Späth Gerold

Gerold Späth wurde am 16.10.1939 als Sohn eines Orgelbauers in Rapperswil am Oberen Zürichsee geboren. Nach der Ausbildung zum Exportkaufmann folgten längere Aufenthalte in London und Fribourg. Später arbeitete er im väterlichen Geschäft. Danach unternahm er verschiedene Reisen. Späth lebt heute nach einem längeren Aufenthalt in Irland wieder in der Schweiz (Wagen/Rapperswil). Thematisch zusammenhängend sind die drei zentralen Werke Späths: "Unschlecht" (1970), "Balzapf oder als ich auftauchte" (1977) und "Barbarswila" (1988), in denen Rapperswil unter den Namen Spiessbünzen, Molchgüllen, Barbarswila, für satirische Kleinstadtdarstellungen Modell steht. Die ersten beiden Romane sind der Tradition des barocken Schelmenromans verpflichtet. Mit der Beschreibung einer Familienhölle verlässt Späth in "Die heile Hölle" (1974) das Muster des Schelmenromans. Zu einer neuen Erzählform greift er in "Commedia" (1980), ein Werk, in dessen erstem Teil 203 meist irgendwie lädierte Charaktere in zusammenhanglosen Kleinporträts präsentiert werden, die sich im zweiten Teil dann in einem Museum treffen, aus dem es wie aus Dantes Inferno kein Entrinnen mehr gibt. Späths Kosmos ist gekennzeichnet durch Liebe, Lust und Laster, Hang zur prallen Sinnlichkeit und das barocke Bewusstsein um die Vergänglichkeit alles Irdischen. Er beherrscht alle Register vom Komischen und Humorvollen bis zum Tragischen.

Links
www.spiegel.de/spiegel/print/d-14321981.html
www.literaturkritik.de/public/rezension.php?rez_id=7503&ausgabe=200410
ansichten.srf.ch/autoren/gerold-spaeth/
www.srf.ch/play/radio/regionaljournal-ostschweiz/audio/rapperswil-liebt-seinen-kritiker-gerold-spaeth-wieder?id=b8cc4023-1426-4cad-93ce-bb747ecb1ee6
www.videoportal.sf.tv/video?id=b003027b-a29d-4cc2-9021-3d7f6c8c2eb4

Werke:
  • Unschlecht. Zürich: Arche, 1970
  • Stimmgänge. Zürich: Arche, 1972
  • Zwölf Geschichten. Zürich: Arche, 1973
  • Die heile Hölle. Zürich: Arche, 1974
  • Schnelle Reisen. Zollikon: Kranich, 1976
  • Balzapf oder als ich auftauchte. Frankfurt/M.: Fischer, 1977
  • Phönix - die Reise in den Tag. Erzählungen. Pfaffenweiler: Pfaffenweiler Presse, 1978
  • Ende der Nacht. Pfaffenweiler: Pfaffenweiler Presse, 1979
  • Commedia. Frankfurt/M.: Fischer, 1980
  • Von Rom bis Kotzebue. Fünfzehn Reisebilder. Zürich: Artemis, 1982
  • Sacramento. Neun Geschichten. Frankfurt/M.: Fischer, 1983
  • Sindbadland. Frankfurt/M.: Fischer, 1984
  • Verschwinden in Venedig. Geschichten. Pfaffenweiler: Pfaffenweiler Presse, 1985
  • Früher am See. Pfaffenweiler: Pfaffenweiler Presse, 1988
  • Barbarswila. Frankfurt/M.: Fischer, 1988
  • Tausend Dinge. Zumikon: Kranich, 1989
  • Stilles Gelände am See. Frankfurt/M.: Suhrkamp, 1991
  • Das Spiel des Sommers neunundneunzig. Frankfurt/M.: Suhrkamp, 1993
  • Ein Nobelpreis wird angekündigt. Pfaffenweiler: Pfaffenweiler Presse, 1999
  • Eis und Wasser. Pfaffenweiler: Pfaffenweiler Presse, 1999
  • Die gloriose White Queen. Ein Abenteuer. Göttingen: Steidl, 2001
  • Familienpapiere. Göttingen: Steidl, 2003
  • Stimmgänge. Roman. Göttingen: NA bei Steidl, 2003
  • Aufzeichnungen eines Fischers (das erste Jahr). Basel: Lenos Verlag, 2006
  • Mein Lac de Triomphe. Aufzeichnungen eines Fischers (das zweite Jahr). Basel: Lenos, 2007
  • Mich lockte die Welt. Basel: Lenos, 2009
  • Das Spiel des Sommers neunundneunzig. Basel: Lenos, 2009
  • Die heile Hölle. Basel: Lenos, 2010
  • Drei Vögel im Rosenbusch. Eine Erzählung. Basel: Lenos, 2013

Auszeichnungen:
  • Preis der Conrad Ferdinand Meyer-Stiftung (1970)
  • Werkjahr der Stadt Zürich (1970)
  • Werkjahr Pro Helvetia (1972 / 1991 / 1997)
  • Werkjahr der Stiftung der Schweiz. Landesausstellung (1973)
  • Werkjahr des Kantons Zürich (1975)
  • Anerkennungsgabe der Stadt Zürich (1977 / 1983)
  • Anerkennungsgabe des Kantons St.Gallen (1979)
  • Alfred Döblin-Preis (1979)
  • DAAD-Stipendiat in Berlin (1980) Stipendiat am Istituto Svizzero in Rom (1980/81)
  • Preis der Schweizerischen Schillerstiftung (1983 / 1992)
  • Internationaler Pressepreis der Stadt Rom (1983)
  • Georg Mackensen-Literaturpreis (1984)
  • Anerkennungsgabe des Kantons Zürich (1984)
  • Hörspielpreis der Stiftung "Radio Basel" (1987)
  • Preis für Schweizer Theatermacher (1990)
  • Ehrengabe der Stadt Zürich (2001)
  • Werkbeitrag der Pro Helvetia (2004)

Textausschnitt aus "Stilles Gelände am See" [S. 9]

Nie stiller der See als in den letzten Tagen des März. Dicht. Reglos. Ganz versammelt und aus schwerem Glanzmetall, silberdunkel verbleit. In dieser Zeit, die stillestand, kippte der mürbe Winter und zerfiel und versickerte. Ein allererster warmer Hauch hing als ein unsichtbarer Schwebevorhang in der Luft und machte die Vögel pfeifen von den Wipfeln und Türmen herab, und aus Ritzen und Spalten in Mauern und unter der Täfelung hervor kamen die Winterfliegen lahm ans Licht gekrochen in eine neue Welt, und über den feuchten Klafterbeigen am Waldrand, wo die Holzer die Buchen umgelegt und zersägt hatten im Schnee, tanzten die ersten Eintagsfliegen, fragiler als das zerbrechlichst hingehauchte Seidenglasgespinst.

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