Simmen Andrea

Andrea Simmen wurde am 15. Dezember 1960 in Zürich geboren, wo sie auch aufgewachsen ist. Häufige Schulwechsel prägten ihre Kinder- und Jugendjahre. Simmen arbeitete als Köchin, Dekorateurin und Gärtnerin. Nebenher begann sie zu schreiben. 1990 gab sie die Arbeit in der Gartenbaufirma auf, um sich vollends der Schriftstellerei zu widmen. Andrea Simmen lebt in Flaach bei Winterthur, wo sie am 19. Juli 2005 starb.

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www.nzz.ch/articleD0CZ5-1.159833

Werke:
  • Ich bin ein Opfer des Doppelpunkts. Erzählungen. Frankfurt/M.: Frankfurter Verlagsanstalt, 1991
  • Landschaft mit Schäfer und anderen Reizen. Erzählungen. Zürich: Nagel & Kimche, 1993
  • Vielleicht heisst er Paul. Frankfurt/M.: Schöffling & Co., 1995
  • Der eingeschneite Hund. Frankfurt/M.: Schöffling & Co., 2001

Auszeichnungen:
  • Arbeiterliteraturpreis (1986)
  • Werkjahr der Stadt Zürich (1991)
  • Ehrengabe des Kantons Zürich (1991)
  • Anerkennungspreis Zollikon (1993)
  • Werkbeitrag Pro Helvetia (1994)
  • Werkjahr des Kantons Aargau (1995)
  • Werkbeitrag des Kantons Aargau (1999)

Textausschnitt aus "Der eingeschneite Hund" [S. 8-9]

Die Dorffrauen holten ihr Bestelltes ab, und die Ladenbesitzerin schrieb es in ein kleines Schulheft, ich bezahlte bar und kam mir sehr reich vor, das genierte mich ein wenig. Später, als das Dorf unsere Sippe akzeptierte, durfte auch meine Mutter anschreiben lassen, ich schrieb auch an, meine Schokoladenstengeli, Suguspackungen und Ovosport, ab und zu auch eine Schachtel Pralinen, italienische, unglaublich schlechte Schokolade, aber eine wunderbare Verpackung, rosarote Schleife, goldenes Stanniolpapier mit Papierspitzen hüllte die kleinen, ausgeschwitzten Schokobällchen ein, und wenn ich die Pralinen fast alle gegessen hatte, füllte ich in die leeren Verpackungspapiere Steinchen und verschenkte die Schachtel unter geschworener Verschwiegenheit meinen Cousinen und Cousins.

Nach der monatlichen Abrechnung flog alles auf, natürlich bekam ich kein schlechtes Gewissen, schliesslich war ich ein Kind und verstand nichts von Wirtschaft, nur etwas von ungestillten Süssigkeitsbedürfnissen, meine Mutter bezahlte wieder bar, und ich musste mit meinem eigenen Sackgeld auskommen.

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