Schwager Susanna

Am 13. Januar 1959 wurde Susanna Schwager in Zürich geboren. Ihren beruflichen Werdegang startete sie als Redaktorin bei der renommierten „alten“ Weltwoche und als Lektorin beim Diogenes Verlag. Mehrere Jahre lebte sie in Mexiko, wo sie Reportagen u.a. für die Neue Zürcher Zeitung und die Weltwoche verfasste und (zusammen mit Michael Hegglin) den Band „Gebrauchsanweisung für Mexiko“ schrieb. Zurückgekehrt in die Schweiz machte sie sich mit „Fleisch und Blut“ (2004) und „Die Frau des Metzgers“ (2007) als Autorin einen Namen. Beide Bücher sind berührende Hommagen an ihre Grosseltern. „Ida – eine Liebesgeschichte“, 2010 erschienen, vervollständigte die Familientrilogie, für die sie 2011 einen Schillerpreis erhielt. Aus Gesprächen mit Männern und Frauen, alten und jungen Menschen sind Porträts entstanden, die von Susanna Schwagers Interesse an dokumentarischem Schaffen und ihrem hohen Einfühlungsvermögen zeugen. Susanna Schwager lebt in Zürich.

Links
www.susannaschwager.ch
reportagen.com/blog/2012/04/12/susanna-schwager-was-ich-mache-ist-meine-umgebung-anschauen
www.woerterseh.ch/download/pages/docs/schweizer-buchhandel_juni2012-susannaschwager.pdf
ansichten.srf.ch/autoren/susanna-schwager/

Werke:
  • Gebrauchsanweisung für Mexiko. München: Piper, 1998
  • Fleisch und Blut. Das Leben des Metzgers Hans Meister. Zürich: Chronos, 2004
  • Die Frau des Metzgers. Eine Annäherung. Zürich: Chronos, 2007
  • Das volle Leben – Frauen über achtzig erzählen. Gockhausen: Wörterseh, 2007
  • Das volle Leben – Männer über achtzig erzählen. Gockhausen: Wörterseh, 2008
  • Ida – eine Liebesgeschichte. Gockhausen: Wörterseh, 2010
  • Das halbe Leben – Junge Männer erzählen. Gockhausen: Wörterseh, 2012
  • Freudenfrau. Gockhausen: Wörterseh, 2014

Auszeichnungen:
  • Werkbeitrag der UBS-Kulturstiftung (2005)
  • Hermann-Herzer-Preis der Schweizer Metzger (2006)
  • Beitrag des Kantons Solothurn (2006)
  • Literarische Auszeichnung des Kantons Zürich (2007)
  • Werkjahr Kanton Thurgau (2008)
  • Werkjahr Pro Helvetia (2008)
  • Schillerpreis der Zürcher Kantonalbank (2011)

Textausschnitt aus Textausschnitt „Ida. Eine Liebesgeschichte“ [S. 101-102]

Die Hochzeit war schlicht, heisst es. Vielleicht war sie nicht mal das. Ida war sehr schweigsam. Ich stelle mir vor, sie ging in die Kammer hinter der Küche, in der Josefa mit dem lahmen Leib lag. Die Schwester wird sie zweifelnd angeschaut haben.
„Willst du denn den Johann?“
„Ich liebe den Erlöser. Ich bin seine demütige Braut und sein Werkzeug. Er wartet auf mich im Himmelreich. Was soll ich denn – ich folge nur seinem Ratschluss.“
„Meine liebe Ida, du solltest aber Johann lieben. Wenn du dich mit ihm vermählst, solltest du ihn von ganzem Herzen wollen. Du wirst Kinder mit ihm haben.“
„Es werden die Kinder des Erlösers sein“, sagte vielleicht Ida.
Auch die Mutter Marie, die Ida mit Johann in jener Nacht aus dem Wald hatte treten sehen, äusserte Bedenken, wenn auch anderer Art. Es ist überliefert, dass sie Ida auf den Weg mitgab: „Da hast du dir ein schweres Los ausgesucht, Tochter. Du wirst kein einfaches Leben haben mit diesem Mann.“
Ida trug ein schlichtes Kleid, das sie sich selbst genäht hatte, und ein weisses Blumenkränzchen, wie sie es auch getragen hätte, wenn sie als Seine Braut im Zeichen ewiger Demut und Hingabe im Staub gelegen, einen neuen Namen angenommen und Seinen Ring getragen hätte. Ein weisser Mousselineschleier, mit feinen Ranken bestickt, bedeckte ihre schwarze Flut, die sie für dieses eine Mal vor aller Augen offen trug. Johann hatte ihn ihr überreicht.
Als Ida sich in Josefas Kammer den Schleier und den weissen Kranz auflegte und mit schwarzen Nadeln festmachte, kamen die Tränen. Es war das erste von den beiden Malen, dass Ida lange und bitter weinte. Unaufhörlich habe sie geweint, den ganzen Hochzeitstag hindurch, so sehr, dass jeder es sah und man es heute noch weiss.

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