Schubiger Jürg

Jürg Schubiger wurde am 14.10.1936 in Zürich geboren, wo er am 15. September 2014 auch verstorben ist. Aufgewachsen ist er in Winterthur. Er arbeitete in mehreren Berufen, unter anderem als Gärtner und Holzarbeiter ehe er sich selbständig auf die Matura vorbereitete und sich zum Studium der Germanistik, Psychologie und Philosophie entschloss. Nach Abschluss seiner akademischen Ausbildung mit dem Titel des Dr.phil. war Schubiger von 1969-1979 als Verleger im pädagogischen Verlag seines Vaters tätig. Er bildete sich im Bereich der Einzel- und Gruppentherapie weiter und lebte als Schriftsteller und Psychotherapeut in Zürich. Neben Romanen für Erwachsene erlangte Jürg Schubiger vor allem mit seinen poetisch-philosophischen Texten für Kinder internationale Beachtung. So erhielt er für sein Gesamtwerk in dieser Sparte 2008 die wichtigste Auszeichnung im Bereich der Kinder- und Jugendliteratur, den Hans Christian Andersen-Preis.

Links
www.nzz.ch/nachrichten/hintergrund/wissenschaft/schreiben_ist_hinhoeren_hinschauen_1.1251728.html
www.ibby.org/index.php?id=885
www.srf.ch/player/radio/drs2aktuell/audio/juerg-schubiger-schreibt-lustige-poesie-fuer-kinder?id=dc32808c-d41f-4849-9ca1-1933c5668b56
www.srf.ch/kultur/literatur/juerg-schubiger-ein-im-besten-sinne-kindlicher-schriftsteller

Werke:
  • Barbara. Erzählung. St.Gallen: Tschudy, 1956
  • Guten Morgen. Eine Erzählung. St.Gallen: Tschudy, 1958
  • Die vorgezeigten Dinge. Geschichten. Bern: Zytglogge, 1971
  • Dieser Hund heisst Himmel. Tag- und Nachtgeschichten. Mit Bildern von Klaus Steffens. Weinheim / Basel: Beltz & Gelberg, 1978
  • Und dänn? U de? U derno? Gschichte für Chind. Gsammlet vom Jürg Schubiger. Zeichnige vo de Edith Schindler. Frauenfeld: Huber, 1983
  • Unerwartet grün. Darmstadt: Luchterhand, 1983
  • Hin- und Hergeschichten. Mit Franz Hohler. Zürich: Nagel & Kimche, 1986
  • Das Löwengebrüll. Märchen, Geschichten. Bilder von Edith Schindler. Weinheim / Basel: Beltz & Gelberg, 1988
  • Hinterlassene Schuhe. Zürich: Nagel & Kimche, 1989
  • Als die Welt noch jung war. Bilder von Rotraut Susanne Berner. Weinheim / Basel: Beltz & Gelberg, 1995
  • Haus der Nonna. Aus einer Kindheit im Tessin. Aufgeschrieben von Jürg Schubiger, erzählt von Joli Schubiger-Cedraschi. Stark überarbeitete Auflage. Zürich: Limmat, 1996
  • Mutter, Vater, ich und sie. Erzählung. Bilder von Rotraut Susanne Berner. Weinheim /Basel: Beltz & Gelberg, 1997
  • Nichts tun ist schwierig. Mit Bildern von Jürg Obrist. Zürich: Orell Füssli, 1998
  • Wo ist das Meer? Geschichten. Mit Bildern von Rotraut Susanne Berner. Weinheim / Basel: Beltz & Gelberg, 2000
  • Haller und Helen. Innsbruck: Haymon, 2002
  • Das Ausland. Mit Illustrationen von Albertine. Wuppertal: P.Hammer, 2003
  • Die Geschichte von Wilhelm Tell. Zürich: Nagel & Kimche, 2003
  • Seltsame Abenteuer des Don Quijote. Bilderbuch. Mit Illustrationen von Jassen Ghiuselev. Berlin: Aufbau, 2003
  • Du stehst in meinem Leben herum. Journal zu zweit. Mit Renate Schubiger. Bern: Zytglogge, 2003
  • Aller Anfang. Geschichten von Jürg Schubiger und Franz Hohler. Basel/Weinheim: Beltz & Gelberg, 2006
  • Die kleine Liebe. Innsbruck: Haymon, 2008
  • Der Wind hat Geburtstag. Wuppertal: Hammer, 2010
  • Als der Tod zu uns kam. Wuppertal: Hammer, 2011
  • Zwei, die sich lieben. Wuppertal: Hammer, 2012
  • Überall ist leicht zu verpassen. Berlin: Jacoby & Stuart, 2012
  • Das Kind im Mond. Mit Bildern von Aljoscha Blau. Wuppertal: Hammer, 2013
  • Nicht schwindelfrei. Roman. Innsbruck: Haymon, 2014

Auszeichnungen:
  • Anerkennungspreis des Kantons Zürich (1980)
  • Werkjahr des Kantons Zürich (1983)
  • "Luchs 102" der Jury von ZEIT und Radio Bremen (1995)
  • Schweiz. Hörspielpreis (1996)
  • Schweizer Jugendbuchpreis (1996)
  • IBBY-Ehrenliste (1996)
  • Deutscher Jugendliteraturpreis (1996)
  • Silberner Griffel Boekenwelp (1997)
  • Menzione des Premio Europeo die Letteratura Giovanile (1998)
  • Ehrengabe des Kantons Zürich (2002)
  • Schillerpreis der Kantonsbank (2003)
  • Werkjahr der Stadt Zürich (2003)
  • Hans Christian Andersen-Preis (2008)
  • Zolliker Kunstpreis (2009)

Textausschnitt aus "Hinterlassene Schuhe" [S. 18]

Soviel ist klar: ich habe Erika nicht über die Treppe gestossen. Ich musste mich, im Gegenteil, von ihr losreissen. Doch der Gedanke, sie nicht gestossen zu haben, genügt, um mich zweifeln zu lassen. Ich kann ihn ja nicht denken, ohne mir vorzustellen, wie es gewesen wäre, wenn ich sie doch gestossen hätte.
Ich werde Schoch, dem Bezirksanwalt, von Erika erzählen, wenn es sich ergibt. Ich will mein Leben ja nicht vor fremden Deutungen schützen. Ich gehe auch nicht davon aus, dass mein Leben einfach mir gehört. Dennoch meine ich manchmal, es könnte mir entwendet oder entstellt und überdrüssig gemacht werden. Ich bin es immerhin, der es leben muss. Zur Zeit in einem ländlichen Bezirksgefängnis.

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