Schnyder Bruno

Bruno Schnyder wurde am 4.1.1954 in Jonen (Kanton Aargau) geboren. Nach einer abgebrochenen Lehre arbeitete er einige Zeit in einer Buchhandlung und als Schuhverkäufer. Es folgte ein längerer Aufenthalt in Paris. Nach seiner Rückkehr in die Schweiz war Schnyder für verschiedene Zeitungen als freier Mitarbeiter tätig. Er lebte in Zürich, wo er am 26. März 2015 starb. Die Einsicht „Schreiben ist leben und umgekehrt" (Zitat aus „Drüben") hat sich für den langsam, aber konsequent arbeitenden Autor mit den Jahren weiter gefestigt. Nach einer längeren Phase ohne Veröffentlichungen unternimmt er seit einiger Zeit neue Schreibversuche und beschäftigt sich intensiv mit seinen Träumen. Die Niederschrift der nächtlichen Erlebnisse umfasst mehrere Bände. Zudem führt Bruno Schnyder seine Arbeit am Roman „Aspenholz" fort.

Links
www.sogar.ch/ein-abend-fuer-bruno-schnyder.html

Werke:
  • Durchbruch zum Abschied. Gedichte. Basel: Jo Fink, 1977
  • Albino. Zürich: Benziger, 1980
  • Aufstand der Träume. Gedichte. Zürich: Benziger, 1980
  • Drüben. Zürich: Benziger, 1981

Auszeichnungen:
  • Preis der Stadt Zürich (1980)
  • Preis der Pro Argovia (1980)
  • Preis von Stadt und Kanton Bern (1981)
  • Ehrengabe des Kantons Zürich (1986)

Textausschnitt aus "Drüben" [S. 66-67]

Öffne ich die Haustür, weht es Herbstblätter in den Hausgang. Das Aussen kommt nach innen. Einige Farnkräuter habe ich in Töpfe gepflanzt und ins Schlaf- und Arbeitszimmer gestellt. Die wenigen Glyzinien, die im Herbst noch einmal aufblühten, sind im ersten Frost erfroren. Und die Rosenstaude mit den wenigen Blüten habe ich gelassen, damit ich jeden Tag noch etwas Buntes, Blühendes sehe vom Balkon aus. Die Buntblätter des Birnbaums in der Wiese leuchten in allen Farben. Ich hole sie herein, presse sie in einem dicken Lexikon oder lege sie in eine Schale. Das Moos habe ich aus dem nahe gelegenen Wald geholt. Langsam stirbt alles ab, und die gekauften Zyklamen ersetzen mir nicht das, was ich sommer- und herbstüber an Farben und Blüten gesehen habe. Ich kümmere mich auch zuwenig um die Topfpflanzen, und sie gehen ein.

Leo bereitet sich auf eine Afrikareise vor. Am liebsten möchte ich mitkommen, sage ich zu ihm. Nein, sagt er, das ginge nie, genausowenig, wie wir miteinander wohnen könnten.

Die Nachbarskinder bleiben aus, und die Schokolade, die ich manchmal für sie bereithielt und die sie scheu entgegennahmen, liegt auf dem Küchenschrank. Ich esse keine Schokolade.

Der Postbote bringt Rezensionen über einen Gedichtband, den ich in einem kleinen Verlag publiziert habe und den ich Leo gewidmet habe. Leo hat sein Exemplar noch nicht abgeholt.

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