Sterchi Beat

Beat Sterchi wurde am 12.12.1949 in Bern geboren. Nach einer Metzgerlehre wanderte er 1970 nach Kanada aus und studierte dort Anglistik. Von 1975 bis 1977 war er Sprachlehrer in Tegucigalpa (Honduras) und beschäftigte sich mit lateinamerikanischer Literatur. Bis 1982 absolvierte er weitere Studien in Kanada und war Englischlehrer in Montreal. Von 1984 bis 1994 lebte Sterchi in einem kleinen Dorf in Spanien, bevor er wieder in die Schweiz zurückkehrte. Er wohnt heute in Bern. Beat Sterchi debütierte 1983 aufsehenerregend mit dem Roman "Blösch". Der Roman handelt vom Leben eines Spaniers, der als Knecht auf einen Bauernhof kommt, von seinem friedlichen Leben mit den Kühen und von den nicht so friedlichen Dorfbewohnern. Ob Tier oder Mensch, die Kreaturen sind eingehagt, Gefangene ihrer Situation. Dagegen hilft nur Muhen, Fluchen, Poltern. Aber Sterchi lässt gerade in den stummen oder wortreichen Formen verzweifelter Ausdrucksnot den Widerstand und damit die Würde der Opfer aufscheinen: Blösch, zuletzt ein heruntergewirtschaftetes Wrack, ist stärker als das Schlächterbeil und gibt seinen Metzgern das Stichwort zur anarchischen Revolte. Die in "Going To Santiago" (1995) enthaltenen Berichte, Porträts und Reportagen erschienen zuerst in verschieden Zeitungen, so unter anderen in der "WochenZeitung" und in der "Neuen Zürcher Zeitung".

Links
www.beatsterchi.ch
www.spiegel.de/spiegel/print/d-14024469.html
www.buchjahr.uzh.ch/wordpress/index.php/2016/10/20/lokalterminmehr-mundigkeit-wirklichstreitgesprach-mit-beat-sterchi-und-ariane-von-graffenried/

Werke:
  • Blösch. Zürich: Diogenes, 1983
  • Skizzen aus einem spanischen Dorf. Göttingen: Herodot, 1985 (= Sudelblätter 2)
  • Going to Santiago. Spanien. Fahrten, Fährten, Feste. Zürich: WoZ im Rotpunktverlag, 1995
  • Auch sonntags etwas Kleines. Lange Listen, kurze Geschichten. Zürich: Rotpunktverlag, 1999
  • Das Matterhorn ist schön. Ein Theater. Belp: Theaterverlag Elgg, 2000
  • Ging Gang Gäng. Luzern: Verlag Gesunder Menschenversand, 2010
  • U no einisch. Luzern: Verlag Gesunder Menschenversand, 2016

Auszeichnungen:
  • Erstlingspreis Aspekte ZDF (1983)
  • Weinpreis für Literatur (1983)
  • Preis der Schweizerischen Schillerstiftung (1984)
  • Buchpreis des Kantons Bern (1984)
  • Hörerpreis des Westschweizerischen Radio (1988 )
  • Literaturpreis des Kulturkreises im Bundesverband der deutschen Industrie (1988)
  • Preis der Literaturkommission der Stadt Bern (1989)
  • Basler Hörspielpreis (1994)
  • Literaturpreis der Stadt Bern (2001)
  • Buchpreis des Kantons Bern (2005)

Textausschnitt aus "Blösch" [S. 258-259]

Wie Schlangen drängten sich die vom Wiederkäuen noch grünen Zungen aus den Flotzmäulern der Knuchelkühe. Vor der Abendmelkung wurde EIVIMI geleckt. Die Kauflächen der Backenzähne unten quetschten es gegen die zahnlosen Gaumen in den Oberkiefer.
Die Stalluft bebte, sie war erfüllt von tierischer Gier.
Im Futtergang hatte Ambrosio kurz gezögert. War es noch zu verantworten, diesen Kühen solch hochwertige Nahrung zu verabreichen? Würde sich die überschüssige Energie wirklich nur in den Milchdrüsen speichern, oder würde sie zu einem weiteren Übermutstaumel in der Herde führen? Nur kein zweiter Weideaufstand! Ein Ausbruch durch das Knuchelwäldchen hinauf, quer durchs Gebüsch auf die unberührten Wiesen der Schiessanlage genügte.
Trotzdem hatte Ambrosio keine Schwierigkeiten gehabt, sich gegen eine Kraftfutterkürzug zu entscheiden. Wie gestern, wie vorgestern hatte er einen der Säcke auf dem Stapel gepackt, hatte ihn sich aufgeladen, um ihn direkt von der Schulter weg in die Futterrinne zu schütten. Er hatte noch einen halben Sack über die berechnete Ration hinaus dazugegeben. Er wollte ganz sicher sein, dass es klappte mit der Milchproduktion. Während seiner Alleinherrschaft im Knuchelstall sollte sich der Melkertrag um keinen einzigen Liter verringern. Dafür wollte Ambrosio unter allen Umständen sorgen. Und wenn er zum Wasserschlauch greifen musste.

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