter der Schlossspiele in Spiez. Hinzu kam die regelmässige Regie-Tätigkeit für Opern und das Wirken als Dirigent diverser Chöre, wobei ihm die eigene Ausbildung an Klavier und Orgel zugute kam. Nach seiner Pensionierung entfaltete Jakob Streit eine rege Vortragstätigkeit über kulturelle und pädagogische Themen und schrieb auch Bücher für Erwachsene. Seine Werke wurden bis heute in zwölf verschiedene Sprachen übersetzt. Jakob Streit starb am 15. Mai 2009 in seinem Geburtsort Spiez.

Links
www.jakobstreit.ch

Werke:
  • Kindheitslegenden. Bern: Troxler, 1941
  • Tiergeschichten. Zürich: Atlantis, 1941
  • Das Bienenbuch. Zürich: Atlantis,1944
  • Dreikönigsbuch. Bern: Troxler, 1951
  • Bergblumenmärchen. Zürich: Atlantis, 1954
  • Kleine Schöpfungsgeschichte. Freiburg: Novalis, 1956
  • Die Söhne Kains. Freiburg: Novalis, 1959
  • Die schöne Magellone. Zürich: SJW, 1960
  • Von Zwergen und Wildmannli. Zürich: SJW, 1965
  • Rösli von Stechelberg. Zürich: SJW, 1968
  • Beatus, ein irischer Glaubensbote. Zürich: SJW, 1968
  • Und es ward Licht. Von der Weltschöpfung bis zur Arche Noah. Stuttgart: Freies Geistesleben, 1970
  • Milon und der Löwe. Stuttgart: Freies Geistesleben, 1972
  • Therese Keller. Biographie. Bern: Zytglogge, 1974
  • Der Sternenreiter. Schaffhausen: Meier, 1976
  • Kleine Biene Sonnenstrahl. Stuttgart: Freies Geistesleben, 1978
  • Ich will dein Bruder sein. Stuttgart: Freies Geistesleben, 1979
  • Puck der Zwerg. Stuttgart: Freies Geistesleben, 1981
  • Anna Samweber. Biographie. Basel: Die Pforte, 1981
  • Vom Werden der Welt. Freiburg: Novalis, 1981
  • Der erste Weihnachtsbaum. Erzählungen. Freiburg: Novalis, 1983
  • Ziehet hin ins gelobte Land. Stuttgart: Freies Geistesleben, 1983
  • Tatatucks Reise. Stuttgart: Freies Geistesleben, 1984
  • Geron und Virtus. Freiburg: Novalis, 1985
  • Drei Rittergeschichten. Freiburg: Novalis, 1985
  • Liputto. Zwergengeschichte. Stuttgart: Urachhaus, 1987
  • Louis Braille. Ein blinder Junge erfindet die Blindenschrift. Stuttgart: Freies Geistesleben, 1987
  • Geschichten vom Schenken und Helfen des Sankt Nikolaus. Stuttgart: Freies Geistesleben, 1989
  • Miriam zu Betlehem. Stuttgart: Freies Geistesleben, 1989
  • Ich will dein Bruder sein. Legende. Stuttgart: Freies Geistesleben, 1989
  • Lasst uns den Tempel bauen. Stuttgart: Freies Geistesleben, 1990
  • Die Zauberflöte. Stuttgart: Freies Geistesleben, 1991
  • Unsichtbare Wächter. Stuttgart: Freies Geistesleben, 1992
  • Zwerg Wurzelfein. Stuttgart: Urachhaus, 1992
  • Die Geschichte der zwei Jesusknaben. Basel: Die Pforte, 1992
  • Im Rosenhaus. Stuttgart: Urachhaus, 1992
  • Ajuk und die Eisbären. Stuttgart: Freies Geistesleben, 1993
  • Das Osterlamm. Legende. Stuttgart: Freies Geistesleben, 1993
  • Nagick, das Eichhörnchen. Aarau: AT, 1993
  • Puck und der Regenbogen. Drei Zwerge besuchen das Menschenreich. Stuttgart. Freies Geistesleben, 1996
  • Bruder Franz. Das Leben des Francesco von Assisi. Stuttgart: Urachhaus, 1996
  • Odilie. Botin des Lichts. Stuttgart. Freies Geistesleben, 1997
  • Parzival. Der Weg zum heiligen Gral. Basel: Die Pforte, 1997
  • Wegspuren. Lyrik. Dornach: Die Pforte, 2000
  • Columban. Ein Kämpfer für das irische Christentum. Stuttgart: Urachhaus, 2002
  • Königskind und Hirtenkind. Die Geschichte der beiden Jesusknaben. Stuttgart: Urachhaus, 2003

Auszeichnungen:
  • Literaturpreis der Stadt Bern (1955)

Textausschnitt aus "Louis Braille. Ein blinder Junge erfindet die Blindenschrift" [S. 66]

Vater Simon hatte in Paris zwei Holzwürfel mit leicht eingebohrten, vertieften Löchern gekauft. Wenn Feierabend in Coupvray war, sassen sie zu dritt am Tisch. Mutter Braille hatte eine Schachtel mit Hemdknöpfen. Wenn sie mit den Würfeln spielten, bekam jeder Spieler zu Beginn ein Dutzend Knöpfe. Bei jeder Würfelrunde setzte jeder einen Knopf in ein Tellerchen. Louis bat, er möchte jeweils die Oberseite der beiden Würfel erspüren und zusammenzählen. Wer in einer Runde gewann, durfte die drei Knöpfe im Teller zu sich nehmen. Bald gewann dieser, bald jener. Wer keinen Knopf mehr hatte, musste aussteigen, bis der Sieger alle 36 Knöpfe hatte. So flink konnte Louis die Würfelzahlen erfühlen, dass das Spiel munter dahinlief. Er sagte: „Wenn die Würfel für die Zahlen statt Löcher kleine Buckel hätten, wären die Zahlen noch besser zu erkennen. Vater, darf ich morgen mit deiner Hilfe in jedes Loch einen kleinen Kopfnagel schlagen?“ Dieser antwortete: „Ja, mit den feinsten Tapeziernägeln wird es gehen.“
So konnten sie am folgenden Abend mit Punktwürfeln spielen.

Zurück